Im Wald fühlt sich Kathrin Sohst wohl. Inmitten von Tieren und Bäumen schöpft die 44-Jährige Kraft ,kommt innerlich zur Ruhe. Denn die braucht sie als hochsensibler Mensch besonders.
"Bäume sind eine unglaubliche Kraft /
man kann in der Natur einfach so sein, wie man ist. Und die Natur fragt nicht, bist du sensibel oder nicht"
Im Alltag nimmt die gelernte Diplom-Dokumentarin und Buchautorin ihre Umgebung viel stärker wahr, als es andere Menschen tun.
"Letztendlich steckt dahinter ein psychologisches Forschungsfeld, und das besagt, dass Menschen unterschiedlich sensibel sein können //
Es wird tatsächlich davon ausgegangen, dass es 20 bis 30 Prozent sind, die höher sensibel sind, als andere
Als Kind war gebürtige Reinbekerin der Geschmack vieler Lebensmittel zu intensiv. Auch Geräusche haben bei ihr Stress ausgelöst
"Fasching als Kind. Andere Kinder springen drauf, damit es laut knallt, hätte ich niemals getan, viel zu laut.
Früher habe ich mir immer die Ohren zugehalten, und hab dagestanden und innegehalten und wusste nicht was ist
...eine Überreizung, die im schlimmsten Fall zu Depressionen, Burnouts und einem geschwächten Immunsystem führen kann.
Wir sind einfach so unterwegs, dass wir eigentlich unseren Körper, unser menschliches System überfordern
Und das führt im Alltag auch mal zu Diskussionen mit ihren Kindern, zum Beispiel, wenn es um Parfum oder Kosmetik ihrer Tochter geht
"Für mich ist es halt mit der Nase und diese ganze künstlichen Gerüche und Düfte. Das sind für mich keine Düfte, sondern das ist tatsächlich Gestank für mich."
Auch Verkehrslärm oder ein tropfender Wasserhahn können für hochsensible Menschen zur innerlichen Zerreißprobe werden.
Wenn ich Pause brauche oder Ruhe und der tropft, dann versuche ich das abzustellen.
Mit Pausen und Meditation hat Katrin Sohst gelernt, mit ihren starken Empfindungen umzugehen - ihren Fokus zu verlagern.
Und für mich war ein Thema Achtsamkeit
und immer wieder zu sich zurückkehrt und in die Ruhe kommt, sich abgrenzen kann, und mal nicht wahrnimmt, was passiert um mich herum
2008 hat Katrin Sohst das erste mal ein Buch zu Hochsensibilität gelesen und sich direkt verstanden gefühlt. Heute schreibt sie selbst Bücher, gibt ihr Wissen in Coachings weiter. Denn intensiv zu spüren, kann auch Vorteile haben, weiß die 44-Jährige heute
"Wie zum Beispiel dann die Natur intensiv wahrzunehmen, das Licht, was sich auch gerade verändert in diesem Moment
/
diese Wahrnehmungsfähigkeit auch auf die schönen Dinge auszurichten und sich das bewusst zu machen."
...und Hochsensibilität so nicht als Belastung, sondern als Stärke zu sehen.