Das Spiel von Kurt H. aus Köthen ist vorbei. Vor Gericht zeigt er sich von der Seite, die viele aus seiner Familie nur zu gut kennen: Besonders aggressiv und herrisch.
„Hören Sie auf bitte. Ich mag das nicht!“
Bei Christine M. kommen im Gericht viele schlimme Erinnerungen wieder hoch, die sie und ihre Tochter durch ihn erleiden mussten.
"Ich bin mit einem sehr wütenden Gefühl da, enttäuschung und Hass gegen ihn."
Das Urteil gegen Kurt H. wühlt viele im Saal sogar so sehr auf, dass die Richterin durchgreifen muss.
Wir sprechen mit Christine M. abseits der Gerichtshektik über die schlimmen Taten ihres Onkels Kurt H. Ihre Tochter wird mit neun Jahren von ihm missbraucht. Es ist das gleiche Trauma, dass auch die 42-Jährige selbst als Kind mit ihm durchgemacht haben soll.
„Ich habe mich sehr unwohl gefühlt. Ich wusste gar nicht was da gerade passiert. Ich war so starr und konnte gar nichts machen. Ich war wie in Trance, total überfordert. (...) Ich fühlte, es war nicht das Richtige, ich mochte es nicht, ich wollte es nicht.“
Kurt H. soll nach außen hin ein symphytischer Mann sein. Doch Innerhalb der Familie habe Ihr Onkel ein Macho-Auftreten an den Tag gelegt und sei herrisch gewesen.
"Durch meine Eltern hatten wir öfters Kontakt.... "
"Er hatte zu Hause echt immer das Sagen. Ja, Alle mussten das machen, was er gesagt hat. Er hatte da richtig seine Butler. Ihm wurde das Brot gebracht, trinken, keiner dürfte etwas anfassen.kein schönes leben für die anderen.“
Die Erinnerungen an ihren Onkel holen Christine M. ein, als ihr Tochter ihr etwas offenbar Furchtbares anvertraut: Sie sagt, dass Kurt H. sie als 9-Jährige missbraucht habe. Christine M. schweigt diesmal nicht, sie geht zur Polizei, bringt damit den Stein ins Rollen. Heute bereut Christine M., dass sie nicht früher geredet hat.
"Hatte Angst etwas zu sagen.."
Die Taten von Kurt H. sollen unglaubliche Ausmaße genommen haben: Nach Christine M. mutigen Schritt melden sich weitere mutmaßliche Opfer. Darunter Antje H., sie ist die Tochter von Kurt H.s Exfreundin. Mit elf soll er sie entjungfert und sie später unter Druck sogar geheiratet haben. Fünf Kinder entstehen aus der Ehe, alle durch Vergewaltigungen sagt sie. Die gemeinsame Enkeltochter soll er sogar vor ihren Augen missbraucht haben:
"Bei uns im Ehebetten. Da hat er sie auch unten angefasst und die Decke hat sich ja bewegt und wenn sich die Decke bewegt weiß man ja alles oder? “
Im Prozess jetzt sagt Antje H. als Zeugin gegen ihren Noch-Ehemann aus:
"Ich musste es ja machen für die anderen, weil mir das damals auch so passiert ist."
Inzwischen ist Antje H. von Kurt H. getrennt und will die scheidung.
Im Gericht versucht Kurt H. die Taten herunterzuspielen. Doch der 67-Jährige wird in erster Instanz zu 6 Jahren und 8 Monaten Gefängnis verurteilt - unter anderem wegen sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung von Minderjährigen.
"Bereuen Sie Ihre Taten?"
Im Gericht nach dem Haft-Urteil: Applaus:
"Die Betroffenen und deren Angehörige haben geklatscht. Die Richterin musste hier allerdings ermahnen und meinte man sei nicht in einem Theaterstück. Und auf der anderen Seite fielen auch Tränen und zwar von den Kindern, die noch zu ihm halten.“
Die Staatsanwaltschaft hat weitere Ermittlungen gegen Kurt H. eingeleitet, unter anderem sollen die Missbrauchsvorwürfe von Antje H. nun weiter von der Staatsanwaltschaft überprüft werden.