Maike Schaefer lebt mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn in Bremen-Vegesack. Ich treffe die Spitzenkandidatin der Grünen im Grünen- in ihrem Garten.
Moin, Hallo
Vielen Dank, dass ich Ihnen heute helfen darf, beim Gärtnern. Sie sind Senatorin, Spitzenkandidatin der Grünen. Wie viel Zeit haben sie überhaupt noch für sowas?
"Im Moment leider viel zu wenig, minimal ein bisschen am Wochenende, wenn die Wahlkampfstände abgesucht sind. Aber ich freue mich natürlich, wenn nach dem Wahlkampf wieder mehr Zeit zum Gärtnern da ist."
Seit 2019 ist die 51-Jährige Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau.
Die studierte Biologin ist in die Politik gegangen, um mit anzupacken und Dinge zu verändern, wie sie sagt. So will sie auch in der kommenden Legislatur Grüne Themen in Bremen setzen.
"Ein ganz wichtiges Thema, wofür die Grünen eigentlich stehen, was aber auch in vielen anderen Parteien schon angekommen ist, ist der Klimaschutz. Was fordern Sie in ihrem Wahlprogramm?
"Ganz klar ist, wir brauchen ne nachhaltige, klimafreundliche Wirtschaft. Das ist zum Beispiel zu Umstellung des Stahlwerks auf Wasserstoff, weg von der Kohle, da sind wir jetzt schon dran, aber das müssen wir mit Hochdruck weiter verfolgen. [...] Und ja, die Wärmewende, das ist glaube ich das vordringlichste Thema, dass wir eben schauen, dass wir für Bremen ne gute Wärmeplanung auflegen. Weg von den fossilen Energieträgern und hin zu Wärmepumpen und Fernwärmeversorgung. Bremen hat ein ambitioniertes Klimaschutzprogramm, will bis zum Jahr 2038 klimaneutral sein- und wäre damit eines der ersten Bundesländer.
Negativer Vorreiter ist Bremen beim Thema Armut- die Armutsquote liegt hier bei 28 Prozent. "Was machen Sie, um aus diesem Ranking wieder rauszukommen?"
"Da muss man sich angucken, wer ist besonders von Armut betroffen? Das sind alleinerziehende Frauen und das sind Menschen mit Migrationshintergrund, da ist die Sprachbarriere etwas, das wir angehen müssen. [...] Bildung, auch frühkindliche Bildung, von Anfang an, das ermöglicht eben auch den Ausstieg aus der Armut, weil man eine Chance später hat in der Schule einen gute Abschluss zu machen und dann eben auch n Beruf zu erlernen."
Das Wahlprogramm der Grünen heißt "Zukunft möglich machen" - Maike Schaefer will mit ihrer Partei die Spaltung von arm und reich überwinden und die Wirtschaft zukunftsfähig machen.
Wir führen unser Gespräch am Vegesacker Hafen weiter.
Sie lieben das Meer, sie segeln gerne in der Freizeit, die sie noch haben. Woher kommt diese Verbundenheit?
"Meine Eltern kommen beide aus Norddeutschland, und von daher: das Meer gehörte eigentlich immer mit dazu. Und mein Mann segelt, seitdem er ganz klein ist, der kommt von der dänischen Grenze und seine Eltern hatten schon ein kleines Segelboot also in sofern kommt das mit dem Segeln dann noch mit dazu, aber mit dem Meer war ich schon immer verbunden."
Auch Bremen ist mit dem Meer verbunden- Bremerhaven hat Deutschlands zweitgrößten Seehafen. Damit der von den immer größer werdende Containerschiffen weiter erreicht werden kann, wollen Seewirtschaftsunternehmen eine Vertiefung der Außenweser- die Grünen wollen ein Ausbaggern vermeiden.
An den Häfen hängen natürlich auch viele Jobs, auch da sind wir wieder beim Thema Armut und wie wir die Fachkräfte hier halten können. Wie ist da der Kompromiss zwischen Umweltschutz und dem wirtschaftlichen Aspekt?
"Es hat auch andere Auswirkungen. das betrifft mehr Niedersachsen, aber die Weservertiefung bringt für die Landwirtschaft auch negative Folgen, also auch da ein Wirtschaftseffekt, muss man auch immer gegen rechnen. Aber klar ist; Die Häfen bedeuten für Bremerhaven viele Arbeitsplätze und deswegen sage ich, wir müssen uns das mit der Außenweser ganz genau angucken."
Besonderes Augenmerk legen die Grünen weiter auf die Verkehrswende. Erste Schritte waren in den vergangenen Jahren die Einrichtung von neuen und breiteren Fahrradwegen, der öffentliche Nahverkehr soll weiter ausgebaut werden.
Sie fordern eine autofreie Innenstadt bis 2030: Was haben Sie gegen Autos?
"Es geht gar nicht da drum, was habe ich gegen Autos, sondern es geht da drum: Wir sehen erstmal, woanders gibt es viel größere Fußgängerzonen. Das heißt, die Menschen haben viel mehr Möglichkeiten zu flanieren, sich irgendwo in Ruhe hinzusetzen, haben viel mehr Aufenthaltsqualität. Da wo Autos vorbeifahren an Schaufenstern guckt keiner rein. Da wo die Menschen vorbeilaufen, wird flaniert, wird auch ins Schaufenster geguckt und dann auch reingegangen."
Ob die neuen Verkehrskonzepte auch gut bei den Bremerinnen und Bremern angekommen sind, werden voraussichtlich die Wahlergebnisse zeigen. Auch, ob eine rot-grün-rote Koalition nochmal zustande kommen könnte.
"Ich finde, wir haben trotz drei Jahre mit Pandemie, Energiekrise wirklich viel aufgegleist bekommen, haben viel umgesetzt und zu dritt wirklich viel bewegen können. Also es ist auf jeden Fall eine Koalition gewesen, die funktioniert hat, die wenig sich gestritten hat und insofern jetzt müssen wir einmal alle da gemeinsam das Wahlergebnis abwarten am 14. und dann gucken, wie es weitergeht."
Maike Schaefer will sich nicht festlegen, mit welchen anderen Parteien es für die Grünen nach der Wahl weitergehen könnte- doch weiter mitregieren, das will sie.