Maria N. bricht nach dem Urteil im Landgericht Regenburg in Tränen aus. Die Krankenschwester wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, weil sie die Arg- und Wehrlosigkeit von Patienten auf ihrer Station ausgenutzt haben soll. Um deren Schmuck zu stehlen. Dafür soll sie ihnen das Beruhigungsmittel Midazolam durch einen Zugang gespritzt und ihren Tod billigend in Kauf genommen haben.
Ruth Koller, Pressesprecherin Landgericht Regensburg: "Das Schwurgericht hat die Angeklagte zum einen wegen Mordes mit Raub mit Todesfolge und zum anderen wegen dreier versuchter Fälle des Mordes jeweils in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Raub und versuchten Raub mit Todesfolge verurteilt."
Die lebenslange Freiheitsstrafe ergibt sich aus dem Mordmerkmal der Heimtücke. Midazolam ist ein Beruhigungsmittel. Die Krankenschwester kannte die gefährlichen Wechselwirkungen. Bis zuletzt hat sie die Taten bestritten.
Anna Schwarz, Verteidigerin: „Sie ist natürlich schwer geschockt. Sie versteht bis heute nicht, wie es so weit kommen konnte. Es gibt leider keine andere Person, die für diese Taten in Frage kommt. Ich denke, das ist der Hauptgrund für dieses Urteil gewesen.“
Die Verteidigung will in Revision gehen. Denn es war ein Indizienprozess, der auf einzelnen Puzzlesteinen beruht, die die Staatsanwaltschaft zusammengetragen hat.
Anna Schwarz, Verteidigerin: "Es sind immer so Puzzelstücke gewesen, wo tatsächlich ein Indiz da war, wo sie es gewesen sein könnte, und von diesem Indiz wurde dann auf den nächsten Fall weiterprojeziert, so dass am Ende ein Gesamtbild dastand."
Die Angehörigen der Opfer fragen sich, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Patientensicherheit und Kontrollmechanismen - bei der Medikamentenvergabe.
Prof. Uwe Janssens, Ärztlicher Direktor St. Antonius Hospital Eschweiler: "Es gibt genaue Vorschriften. offene Räume, es gibt kein Vieraugenprinzip - aber genaue Vorschriften."
Doch wie können Patienten dann geschützt werden?
Prof. Uwe Janssens, Intensivmediziner: "Wenn wir plötzlich feststellen, dass viele Patienten zum Beispiel auf einer Station während einer Dienstzeit zum Beispiel übermäßig schläfrig werden, dann würde man einem solchen Hinweis schon nachgehen. Und versuchen, herauszufinden: Gibt es da einen Zusammenhang?"
Es geht nicht darum, Kollegen zu denunzieren, sondern krasse Einzelfälle so schnell wie möglich zu stoppen.