Die Hand eines kleinen Mädchens, viel zu früh geboren, greift nach ihrer Mutter:
"Es war ein sehr erschreckender Moment für mich, da es alles nicht so lief, wie ich mir das vorgestellt habe und in mir waren sehr viele Sorgen und auch Ängste."
Die kleine Tochter von Samantha kommt in der 25 Schwangerschaftswoche mit einem Gewicht von 490 Gramm zur Welt und wird seitdem auf der Früh- und Neugeborenenintensivstation des Altonaer Kinderkrankenhauses versorgt.
"Ruhig mit den Augen anfangen, von außen nach innen...genau."
Janine Asboe betreut als Kinderkrankenschwester seit zwölf Jahren Frühgeborene, sie hilft der jungen Mutter bei der Versorgung. Durch die Vier-Hand-Pflege, also die Pflege mit vier statt nur mit zwei Händen, soll sich das Baby so geschützt wie im Mutterleib fühlen. Aber auch darüber hinaus spielt die Arbeit mit den Eltern eine besondere Rolle.
"Es gibt die Kinder nur mit den Eltern zusammen und es ist super wichtig, dass wir die Eltern von Anfang an mit einbinden und sie dann das Vertrauen gewinnen, auch so ein kleines Kind, was sie jetzt haben, zu berühren, selber zu versorgen, dass auch sie die Versorgung selber machen können und dass sie selber ihr Kind quasi wickeln können."
Weil die Plazenta von Mama Samantha die Kleine im Bauch nicht richtig versorgt hat, entscheiden die Ärzte, das Baby Anfang Oktober zu holen. Seitdem kommt die junge Mutter jeden Tag mehrmals zu Besuch, kuschelt mit ihrer kleinen Tochter, versorgt sie. Und das kleine Mädchen? Es will leben:
"Sie schafft es ja schon mit dem Atmen alleine und wenn sie könnte, würde sie auch direkt trinken, wenn man es ihr erlauben würde. So, wir sagen aber immer erst das Atmen, dann das Trinken. Es gibt hier eine Reihenfolge, an die man sich halten muss, auch als Frühchen."
Auch Dr. Martin Blohm ist zufrieden mit der Entwicklung des Frühchens.
"Wir haben in den letzten Jahren oder Jahrzehnten in der Neonatologie gelernt, dass wir den Frühgeborenen durchaus auch viel zutrauen können. Wir machen heute viel weniger invasive Beatmung. Wir ernähren sie schneller über den Darm. Also wir haben Vertrauen in die Lebenskraft der Kinder und sie zeigen uns das auch immer wieder, auch wie bei diesen frühgeborenen Kind, was wir hier heute haben, was wirklich ganz erstaunlich ist für die Größe in der Vitalität."
Auch wenn mittlerweile rund 90 Prozent der Kinder, die mit unter 500 Gramm auf die Welt kommen, überleben, schaffen es nicht alle ins Leben.
Wenn es darum geht, dass es Kindern nicht gut geht. Und wir merken, wir sind an unseren Grenzen und können nicht helfen. Und die Verzweiflung der Eltern. Das bringt dann an die Grenzen, weil man nicht mehr helfen kann. Und man weiß, man kann den Eltern in ihrem Schmerz nicht unterstützen."
Die kleine Tochter von Samantha hat eine gute Prognose, mittlerweile hat sie schon 200 Gramm zugenommen. Der größte Wunsch der Mutter: Ihr kleines Mädchen irgendwann gesund mit nach Hause nehmen zu dürfen.