In dieser Familie geben nicht die Eltern den Ton an, sondern Tochter Paula. Das hat einen besonderen Grund: Denn Marina und Steven sind blind. Ohne ein akustisches Signal ihrer Tochter, fällt es den beiden schwer sie hier auf dem Spielplatz wiederzufinden.
Damit die 2-Jährige in der Nähe bleibt, läuft sie häufig an Marinas Hand und hat zusätzlich eine Glocke an ihrer Jacke. Denn ab und zu büchst sie auch mal aus.
Bei der sogenannten Retinitis Pigmentosa sterben nach und nach immer mehr Zellen in der Netzhaut ab. Weltweit sind schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen davon betroffen. Die Krankheit ist vererbbar. Marina und Steven haben sich trotzdem für ein Kind entschieden. Die Reaktionen darauf sind gemischt, sagen sie.
Damit ihnen der Alltag leichter fällt, helfen der Familie vor allem im Haus verschiedene Geräte - vom Kaffee kochen bis zum Lichtschalter.
Wenn das Licht erstmal an ist, gibt es für Paula auch direkt eine Lesestunde. Vorlesen - das bedeutet vor allem in Stevens Fall: Buchstaben erfühlen mit der sogenannten Punktschrift. Dafür eignen sich jedoch nur wenige Bücher.
Paula ist mit ihren 2 Jahren natürlich auch gerne aktiv - damit das sicher ist, hat die Familie eine zusätzliche Unterstützung im Alltag.
So herausfordernd bestimmte Situationen auch sind, die kleine Familie schätzt jeden Moment, den sie miteinander verbringen kann. Und das nicht nur beim Steine bauen oder Puppen spielen, sondern auch morgens und abends beim gemeinsamen Essen.
Schöne Momente erleben möchte die Familie auch in Zukunft. Dabei haben Marina und Steven aber auch Paulas Pläne im Kopf. Sie wird in den nächsten Jahren immer selbständiger werden und irgendwann ihre eigenen Wege gehen wollen. Ihre Eltern wollen sie dabei unterstützen und gleichzeitig dafür sorgen, nicht von ihrer Hilfe abhängig zu sein.
Die Osnabrücker zeigen: hier geht es zwischendurch mal ganz schön rund, aber: ob mit ganz wenig oder komplett ohne Sehkraft - den Alltag meistern, können sie wie jede andere Familie auch.