Flugplatz Rendsburg-Schachtholm, 19:00. Christoph 42 kehrt vom letzten Einsatz der Tagschicht zurück. Arbeitsbeginn für Pilot Stefan Klein. Als Kommandant liegt die Sicherheit der Crew ab jetzt in seiner Verantwortung.
Ja , im Grunde stellt man sich jetzt so alles so einfach , wie man das gerne haben möchte . Es gibt die Besatzung vom Gesicht her und schaut , ob im Grunde alles für den Nachtflug soweit fertig ist.
Neben dem 44-Jährigen besteht die Besatzung heute nacht aus einer Copilotin, einem Notarzt und einem Rettungssanitäter. Die Besatzung weiß, dass jederzeit der Alarm losgehen kann. Innerhalb von wenigen Minuten müssen sie dann im Hubschrauber sitzen und ihre Müdigkeit abschütteln.
Fühlt ihr euch alle einigermaßen fit ? Gibt es irgendwas , wo wir achten müssen ? Schlecht geschlafen , Irgendwelche körperlichen Gebrechen?
Sanitäter Bodo Voges hat sich bei einem Einsatz die Bizepssehne gerissen, war wochenlang krankgeschrieben. Heute ist er zum ersten Mal wieder im Dienst.
0:16:47:10
Ja , ich bin wieder fit. Aber es soll noch ein bisschen...
Okay , dann übernehme ich das Einladen.
Nach dem Briefing überprüft die zweite Pilotin Christine Allerding ihr Nachtsichtgerät. Mehr als 10.000€ kostet dieses Hilfsmittel, mit dem Hindernisse wie Stromleitungen in der Dunkelheit besser zu erkennen sind.
"Sieht gut aus . Es ist noch sehr scharf . Da kann man , wie gesagt , auch seinen eigenen Visus einstellen - für diejenigen , die eine Korrektur brauchen. Ich prüfe jetzt auch einmal, dass beide Batterien funktionieren . Und man sieht jetzt auch schon einen wunderschönen Sternenhimmel."
Zwischen den nächtlichen Einsätzen können die Besatzungsmitglieder in diesen Räumen der Rettungsstation schlafen. Zur Ruhe zu kommen ist aber gar nicht so leicht, wenn in jedem Moment der Alarm klingeln kann. Feste Rituale helfen. Für Bodo Voges sind das Drei Fragezeichen-Hörbücher zum Einschlafen.
Es ist eine ruhige Nacht - trotz bestem Flugwetter bleibt der Alarm zwölf Stunden lang still.
Doch das ändert sich schnell in der darauffolgenden Schicht - Hier vervollständigen Notarzt Dr. Ole Krautwald und zweiter Pilot Sebastian Hilliger die Crew. Noch während des Checks der Maschine schrillt um 19 Uhr der Alarm.
Jetzt muss jeder Handgriff sitzen. Mit millimetergenauen Bewegungen des Steuerknüppels manövriert Stefan Klein die tonnenschwere Maschine in die Luft. Entlang des Nord-Ostseekanals geht es nach Sehestedt im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Nach neun Minuten in der Luft suchen die Piloten am Einsatzort nach dem besten Landeplatz.
"Da neben dem Kanal, oder? Ja, würde ich sagen! Da vorne kann man gut durchlaufen."
Noch bei laufendem Rotor eilen die Luftretter zum Notfall: Eine demente Frau in ihren 80ern hatte einen Schwächeanfall, weigert sich aber, mit dem Rettungswagen mitzufahren. In solchen Fällen muss ein Notarzt anwesend sein: Der Hubschrauber ist der schnellste Weg, ihn zum Einsatzort zu bringen.
"Wir haben das jetzt mit ihnen soweit besprochen und die Patientin hat dann gesagt , dass sie mitkommt , Deswegen kommt Ole gerade aus dem Rettungswagen raus , hat noch ein bisschen Protokoll geschrieben und die RTW-Besatzung fährt sie jetzt gleich ins Flensburger Krankenhaus und wir sind dann wieder frei und bereit für den nächsten Einsatz."
Nach einer halben Stunde am dem Boden hebt Christoph 42 wieder ab. Im letzten Tageslicht steuern die Luftretter ihren Stützpunkt bei Rendsburg an.
"So, Touchdown 20 Uhr Zwo."
Zeit für eine gemeinsame Pause. Die enge Verbundenheit der Crew: Sie hilft, belastende Einsätze zu verarbeiten. Bodo Voges ist besonders eine Tochter im Kopf geblieben, die über den Selbstmord ihres Vater getrauert hat.
"Dieser Abschied war so tragisch , weil sie den Vater dann hochgehoben hat und noch in den Arm genommen hat , angefangen hat zu weinen und sagte , dass sie ihn doch so sehr liebt usw was warum ihr dann jetzt gegangen ist. // Und das war so diese Situation , dass man wirklich da erst mal runterkommen , man konnte gegenseitig noch mal erzählen usw und dann war man auch oder war ich auch ganz gut in der Lage zu sagen okay , jetzt habe ich damit abgeschlossen , jetzt können wir auch nach Hause fliegen."
Der Rest der Schicht verläuft ruhig, einen geplanten Verlegungsflug sagt die Leitstelle doch wieder ab. Richtig erholsam sind die Nächte aber nie für die Crew.
"Außerhalb der Einsätze ist es halt schon so , dass man auch gedanklich immer auf dem Sprung ist . Also es ist jetzt nicht so , dass wir irgendwie hier , selbst wenn wir mal irgendwo sitzen und gelangweilt aussehen , dass wir dann irgendwie da in der absoluten tiefsten Entspannung sind , sondern man weiß eigentlich immer das , was passieren kann und dann über den Tag hinaus merkt man das schon."
Mittlerweile ist es sieben Uhr morgens. Feierabend für Stefan Klein und Bodo Voges, die Tagschicht übernimmt: Immer bereit, bei Notfällen im Norden innerhalb von kürzester Zeit mit Christoph 42 in die Luft zu gehen.