Das Aufatmen ist groß bei Familie Anwar - Dschutti ist endlich wieder zurückgekehrt. Grund genug für uns in Maintal-Bischofsheim mal vorbeizuschauen, um nach der tapferen Ridgeback-Dame zu sehen.
Freistand
Tobi: "Wir sind gespannt, oh... da hinten ist sie schon...Hallo Dschutti! ... Hallo Dschutti... Oh, sie ist sehr erzogen. Sehr erzogen! ... Hallo Dschutti! ... Hallo Dschutti... Grüße dich! ... "
Melanie Anwar: "Erst mal so viel fremde Leute."
Tobi: "Ja, so viel fremde Menschen...wollen wir uns kennenlernen?... ohjee... Hallöchen!...Hallo Dschutti... Oh, du siehst ja schon wesentlich besser aus!"
Trotzdem spürt man noch die Anspannung bei der 2-jährigen Hündin, die vor gut einem Monat nur knapp dem Tod entkommen ist.
Freistand
Tobi: "Sie sieht auf jeden Fall schon wesentlich besser aus."
Melanie Anwar: "Ja, sie ist auch wacher und fitter und... Dschutti, geh auf deinen Platz!"
Tobi: "Geh aufs Plätzchen. Ist auch anstrengend - tut weh auf die Dauer. Was geht denn jetzt schon - was geht noch nicht?"
Melanie Anwar: "Also sie darf offiziell noch nicht laufen, sie möchte gern. Ich halte sie dann hier immer ein bisschen hoch am Geschirr, dass sie so 30 Prozent Entlastung auf den Knochen hat. Ja, dann fahr ich sie in nem Bollerwagen spazieren, dass sie wenigstens mal was anderes sieht."
Zusammen mit Hundemama Melanie Anwar gehts also in kleinen Schritten wieder zurück ins Leben, aber für Dschutti alles nicht so leicht.
Freistand
Melanie Anwar: "Sie hat halt Albträume. Das hört man richtig. Also jeder Hund träumt mal, aber sie weint richtig im Schlaf. Also sie verarbeitet da noch was."
Und das ist mehr als verständlich. Am 30. Dezember vergangenen Jahres fährt Melanie Anwars Sohn samt Freundin von einem Ausflug zurück. Auf der A4 bei Bad Hersfeld kommt es zum Crash. Dschutti und Herr Schröder - beides Ridgeback Hunde - versucht der Sohn vor einem weiteren Aufprall zu befreien. Aber aus Panik springen die beiden aus dem Kofferraum und rennen auf die stark befahrene Autobahn.
Melanie Anwar (Archiv)
"Und dann ging alles nur noch so schnell. Herr Schröder ist rausgerannt und ist vor seinen Augen irgendwie von vier Autos überfahren worden und ist aber sofort gestorben."
Dschutti wird auch angefahren, flieht darauf schwer verletzt in den angrenzenden Wald und kann nicht mehr gefunden werden. Eine große Suchaktion beginnt - glücklicherweise mit Erfolg. Für Dschutti geht es direkt in die Klinik, sie muss mehrfach operiert werden . Die Erfolgschancen zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar.
Melanie Anwar (Archiv)
"Natürlich wünsch ich mir über alles, dass sie wieder gesund wird, aber ich hab das getan, was ich tun konnte. Ich hab mein Bestes gegeben."
Und dieser Wille und Kampf hat sich ausgezeichnet. Nach insgesamt fünf Operationen wirkt Dschutti deutlich fitter - die Körpersprache ist eine andere als die unmittelbar nach dem Unfall. Eine kleine Infektion am Vorderbein macht den Ärzten noch Sorge, ansonsten sieht es für die Ridgeback-Dame gut aus.
Freistand
Tobi: "Ich würde sagen, so ne kleine Spaziertour mitm Bollerwagen - da wollen wir gerne mal dabei sein"
Melanie Anwar: "Ja, gerne - ja super!"
Tobi: "Dschutti, wollen wir mal spazieren gehen, wir zwei? Ja, was bist du denn für ne tapfere Frau, eine ganz tapfere Frau! Ja, ich muss gerade Maske tragen - das sieht auch doof aus, gell? Du trägst Gips und ich trag Maske und bald wird wieder alles besser, Dschutti. Ja, fein bist du. Eine feine Maus...
Natürlich verbringen die Anwars noch viel Zeit mit der Aufarbeitung. Gerade der Sohn hat noch schwer mit den Erlebnissen zu kämpfen - aber Dschuttis intensive Betreuung hält die Familie auf Trapp.
Freistand
Melanie Anwar: "Man hat gar keine Zeit darüber groß nachzudenken, weil wir wirklich von Tierarzt zu Tierarzt einfach hoppen."
Tobi: "Dennoch, wie weit hat man da schon Abschied sozusagen nehmen können von Herrn Schröder?"
Melanie Anwar: "Ja, also Herr Schröder ist noch im Wohnzimmer auf dem Schränkchen. Er ist noch da - er wird auch immer da sein. Ganz ehrlich: ich bin jetzt nicht gläubig, aber Tote leben in Erinnerungen weiter."
So bleibt Melanie Anwar und ihrer Familie also auf der einen Seite die Erinnerung an Herrn Schröder, aber mit Dschutti ein absoluter Kampfhund - in diesem Falle eine Hündin mit Kämpferherz, die nach den schweren Verletzungen beim Horror-Unfall auf der A4 langsam aber sicher wieder ins Leben zurückkommt.