Wissen Sie, was Ihr Kind auf seinem Smartphone sieht? Silke Müller weiß zumindest, was einige ihrer Schüler da so zu sehen bekommen.
Müller: "Sie kommen immer wieder mit schockierenden Screenshots, manchmal Bildschirmaufnahmen, manchmal aber auch Live-Videos, die sie gerade im Netz sehen. Und das geht hin von Quälerei über Folter, über sehr, sehr gewaltverherrlichende, rassistische oder auch homophobe Videos."
Wir fragen Jugendliche, welche Erfahrungen sie mit solchen Gewaltvideos gemacht haben - und wie sie darauf reagieren.
Stimmen von Jugendlichen:
"Jedes zweite Video, was ich hochscrolle, alles voll mit Gewalt. Alles voll, wie kleine Kinder geschlagen werden, misshandelt werden."
"Es ist auch nicht schön anzuschauen. Ich mache es dann immer direkt weg."
"Man wischt da einfach weiter, dass das nächste Video kommt, oder sperren halt, dass es halt gemeldet wird."
Silke Müller leitet eine Oberschule im niedersächsischen Hatten. Sie hat ein Buch zu dem Thema geschrieben und glaubt, dass es vor allem mit dem Hype um TikTok immer schlimmer wurde.
Müller: "Die Faszination des Grausamen gab es immer. Es gab auch seit Gedenken des Internets sicherlich gewaltverherrlichende Seiten. Das allerdings jetzt übernimmt oder nimmt eine Dimension an, die wir kaum noch kontrollieren können.
Besonders betroffen sind ihrer Meinung nach Schüler der Klassen sieben bis neun, also Jugendliche, die mitten in der Pubertät stecken.
"Ich mache mir ehrlich gesagt große Sorgen um die Kinderseelen und die Psyche der Kinder. Denn was wir erleben und was ich wahrnehme, ist natürlich nicht messbar. Aber was ich wahrnehme, ist eine Verrohung bei den Kindern."
Kristin Langer ist Mediencoach. Wir wollen von ihr wissen, ob Eltern es verhindern können, dass ihre Kinder mit solchen Videos konfrontiert werden.
Coach: "Man kann es verhindern, indem man einfach das Gerät des Kindes einstellt, so dass bestimmte Inhalte ausgefiltert werden. Das ist ein guter Schutz. Ich muss unbedingt mit meinem Kind drüber sprechen: Es gibt solche Inhalte, die dir Angst machen können. Sei vorbereitet, und wenn es passiert, dann komm zu mir, wir reden drüber."
Silke Müller hat auf jeden Fall schon mal eine wirksame Methode gefunden, die Eltern ihrer Schülerinnen und Schüler zu sensibilisieren.
Müller: "Indem wir den Eltern bei Medienabenden zum Beispiel wirklich zeigen, was los ist Screenshots, geklaute Videos, dass man natürlich die Identität der Account Inhaber nicht sieht. Das sorgt für ganz, ganz große Betroffenheit. Und dann sind wir im Gespräch. Es gibt nicht die eine Lösung, aber es gibt mit Sicherheit dann den Ansatz zu sagen okay, wir müssen gemeinsam etwas tun."
Wichtig ist vor allem eines: Eltern sollten ihre Kinder nicht allein lassen - mit all dem Horror, der mittlerweile in den sozialen Netzwerken kursiert.