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SunHelp International e.V. im Interview – Mehr Lebensqualität dank Solarenergie


  • Redaktion: Mit welchen Zielen habt ihr den gemeinnützigen Verein SunHelp International e.V. gegründet, welches Problem wollt ihr lösen?

    Sebastian: Auf unseren zahlreichen Reisen (Sebastian und Anne berichten davon unter reisefroh.de, Anmerkung der Redaktion) haben wir in den letzten 10 Jahren über 65 Länder bereist, die meisten davon waren Entwicklungsländer in Zentral- und Südostasien. Oft sind wir mehrere Monate vor Ort geblieben, in neue Kulturen eingetaucht und haben es geliebt für eine Zeit einen Teil dieser fremden Welt zu werden. Aber gleichzeitig wurden wir auch mit dem Einzelschicksal der Menschen und dem Überlebenskampf ganzer Dörfer konfrontiert.
    Extreme Armut ist für uns seitdem keine Statistik mehr, sondern hat ein Gesicht bekommen. Das hat viel in uns verändert, insbesondere weil trotz der materiellen Probleme die Gastfreundschaft, die Offenheit und die Solidarität der Menschen immer da waren. Das hat uns sehr beeindruckt.

    Wir haben uns die Frage gestellt wie wir dem Land und den Menschen „etwas zurückgeben“ können. Fest stand von Anfang an, dass wir nur mit eigenem Know-how und vertrauenswürdigen Kontakten vor Ort sinnvoll, effizient und nachhaltig helfen können.
    Da ich Ingenieur bin mit Spezialisierung in den erneuerbaren Energien lag das Thema Solarenergie nahe, insbesondere kleine Insellösungen. Diese kompakten Solarsysteme eignen sich hervorragend um die Elektrifizierung von kleinen Krankenhäusern, Schulen und sogar ganzen Dörfern in sehr ruralen Gegenden der Welt zu ermöglichen. Dort, wo große Hilfsorganisationen aus Kosten-Nutzen-Gründen nicht aktiv werden und auch der Staat keine Hilfen bereitstellt, dort haben wir uns zum Ziel gesetzt zu helfen.

    Auch wenn elektrisches Licht in Anbetracht der großen Armut als Luxusgut betrachtet werden könnte, haben Solaranlagen das Potential genau diese nachhaltig zu bekämpfen.

    Denn

    – sauberes Licht bedeutet den Ersatz von Kerzen oder Petroleumlampen. Ohne die Verwendung von Petroleum oder anderen Energieträgern sparen die Familien einen erheblichen Teil ihrer Ausgaben (je nach Land sind das 25 bis 40% des Monatseinkommens!), was eine enorme finanzielle Entlastung bedeutet. Dieses Geld steht nun zur Verfügung, z.B. für eine bessere Ernährung, Arztbesuche oder Bildungszwecke.

    – eine nachhaltige Energieversorgung bedeutet keine schädlichen Emissionen. Laut aktueller Studien sterben durch Petroleum verursachte Krankheiten wie Atemwegserkrankungen, Leukämie und Lungenentzündungen jedes Jahr über eine Million Kinder!

    – der Einsatz von Solarstrom und Solarkochern schützt nachhaltig das Klima und die Umwelt. Insbesondere die Einsparung von Brennholz führt zur Regeneration der Vegetation und verringert den Raubbau an der Natur.

    – nach Anbruch der Dunkelheit können handgemachte Produkte hergestellt werden um sie auf lokalen Märkten zu verkaufen.

    – jedes Jahr fallen Hausbränden – verursacht durch Petroleumlampen – über 300.000 Menschen zum Opfer (insbesondere kleine Kinder!), durch ungefährliche Solaranlagen können diese Menschenleben gerettet werden.

    – Kinder müssen tagsüber meistens ihren Familien bei der Feldarbeit helfen und können dank der Solarsysteme am Abend noch Hausaufgaben machen oder lesen. Die Bildungs- und Zukunftschancen dieser Kinder verbessern sich dadurch enorm!

    – Geburten können durch Licht sicherer begleitet und Medikamente gekühlt werden.

    – … und noch unzählige weitere Vorteile!

    Aus all diesen Gründen haben wir 2014 den gemeinnützigen Verein SunHelp International e.V. gegründet und uns auf rurale Hilfsprojekte dank der Solarenergie spezialisiert.

  • Redaktion: Auf welchem Schritt eurer Mission befindet ihr euch gerade?

    Sebastian: Mittlerweile hat unser Verein über 200 Solarsysteme und 75 Solarkocher installiert, sowohl auf den Philippinen, in Nepal, Kambodscha, Vietnam und Tadschikistan. Unsere Mission ist es, einen ganzheitlichen Ansatz der Entwicklungszusammenarbeit zu verfolgen. Wir haben unsere ersten Projekte mit kompakten Solarsystemen begonnen, mittlerweile bieten unsere Hilfsprojekte sowohl Solarsysteme, Solarkocher als auch effiziente Schnellkochtöpfe an.

