Sie sehen aus wie Jungs. Ziehen die Kapuze tief ins Gesicht. Doch ihre Taten sind alles andere als kleine Jugendsünden. Auch vor Gericht verhalten sich die ehemaligen Gucci Gang Mitglieder respektlos.
"Als die Angeklagten in den Gerichtssaal eintreten, versuchen sie miteinander zu sprechen und nicken einander zu. Mehrmals wurden sie von der Polizei ermahnt, nicht zu reden."
Sie sind selbst erst 18 und 19 Jahre alt und sollen 14-jährige Mädchen zur Zwangsprostitution gezwungen haben. Calvin S. und Hendrik V. sind Teil der Gucci-Gang und sind wegen mehrerer schwerer Straftaten angeklagt. Doch trotz langem Vorstrafenregister ist eine Verurteilung mit hohen Haftstrafen völlig offen.
Die sogenannte Gucci-Gang. Sie posen mit Knarre, machen auf dicke Hose. Die damals 14-jährigen Calvin S. und Hendrik V. beginnen ihre kriminelle Karriere sehr früh und geben sich einen skurrilen Gangnamen, den sie von einem Rapsong geklaut haben.
Gucci-Gang: "Gucci Gang, Gucci Gang, Gucci Gang"
Die Nachwuchsgangster haben in Wuppertal für Angst und Schrecken gesorgt.
"Ne Zeit lang sind wir auch nicht in die Stadt runtergegangen."
"Ich habe eine auch von den Stammkunden hier gehabt oder immer noch die, die wurde hier auf offener Straße auch wirklich Kette vom Hals gerissen. Die ist umgefallen auch."
Vor fünf Jahren wurden Calvin S und Hendrik V. nach einer brutalen Attacke auf den Rentner Ali Polat bekannt. Damals sind wir mit seinem Sohn Ecevit Polat zu dem Ort gegangen, wo sein Vater fast totgeprügelt wurde. In diesem im Flur begann ein Streit zwischen Ali Polat und den beiden Jugendlichen wegen einer absoluten Nichtigkeit.
„Mein Vater kam dann ins Treppenhaus rein und sah, wie die Jugendlichen hier an der Treppe saßen und hat die dann darum gebeten, dass sie rausgehen sollen // Und als er sich dann umdrehte und dabei dachte, dass die Jugendliche ihm nachfolgen würden, ist dann einer dieser Jugendlichen nach den Zeugenberichten direkt in seinen Kopf reingesprungen. Mit so einem sogenannten Karatetritt, so ein Kick. Ganz genau so, dass mein Vater dann gegenüber der Wand mit seinem Kopf aufgeknallt hat.“
Danach kriecht der 70-Jährige Hilfe suchend auf die Straße. Die beiden Gucci-Gang-Schläger sollen ihn verfolgt und weiter auf ihn eingetreten haben. Er überlebt nur knapp.
"Ich habe meinen Mann versprochen. Ich werde für dich kämpfen."
Das Opfer Ali Polat liegt zunächst im Koma. Durch die Schläge erlitt er so schwere Hirnblutungen, dass er halbseitig gelähmt ist und an den Rollstuhl gefesselt ist. Vergangenes Jahr stirbt Ali Polat. Die beiden Täter werden damals für die brutale Attacke zu zwei Jahren und vier Monate Jugendknast verurteilt.
„Für mich sind das keine Kinder mehr, sind für mich Verbrecher."
„Die müssten sofort zum Richter, die müssten sofort bestraft werden."
„Ja, was soll man mit denen machen? Ändern werden die sich sowieso nicht."
Und tatsächlich, schon kurz nachdem die beiden Gucci-Gang-Schläger wieder freikommen, sollen die 18- und 19-Jährigen wieder straffällig geworden sein. Diesmal geht es um schwere Körperverletzung, Zuhälterei und Menschenhandel von Mädchen im Alter von 14 Jahren aufwärts. Zunächst sollen die Mädchen freiwillig mitgemacht haben. Mehrere Hundert Euro täglich hätten sie der Gucci-Gang eingebracht. Selber Geld erhalten hätten sie kaum. Und als die Mädchen aussteigen wollen, sollen sie zum Weitermachen gezwungen worden sein.
Dank einiger Zeugenaussagen konnte die beiden Täter Calvin S. und Hendrik V. gefasst werden und müssen sich daher heute vor Gericht verantworten.
„Die Anklage lautet auf Menschenhandel, auf Prostitution, aber auch auf schwere Körperverletzung und da gibt es noch einen anderen Vorwurf, weil einem jungen Mann das Gesicht zerschnitten worden sein soll."
Obwohl die mutmaßlichen Zuhälter 18 und 19 Jahre alt und mehrfach vorbestraft sind, könnten sie ein mildes Urteil bekommen.
"Sollte das Jugendstrafrecht in Kraft treten, könnte die Angeklagten eine maximale Haftstrafe bis zu fünf Jahre erwarten. Nach Erwachsenenstrafrecht wären es bis zu zehn Jahre."
Das Urteil soll im Juni fallen und Wuppertal dürfte aufatmen, wenn die Mitglieder der ehemaligen Gucci-Gang dann ihre gerechte Strafe bekommen.