Den Gang zum Arzt verbindet Lea immer mit einem unguten Gefühl. Denn: Das sehen von Blut, Spritzen oder nur das Sprechen über medizinische Themen kann bei Lea zu starkem Unwohlsein bis hin zur Ohnmacht führen.
„Ja, das letzte Mal, wo es passiert ist, das war beim Hautarzt, da sollte mir ein Leberfleck entfernt werden. Und dann wurde so die Spritze angesetzt, die die Stelle betäuben sollte. Dann habe ich gemerkt, wie so alles verschwimmt, wie mir schlecht wird, übel wird, schwindlig, wie ich ganz doll anfange zu schwitzen und langsam schwarz vor Augen wird.“
Solche Situationen belasten Lea. Sie will etwas gegen ihre extreme Angst vor Blut und Spritzen machen und geht dafür heute zu einem Erstgespräch in die Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Magdeburg. Prof. Dr. Florian Junne ist hier Klinikdirektor und Facharzt für Psychosomatik.
Die große Angst und Furcht vor Blut, Blutabnahmen ist zunächst mal eine Form der phobischen Störungen, wie der Fachbegriff heißt. Das heißt also Angststörungen, die Menschen entwickeln können. Und die können zum Beispiel bei den spezifischen Angsterkrankungen können das Höhenangst sein. Kann auch Spinnenangst sein.
Die Ohnmacht ist ein besonderes Symptom der Blutphobie. Bei anderen extremen Ängsten wie einer Spinnenphobie oder Höhenangst reagiert der Körper auch mit einem steigenden Puls und Blutdruck – der Körper ist in einem Alarmzustand. Bei der Blutphobie passiert das auch, aber nur kurz, danach fallen Puls und Blutdruck stark ab. Das Gehirn kann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden und es kann, wie bei Lea zu einer Ohnmacht kommen.
Im Erstgespräch möchte Prof. Dr. Junne herausfinden, welche Gedanken und Gefühle Lea mit ihrer Blutphobie verknüpft und wie die Erkrankung bei ihr entstanden ist.
Das war im Kindergarten, also ich war da bestimmt so vier fünf Jahre alt und hab mir da so eine Wunde zugezogen, eine Verletzung und bin dann kurz darauf weggewesen und dann ist es immer wieder vorgekommen.
Ich meine gerade bei den Arztbesuchen, wenn das dann passiert mit dem ohnmächtig werden. Man geht glaube ich, schon ein bisschen angespannter und gestresster zum Arzt.
Um diesen Situationen entspannter begegnen zu können, hat Prof. Dr. Junne einen Tipp für Lea.
„Dann ist es gut, wenn Sie alle großen Muskelgruppen möglichst gut anspannen und damit sozusagen das Blut nicht zu sehr in den Gefäßen versacken kann.“
Durch das Anspannen aller großen Muskelgruppen kann Lea eine Ohnmacht vermeiden. Das Erstgespräch gibt Lea ein gutes Gefühl. Sie will die Therapie angehen, denn die Blutphobie ist gut behandelbar. Prof. Dr. Junne rechnet mit etwa fünf bis sechs Sitzungen – schon das kann reichen, dass Lea bald ohne ein mulmiges Gefühl zum Arzt gehen kann.