So tickt der Amokläufer von Hamburg-Alsterdorf: Das sagt sein Verwandter zum Motiv von Philipp F.
Philipp F. war gebürtiger Bayer und wuchs hier im Allgäu, in Kempten auf. Wir treffen einen Verwandten von ihm. Er möchte nicht erkannt werden. Wir nennen ihn Florian. Philipp F. und er wachsen gemeinsam auf. Florian ist früh Mitglied der Zeugen Jehovas - Philipp F. nicht. Florian kann sich noch gut an ihn erinnern: Florian Schmidt, Verwandter, Name geändert "Bis zu Anfang seiner 20er hat sich ein Bild ergeben von einem sehr sanften, sehr weichen, sehr freundlichen, manchmal zurückhaltenden, schüchternen, manchmal sogar eine Position und Meinung vermeidenden Menschen." Mit über 30 tritt Philipp F. dann plötzlich den Zeugen Jehovas bei. Zu dem Zeitpunkt hat sich Florian schon aus der Kirche zurückgezogen. Die Kehrtwende verwundert auch die Familie: Florian Schmidt, Verwandter, Name geändert "Es ist ja doch extrem abstrakt, für die meisten Menschen überhaupt nicht nachvollziehbar, was dort geglaubt wird und dass jemand in dieser Rekordzeit da jetzt es eilig hat, da wieder reinzukommen, ist eher ungewöhnlich." Nach zwei Jahren ist dann auch wieder Schluss. Philipp F. tritt aus der Kirche aus. Florian und er sind sich in ihrer Ablehnung der Religion gegenüber einig. Doch etwas ist anders an Philipp F. Und er schreibt ein Buch. Titel: "Die Wahrheit über Gott, Jesus Christus und Satan". Florian Schmidt, Verwandter, Name geändert "Der Titel hat mir natürlich schon alle Alarmglocken läuten lassen und ich habe dieses Buch die ersten Seiten überflogen und wusste, dass da mental offensichtlich ein größeres Problem vorliegt." In seinem Buch beschreibt Philipp F. ein krudes Weltbild. Unter anderem bezeichnet er darin Adolf Hitler als Stellvertreter Jesus auf Erden. Es sind Gedankengänge, die Florian von einer Persönlichkeitsstörung bei Philipp F. ausgehen lassen. Und auch sein Verhalten ändert sich. Florian Schmidt, Verwandter, Name geändert 00:05:22: "Von Gewalt war nichts, war nicht die Sprache, es war keine Andeutung, auch nur, dass er irgendeine Form von höherem Rachegefühle haben könnte. Aber er war, wie gesagt, sehr aggressiv. Ich weiß, dass er eine Art Betrugsvorwurf im Endeffekt ja auch an die Gemeinde formuliert hat, nämlich dass man ihn getäuscht habe. Dass nämlich, dass die heile Welt wäre und sie es nicht war." Durch die Folgen seines Austritts wird seine Wut auf die Kirche offenbar noch größer. Denn Aussteiger werden zu Geächteten. Florian Schmidt, Verwandter, Name geändert "Das geht soweit, dass man nicht mehr gegrüßt wird , dass die Straßenseite gewechselt wird , dass niemand auch nur annähernd dich anschaut, wenn er dich sieht. Ich weiß aus eigener Erfahrung von einigen Leuten, die sich danach das Leben genommen haben." Philipp F. nimmt nicht nur sich selbst das Leben, sondern tötet vorher noch sieben andere Menschen. Florian möchte seine Erfahrungen mit der Kirche in Zukunft mit der Öffentlichkeit teilen und Betroffenen helfen. Er sieht bei den Zeugen Jehovas nicht pauschal eine Mitschuld. Aber er hofft auf Reformen und darauf, dass eine solche Tat in Zukunft verhindert werden kann.















