Die Müll-Karawane zieht weiter: In Ovelgönne, einem kleinen Gehöft im Landkreis Holzminden, erledigen die 18 Einwohner neuerdings den Job der Müllabfuhr. Denn die hat sich hier schon länger nicht mehr blicken lassen.
"Wann haben Sie so ein Auto zum letzten Mal gesehen?"
"Oh, das ist schon lange her."
"Bestimmt schon vier fünf Wochen - mindestens"
Die Anfahrt zur niedersächsischen Gemeinde ist das Problem: Der Weg ist lang und schmal. So schmal, dass der Plastikmüll seit knapp zwei Monaten auf der Straße vor sich hin modert.
OT Axel Kelling, Anwohner: "Wir hatten uns nur gewundert, dass kein Fahrzeug mehr hochkommt, dass der Müll nicht mehr abgeholt wird. Nach einer Nachfrage hieß es dann Ja, das Fahrzeug kommt ja nicht mehr hoch, die Straße ist zu schmal, es ist zu gefährlich, was die ganzen Jahre kein Problem war."
Laut Abfallentsorger PreZero steckt eine Vorgabe der Berufsgenossenschaft dahinter: Die gibt es übrigens schon seit zwei Jahren - hat bislang nur niemanden gekümmert.
Boris Ziegler, PreZero Deutschland: "Wir dürfen ausschließlich uns bewegen auf Straßen, die mindestens 3,55 Meter breit sind. 2,55 ist die Fahrzeugbreite und wir brauchen jeweils 50 Zentimeter noch mal für den entsprechenden Abstand links und rechts."
Wir messen nach - hier ist die Straße 3 Meter 10 breit. Das Fahrzeug kommt die Straße zwar hoch - wenn dann Gegenverkehr kommt, muss der Müllwagen rückwärts fahren. Bei mehr als 150 Metern im Rückwartsgang sei das laut Berufsgenossenschaft aber eine zu hohe psychische Belastung.
OT Axel Kelling, Anwohner: "Dass ein LKW nicht rückwärts fahren kann, ist klar. Und da ist halt jeder Eigenverantwortung, dass man ausweicht."
Unverständnis bei Axel Kelling und seinen Nachbarn. Den Plastikmüll stapeln sie nun gezwungenermaßen im benachbarten Hehlen, wo er dann abgeholt wird.
OT Axel Kelling, Anwohner: "Auf Dauer ist das auf keinen Fall zumutbar, weil wenn man sich die Autos gerade angesehen hat: Wir haben die alle mit blauen Säcken ausgelegt im Kofferraum. Die eine hatte ihre Maden da drin."
Im Hintergrund werde eifrig nach einer Lösung gesucht, beschwichtigt PreZero. Wie die aussieht - und wann sie vorliegt - kann aber noch niemand sagen. Solange stapeln sich die gelben Plastiksäcke in Ovelgönne wohl weiter...