Es ist eine Baustelle, die Reiner Himmes seit 19 Monaten sein Zuhause nennt. Die Maschinen stehen still hier in Schuld. Mal wieder. Glasfaser und Stromkabel sollen verlegt werden. Aber Straßen, Supermarkt, Bäcker - all das fehlt - und die Hoffnung langsam auch.
Rainer Himmes, Schausteller:
"Die haben ja uns das Blaue vom Himmel versprochen. Und, wenn de guckst, es passiert nichts. So. Unser Bürgermeister kann nicht alles, der rennt von Pontius bis Pilatus. Das ist doch alles net normal."
In der Nacht zum 15. Juli 2021 verliert die Schaustellerfamilie ihr gesamtes Hab und Gut.
"Jetzt sind wir bankrott, Schatz."
Über eineinhalb Jahre nach der Katastrophe ist das Haus wieder heil. Steckdosen und Lichtschalter hat der Schausteller dabei selbst installiert. Denn Handwerker fehlen. Und dann ist da noch die Sache mit den Geldern. Die An-träge sind kompliziert. Seine Tochter wartet immer noch auf über 100.000 Euro.
Angie Himmes, Schaustellerin:
"Der Steuerberater muss was ausfüllen, der Gutachter, der Steuerberater kann aber erst anfangen, wenn das vom Gutachter fertig ist, aber der vom Gutachten, der füllt einfach nicht aus. Der hat jetzt was ausgefüllt, aber total falsch. Voll ätzend."
Bürokratiedschungel Deutschland. Auch Birgit Krämer blickt nicht mehr durch. Das sind die ersten Bauarbeiten, die sie vor ihrer Gaststätte in Walporzheim sieht. Die Brücke ist immer noch kaputt, der Wiederaufbau stockt. Keine Kanalisation. Kein Bürgersteig. Keine Infrastruktur.
Birgit Krämer, Gastwirtin:
"Was ganz schlimm ist, dass das Licht fehlt. Wir haben also keine Straßenlaternen, also dat ist ein schwarzes Loch, aber wie überall an der Ahr."
Immerhin in ihrer Gaststätte tut sich was. Die Hilfen sind mittlerweile bei Birgit Krämer angekommen. Nach einigen Boxkämpfen, wie sie sagt.
Allein in Rheinland-Pfalz wurden die Schäden auf 20 Milliarden Euro geschätzt, 15 Milliarden davon waren unversichert. Dafür wird jetzt der Staat einspringen, heißt es aus dem Innenministerium.
Nicole Steingaß, Staatssekretärin im Innenministerium Rheinland-Pfalz:
"Die Antragsstrecken sind aufgebaut. Bei den Privaten sind mittlerweile 95 Prozent aller vorliegenden Anträge beschieden und auch bei der öffentlichen Hand läuft das Antragsverfahren sehr gut. Das Geld steht bereit."
Bis das Ahrtal wieder aufgebaut ist, wird es aber noch Jahre dauern. Rainer Himmes baut vor allem auf neue Straßen. In Schuld haben sie jetzt immerhin wieder einen Briefkasten - nach 19 Monaten ohne.