Die Einwohner der Azoren-Insel meinen: Hier ist das Paradies. Doch die Ruhe auf dem Insel-Idyll ist gestört, sagen die Einheimischen:
"Die Stadt hat Angst. Früher haben wir unsere Türen offen gelassen und die Schlüssel im Auto...Heute sind die Leute sehr vorsichtig und tun das nicht mehr. Die ganze Insel trauert." - O-TON aus dem OFF
Hier in Pico wurden zwei Männer kaltblütig ermordet, glaubt die Polizei. Der mutmaßliche Täter: Dieser deutsche Auswanderer.
Die knapp 14.000 Einwohner der Azoren-Insel Pico stehen unter Schock. Am 10. September letzten Jahres besichtigen zwei einheimische Geschäftsleute - 65 und 74 Jahre alte Männer - in der kleinen Hafenstadt Madalena ein Grundstück. Die unternehmungslustigen Rentner wollen es für Geschäftszwecke erwerben, doch sie kehren nie von der Besichtigung zurück. Nur ihr Auto wird in der Nähe gefunden. Franklin, der Besitzer des Grundstücks, ist der Letzte, der einen der beiden Vermissten Mario lebendig gesehen hat.
"Er hatte gute Laune an dem Tag. Ich habe nichts weiter bemerkt." - O-TON Grundstücksbesitzer
Mario und sein Partner freuen sich. Das Land, das sie so begehrten, es war zum Greifen nah.
"Die beiden Männer wollten es kaufen, doch es kam zu einem Streit an diesem Nachmittag mit dem Eigentümer des angrenzenden Grundstücks, einem ausländischen Herrn." O-Ton Renato Furtado, Polizist.
Der Ausländer ist Deutscher - es ist Tomislav Jozic. Mit seiner Frau lebt der Auswanderer seit ein paar Jahren abgeschieden auf der Traum-Insel, rund 3300 Kilometer von Deutschland entfernt. Wie portugiesische Medien berichten, sei der Deutsche in der Gemeinde Madalena bekannt für seinen schlechten Charakter. Er soll nie mit Einheimischen gesprochen haben und gewalttätig sein. Bereits in der Vergangenheit habe der Mann potenzielle Käufer von Grundstücken in der Nähe seines Hauses bedroht - weil er keine Nachbarn wollte.
"Wir haben von ein paar Leuten gehört, dass sie einmal dorthin gegangen sind und der Typ eine Waffe auf sie gerichtet hatte." O-TON David Silvestre, Anwohner
Und so gerät Tomislav Jozic schnell ins Visier der Ermittler - wird rund um die Uhr überwacht. Während die ganze Insel nach den beiden Männern sucht, zieht sich Tomislav Jozic mit seiner Frau zurück. Bei einer späteren Durchsuchung im Haus entdecken die Ermittler schließlich Waffen, Messer und sogar einen Schalldämpfer. Der damals stark Verdächtige wird festgenommen, inzwischen ist er angeklagt und steht vor Gericht.
"Am Tatort fand die Kriminalpolizeigenügend Beweise, um zu schlussfolgern, dass Tomislav Jozic, 60 Jahre alt, der Täter sein könnte. Das Verbrechen ereignete sich womöglich auf diesem Grundstück in der Nähe seines Hauses, nur wenige Meter vom Meer entfernt." O-Ton Reporter Pedro Freitas
Die Männer werden nie gefunden. Die Anwohner haben ganz eigene Theorien, warum das so ist.
"Nachdem was man weiß, und was seit dem Tag ihres Verschwindens gesagt wird, sind sie verbrannt wurden. Das ist die Theorie die umgeht." O-Ton Anwohner
"Die Leute reden über Lagerfeuer und andere Dinge, die passiert sind." O-TON Anwohnerin
Und tatsächlich: Inzwischen hat der Angeklagte den Mord und das Verbrennen der Leichen - um DNA-Spuren zu verwischen - gestanden, berichten portugiesische Medien. Die Frau des mutmaßlichen Täters ist zunächst noch lange auf freiem Fuß - doch auch sie ist mittlerweile in den Fokus der Ermittler geraten, weil sie womöglich geholfen hat. Die Anwohner der paradiesischen Insel Pico jedenfalls glauben schon lange fest an Tomislav als brutalen Mörder:
"Er ist ein Monster, es ist, was es ist. Ich kann kein anderes Wort finden. " O-Ton Anwohner David Silvestre
Sollte es zur Veurteilung kommen, drohen dem Auswanderer bis zu 25 Jahre Gefängnis.