Wenn er über die Promenade in Praia Grande läuft, zücken Passanten ungläubig
Wenn er über die Promenade in Praia Grande läuft, zücken Passanten ungläubig ihre Handys. So etwas haben sie noch nie gesehen.
Musikfreistand Rockmusik (Michel schaut in die Kamera Slowmow)
Und man darf sich wohl fragen: sind diese Blicke noch Faszination oder fast schon ein bisschen Angst vor diesem Mann. Einem Mann, den sie hier in Brasilien nur den Teufel nennen.
OV Mann 1 Die Leute haben geschrien: Geh weg Satan! Geh weg Satan! Und ich habe mich so schlehct gefühlt.
Dabei steckt hinter dieser auffälligen Fassade ein Familienvater. Ein liebender Ehemann und Tierfreund, wie wir später herausfinden werden. Und: wir erfahren wie der Teufel früher aussah und welcher Moment in seiner Vergangenheit ihn zu dieser krassen Verwandlung bewegt hat...
-------Blende-------
Wir machen uns auf den Weg in die Küstenstadt Praia Grande - in der Nähe von Sao Paolo. Und hier soll er wohnen: der Teufel! Und schnell ist klar, wer gemeint ist.
(Kurz frei - aussteigen Begrüßung) TC: OV Mann 1 und Mann 2 ich heiße Philip - und ich bin der Teufel
Unser Reporter hat Glück: Der Teufel beißt nicht - lächelt sogar.
TC: 1:30 OV
Mann 1 wir sind hier an meinem tattoostudio und es gehört mir und meiner Frau Carol
Unschwer zu erkennen, was diese Liebenden verbindet. Auch Carol ist ein echter Hingucker. Neben ihrem Mann Diabao Praddo (gesprochen: Djabao), wie sie hier auf portugeisisch sagen, dem Teufel sieht sie aber fast harmlos aus. ER zeigt uns erstmal das Viertel.
TC 1:53 OV Mann 1 Wir sind im Stadtteil Villa Sonia und wir sind nicht weit weg vom Strand Hier kennen mich fast alle. Alle grüßen mich, auch Kinder.
Weggucken ist ja auch kaum möglich. Der 46-Jährige hat aus seinem Körper über die Jahre ein Kunstwerk gemacht. Auf Instagram folgen ihm fast 140.000 Menschen. Er hat sich Silikon-Bälle unter die Haut implantieren, einen Finger, Nase und Ohren abnehmen und die Augen, Zunge, Lippen und Haut tatowieren lassen. Es ist leicht, Angst vor ihm zu haben und ihn voreilig abzustempeln. Als Freak. Dass wird ihm aber nicht gerecht. Denn viel mehr steckt hinter der skurrilen Optik.
(kurz frei Hunde begrüßen)
In seinem Zuhause leben 6 Hunde und 25 Katzen. Diabao versorgt sie alle - aus Mitgefühl.
OV Mann 1 es begann eigentlich alles mit einer Katze und dann habe ich gemerkt wie viele Tiere auf der Straße leben, dass Menschen sie schlecht behandeln und es ihnen gesundheitlich überhaupt nicht gut geht. Und deshalb habe ich angefangen die Tiere mit nach Hause zu nehmen.
Und wir werden Zeuge, wer hier der Boss ist. Und zwar nicht der Teufel. (kurz frei Hund beißt und bellt) Aber wie war Diabao als er noch Michel (gesprochen: Mischel) hieß? Carol erinnert sich.
Frau 1 Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, sah er ganz anders aus als jetzt. nicht so viele tattoos. eigentlich fast gar keine. Und ich wusste das ist die Liebe meines Lebens. Direkt im ersten Moment. Wir waren komplett unterschiedlich aber ich wusste es.
An der Liebe zueinander hat auch seine Verwandlung nichts gändert, sagt sie. Aber wie ist es überhaupt dazu gekommen? Er gibt zu: Es war ein Moment, in dem er am Tiefpunkt seines Lebens war.
OV Mann 1 Ich hatte eine sehr harte Vergangenheit, war drogenabhängig. Und irgendwann bin ich dann in eine Entzugsklinik gegangen, habe dort in den Spiegel geschaut, habe mich als Person angeschaut, meine Seele und mein Äußeres und ich habe gemerkt, das bist du nicht. Du musst dich ändern - für dich und deine Mitmenschen.
Das war vor gerade einmal sechs Jahren - da sah er noch SO aus. Erste Tattoos und Piercings kamen nach und nach - aber er war eher unscheinbar. So gefiel er sich gar nicht und deshalb ist von dem alten Michel auch nicht mehr viel übrig geblieben. Und das ist wörtlich gemeint.
Es ist heftige, extreme Körperkunst. Und die fällt auf.
OV Frau 2 Für mich ist es vielleicht etwas zu extrem aber ich finde es gut Menschen nicht zu diskriminieren, jeder sollte so sein dürfen wie er möchte.
Frau 3 Es bedarf einer Menge Mut das so durchzuziehen und zu sich zu stehen.
So viel positives Feedback bekommt er nicht immer. Aber er steht zu sich - trotz der Vorurteile. Sich nicht verbiegen zu lassen - das bringt er auch seinem Sohn Aryel bei. Der 9-Jährige hat die Verwandlung seiner Eltern hautnah miterlebt.
OV Mann 4 ja es ist normal für mich und ich finde es cool so einen Papa zu haben. Manchmal sagen meine Mitschüler doofe Sachen und ärgern mich aber es ist mir total egal.
Diesen Eindruck haben wir auch. Und: Michel alias Diabao Praddo alias der Teufel hat uns einmal mehr daran erinnert, wie haltlos Vorurteile sind. Obwohl eines dann doch vorhersehbar war:
OV Mann 1 Ich werde irgendwann aufhören... wenn ich sterbe!
Sein persönliches Körperkunstwerk ist noch nicht vollendet. Innerlich bleibt sich Diabao aber treu, da sind wir uns sicher.