Wenn Kelly Knipes aus England morgens aufwacht, weiß sie nie, was sie jetzt schon wieder bestellt hat.
Kelly Knipes: "Das erste, das ich im Schlaf online gekauft habe, waren Süßigkeiten für 100 Pfund. Mir wurde das erst morgens klar, als ich die Bestätigungs-Mail gesehen habe, wo stand dass die Bestellung auf dem Weg ist."
Das nächtliche shoppen hat 2006 angefangen, nach der Geburt ihres ersten Kindes. Seitdem hat die heute 42-Jährige umgerechnet fast 4.500 Euro ausgebeben. Die Bestellungen – absurd.
Kelly Knipes: "Farbdosen, Pfefferstreuer. Ich habe einen Basketballkorb bestellt, Ich habe Essen bestellt. Kühlschränke, Tische, wirklich komische Sachen, die ich nicht brauche. Ich habe sogar Mädchenkleidung bestellt, dabei habe ich nur Söhne."
Kelly Knipes sagt, das Schlafwandeln habe bei ihr schon als Kind angefangen. Das ist typisch weiß auch Schlafexperte Dr. Steffen Schädlich
Schlafexperte: "Jedes dritte Kind zwischen drei und fünf hat irgendwann mal eine Schlafwandel- Episode, nächtliches Schreien, Zähneknirschen, sprechen in der Nacht."
Dass ERWACHSENE schlafwandeln ist aber selten. Weniger als 2 Prozent sind davon betroffen. Forscher vermuten, dass Schlafwandler durch einen inneren oder äußeren Reiz geweckt werden. Doch statt ganz aufzuwachen, wird nur EINE Hälfte des Gehirns aktiv: die, die unsere Bewegungen steuert. Die andere – also das Bewusstsein - schläft weiter.
Dr. Steffen Schädlich: "Also wenn ich im Schlaf bin // dann ist eben die Großhirnrinde also da. Womit wir denken, mit dem wir aktiv bewusst handeln, ist ja vom normalen Handeln quasi abgeschnitten. // Also einfache komplexe Handlungen gehen, also wie Laufen, Treppensteigen, auch sprechen."
Oder im Schlaf joggen oder irgendwelche - naja - sagen wir mal Fitnessübungen ausführen. Schlafwandler nehmen nicht aktiv wahr, was sie tun, erinnern sich morgens nicht mehr dran.
So wie auch Kelly Knipes. Ihr Schlaf-Shopping sei allerdings überhaupt nicht typisch, viel zu komplex.
Dr. Steffen Schädlich: "Vor allem, wenn man dann auch in Betracht zieht, dass sie offensichtlich auch Zahlenkombination, Kontonummern und alles so was eingibt oder preisgibt. // Da spielt natürlich die Psychologie stark rein, also Dinge, die ich am Tage gerne machen möchte, wo ich aber weiß, ich kann es vielleicht nicht oder ich darf es nicht."
Fest steht: Die Dinge, vor denen wir uns im Schlaf schützen wollen, sollten wir uns so schwierig wie möglich machen. In Kellys Fall: Laptop wegschließen, Passwörter nirgendwo speichern - und im schlimmsten Fall: Ungewollte Bestellungen zurückschicken.