Es ist DAS Highlight für jeden Sportler mit Handicap: Die paralympischen Spiele!
Jeden Tag gibt SIE für dieses Ziel alles: Para-Basketballerin Maya Lindholm.
Maya Lindholm:
"Nochmal Gold bei den Paralympics zu gewinnen, wäre absolut krass!"
Erfolg bedeutet jahrelange harte Arbeit. Doch die hat sich gelohnt: Sie hat das Ticket für Paris!
Wenn Maya Lindholm den Ball in der Hand hat und mit ihrem Rolli richtig Korb rollt - ist sie glücklich. Auch wenn es bei diesem Sport richtig zur Sache geht.
"Rollstuhlbasketball ist natürlich unglaublich vielseitig. Einmal muss man gut Rollstuhl fahren können / Also schnell sein, wendig sein, präzise stoppen / Und dann kommt natürlich obendrauf die Koordination mit dem Ball. / Einmal auch um zu dribbeln, um zu passen. Du brauchst unglaublich Spielübersicht, um überhaupt zu lesen, was passiert auf dem Spielfeld? Was sind da für Spielzüge? Da gibt es unheimlich viele Bausteine, die gut zusammenlaufen müssen, um eine gute Spielerin zu sein."
Im Jugendalter kann Maya Lindholm mit Sport nicht viel anfangen, ist eher ein SportMUFFEL. Sie geht zur Schule, hat nicht viele Hobbies. Das ändert sich allerdings mit 14 über Nacht. Sie kann plötzlich ihre Beine nicht mehr bewegen. An genau diesen Moment, kann sich die Hamburgerin noch ganz genau erinnern.
"Ich bin abends ganz normal ins Bett gegangen. Ich hatte so ein bisschen Rückenschmerzen, aber ich habe auch so Kisten geschleppt und es war nichts Außergewöhnliches. Und dann bin ich eben morgens aufgewacht, weil zur Schule gehen, Wecker geklingelt und dann habe ich schon gemerkt irgendwie meine Beine, fühlt sich komisch an, ich spüre nicht richtig. Ich wollte aufstehen, hatte keine Kraft, bin zusammengesackt und lag dann tatsächlich am Boden und konnte nicht mehr laufen. Es war ganz, ganz merkwürdig. Ich dachte erst, ich habe einen Krampf, Vitaminmangel."
Im Krankenhaus wird eine Rückenmarksentzündung festgestellt. Die wird mit Cortison behandelt, doch das Rückenmark ist beschädigt und das irreparabel. Maya Lindholm sitzt seitdem im Rollstuhl. Ein harter Schicksalsschlag, doch sie lässt sich nicht unterkriegen. Ihre, wie sie sagt Aktivitätsphase beginnt. 5 Jahre später gehört Maya Lindholm zu Deutschlands besten Rollstuhlbasketballerinnen. Gewinnt bei ihren ersten Paralympics 2012 in London direkt Gold.
"Das ist echt so schwerelose Gefühl, aber auch total positiv und glückselig. Da denkt man so Gott, was habe ich alles investiert, alles getan Und wie krass ist das, das wir das jetzt wirklich geschafft haben."
4 Jahre später gewinnt sie Silber in Rio. Sie gehört zu den Top-Para-Athletinnen, doch leben kann Maya Lindholm von ihren Sport nicht. Sie arbeitet seit 2015 Vollzeit im BG Rehazentrum in der Hamburger Hafencity.
"Wir machen eine Handkraftmessung. Du kennst das ja schon. Nimmst das Gerät in die Hand und dann drückst du so kräftig du kannst."
Als Ergotherapeutin hilft sie Menschen zum Beispiel nach einem Arbeitsunfall, wieder gesund zu werden.
"Du greifst immer komplett rum und genau: Du sollst immer schön darauf achten, dass die Schulter möglichst unten bleibt."
In der Hansestadt wird die 33-Jährige durch die Stiftung Leistungssport finanziell unterstützt. Und auch ihre Kollegen stehen hinter ihr, übernehmen Dienste, wenn sie mit der Nationalmannschaft unterwegs ist. Eine kräftezehrende Doppelbelastung mit Job und Para-Leistungssport.
"Ich glaube, die große Herausforderung ist Zeitmanagement und Energiemanagement. Man muss sehr gut organisiert sein, um die Zeiten möglichst effizient zu planen. Aber ich glaube, da habe ich ein Talent für und ich habe einfach auch sehr viel Energie."
Und das sieht man beim Training mit der Nationalmannschaft. Viele Traingseinheiten und Lehrgänge sind im kommenden Monat noch geplant. Alle sind fokussiert, wollen topfit und vorbereitet zu den Paralympics Ende August fahren.
Auch beim Abendtraining mit der Mannschaft der BG Baskets Hamburg ist Maya Lindholm hochkonzentriert.
Ihre Nationalsmannschaftkollegin Anne Patzwald ist auch hier in Hamburg ihre Teamkollegin. Seit über 11 Jahren kennen sich die beiden schon. Können sich aufeinander verlassen, privat und auch auf dem Feld.
Anne Patzwald:
"Ich bin ja nach Hamburg gezogen und sie ist ja Hanseat durch und durch und findet es auch richtig gut, dass sie das so ist. Sie ist bei vielen Sachen. Wenn ich hitzig werde, kann sie super ruhig sein und ist manchmal so ein Gegenpol."
Die beiden wollen Gold, doch andere Nationen wie Kanada oder die Niederlande sind super stark. Grund genug in der Halle in Hamburg Horn alles zu geben. Damit die 33-Jährige Lindholm mit ihrem Sport-Rollstuhl Topleistungen abrufen kann, ist dieser genau auf sie angepasst. Kosten: etwa 7000 Euro.
"Was glaube ich jedem direkt erst mal auffällt, das hier so schräge Räder sind. Dadurch ist man deutlich wendiger. Man ist deutlich stabiler, das heißt man kann nicht so leicht aus den Kurven fallen. / Genau hier hinten haben wir so Anti-Kipp-Räder, damit wenn man schnell fährt, man nicht nach hinten umkippen kann. / Dann hat der Sport Rollstuhl so einen Abweiser oder auch gerne Rammbügel genannt, hinter dem die Füße auch sicher stehen. Damit, wenn wir uns gegeneinanderfahren, dass die Füße sicher sind."
Für Maya Lindholm sind es in Paris die vierten Paralympics. Erfahrung pur auf der weltgrößten Para-Sportbühne der Welt. Nervös und aufgeregt wird sie trotzdem sein, sagt die Hamburgerin. Sie ist weiter hungrig auf Medaillen, denn das Gefühl, dieses Edelmetall in den Händen zu halten, ist ihre größte Motivation.