    Zu unseren größten Erfolgen zählt die Elektrifizierung eines Bergdorfes in der erdbebengeplagten Region Gorkha, in Nepal. Mit einer Karawane von zehn Maultieren und über 500 Kilo Solarausrüstung mussten wir einen kräftezehrenden Tagesmarsch durch Dschungellandschaften, Bergflüssen und kargen Felsebenen wagen um die Menschen zu erreichen. Es war ein großes Abenteuer, aber auch ein tolles Erfolg!
    Von den üblichen bürokratischen und auslandspolitischen Herausforderungen abgesehen, stellt die aktuelle Pandemie eine besondere Hürde für unsere Hilfsprojekte dar. Geschlossene Grenzen, Importbeschränkungen und unsichere Lieferzeiten verzögern die Bereitstellung der Hilfsgüter. Der Organisationsaufwand ist seit Covid-19 entsprechend gestiegen.

  • Redaktion: Wie viele Mitglieder zählt euer Verein aktuell und wie vielen Menschen konntet ihr in welchen Ländern bereits direkt helfen?

    Sebastian: Unser Verein zählt ca. 40 feste Mitglieder und zusätzlich knapp 20 Solarpaten/innen. Durch die gemeinsame Unterstützung der Mitglieder, Paten und Spendern konnten wir bisher über 2.000 Menschen in extremer Armut durch eine nachhaltige Energieversorgung helfen! Und auch für das aktuelle Jahr 2021 haben wir ein neues Hilfsprojekt in Tadschikistan auf die Beine gestellt, bei dem über 150 Menschen geholfen wird.

  • Redaktion: Könnt ihr etwas zur Produktion, Versand und Installation von Solaranlagen in dir Zielregion sagen - organisiert dies euer Verein?

    Sebastian: Wir mussten früh feststellen dass nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit nur durch die Kontrolle der Prozesse und Finanzen sichergestellt werden kann. Aus diesem Grund haben wir uns darauf spezialisiert, lokale Hilfsorganisationen als langfristige Kooperationspartner zu gewinnen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Durch unsere lokalen Partner stellen wir eine dauerhafte Betreuung und Instandhaltung der Systeme sicher und können neue Projekte umsetzen ohne selbst wieder vor Ort sein zu müssen (was insbesondere in der aktuellen Zeit durch Reiseeinschränkungen ein großer Vorteil ist).

    Wir versuchen nach Möglichkeit die lokale Wertschöpfung zu unterstützen. Dazu suchen wir Solarsysteme und Händler, die im Projektland ansässig sind. Dies war insbesondere in Kambodscha und Vietnam leicht umsetzbar. Ist dies nicht der Fall, so bemühen wir uns um den Import der Güter aus den direkten Nachbarländern um die Transportwege so gering wie möglich zu halten (in Nepal mussten die Systeme aus Indien, in Tadschikistan aus China importiert werden).
    Unser Verein koordiniert und finanziert also sämtliche Projektphasen: Von der Planung, Beschaffung, Installation bis zur Instandhaltung und dem Ersatz der Systeme.

  • Redaktion: Wo erfährt man mehr über euch und wie kann man euch konkret unterstützen?

    Sebastian: Umfangreiche Details zu unserem Verein und unseren Projekten finden sich auf der offiziellen Vereinsseite: https://sunhelp.de/

    Wer unsere gemeinnützige Arbeit unterstützen möchte hat zahlreiche Optionen zur Verfügung. Wir freuen uns neben einer klassischen Mitgliedschaft beim Verein auch über eine innovative Solar-Patenschaft, bei der ein monatlicher Beitrag von 10€ bereits ausreicht um jedes Jahr einem Kind und seiner ganzen Familie Licht zu schenken. Hinzu kommen die bekannten Spenden-Optionen wie Paypal, Banküberweisung oder die praktische Lastschrift.
    Jeder Euro zählt und fließt zu 100% in die Projektkosten! Alle Mitglieder sind ehrenamtlich aktiv und unsere sehr geringen Verwaltungskosten werden über die Mitgliedsbeiträge finanziert.

    Aber auch beim Charity Shopping ist unser Verein aktiv geworden und bietet den Internetnutzern die Möglichkeit, einen Teil ihres Online-Shoppings als Spende zu verschenken – ganz ohne Mehrkosten.

    Wer zusätzlich noch Fragen hat kann mich auch gerne persönlich anschreiben, ich freue mich über jede Nachricht: sebastian@sunhelp.de

Herzlichen Dank, Sebastian, für die ausführliche Beantwortung unserer Fragen. Wir drücken die Daumen, dass ihr eure Ziele erreicht und können unseren Lesern nur wärmstens empfehlen, auf eurer Internetseite vorbeizuschauen.

Redaktion: Laura Hoffmann

Bildmaterial zur Verfügung gestellt durch: SunHelp International e.V.

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