„Wir sind ausgewandert damals, weil wir das Haus in Deutschland mit unserer Rente nicht mehr hätten finanzieren können. Definitiv nicht. Schon allein die Heizkosten waren irgendwie 5.000 €“, erzählt Brigitte.
Auf São Miguel können sie sich ein Leben leisten, das in Deutschland undenkbar gewesen wäre. Ihr Haus im Grünen mit einem großen Garten voller Palmen und Tieren wie Esel Rudi kauften sie damals zu einem guten Preis – noch vor dem Touristenboom. „Das Haus hat 180 Quadratmeter, hier eigentlich viel zu groß, aber es ist nun mal da“, erklärt die 66-Jährige.
Noch ist Brigitte nicht in Rente. Stattdessen arbeitet sie in einem Geschäft, das sie vor 16 Jahren aus dem Nichts aufgebaut hat. Es bringt ein gutes Einkommen und lässt ihr genug Zeit für Freizeit. Beim Einkauf im Supermarkt zeigt sie uns lokale Produkte wie frischen Fisch, der oft noch am selben oder am Vortag gefangen wurde. „Der ist gestern gefangen oder heute gefangen und dann angeliefert. Und ich glaube, dass es in Deutschland teurer halt“, bemerkt Brigitte.
Heute gibt es allerdings Fleisch – lokal und ohne Massentierhaltung. Zwei Schweinesteaks kosten 2,17 €. Der Kilopreis liegt bei 7,99 €, etwa 4 € weniger als in deutschen Supermärkten.
Neben ihrem aktuellen Job betreibt Brigitte ein kleines Immobiliengeschäft. Vor 16 Jahren investierte sie schlau in erschwingliche Häuser, die sie renoviert und heute als Ferien- oder Langzeitwohnungen vermietet. „Ich suche mir einen Langzeitmieter, der sagt, okay, ich komme für ein Jahr auf die Azoren oder zwei Jahre, um das mal auszutesten. So jemanden hätte ich gern. Oder auch ein Einheimischer“, erzählt sie.
Ein von ihr renoviertes Haus entspricht deutschem Standard und bringt bis zu 1.500 € Miete pro Monat – eine beachtliche Summe für die Region. „Wenn du ein azorianisches Haus mietest, ein kleines Haus, was dann aber auch feucht ist und auch noch keine Doppelverglasfenster und sowas hat, kann man für 400 € kriegen. Halt“, erklärt sie.
Durch die Vermietung hat sich Brigitte ein finanzielles Polster für die Rente angespart. Apropos Rente: Wann plant sie, sich zur Ruhe zu setzen? „In Deutschland habe ich immer noch nicht meine Rente eingereicht. Muss ich aber bald mal machen. Mit 66 dürfte ich das ja schon“, lacht sie.
Brigitte und André haben sich auf den Azoren ein Leben aufgebaut, das für viele ein Traum bleibt – und mit ein bisschen Glück und viel Eigeninitiative verwirklicht wurde.