In Kooperation mitExpertenTesten.de
TÜV-zertifizierte Vergleichs- und Testverfahren nach ISO 9001
Suche
Generic filters
Nur genaue Treffer
Suche im Titel
Suche im Inhalt
Suche in Zusammenfassung
News-Übersicht

Restschuldversicherung zum Kredit – ja oder nein?

Restschuldversicherungen werden häufig zusammen mit einem Kredit angeboten – doch ist eine solche Police eigentlich sinnvoll?

Fabian Krüger im Interview: Restschuldversicherung, darauf gilt es zu achten

Die Aufnahme von Krediten hat sich in den letzten 10-20 Jahren deutlich gewandelt. Immer mehr Menschen nehmen heute nämlich online Darlehen auf. Nicht selten stellen Banken dabei auch eine Restschuldversicherung zur Verfügung. Doch was ist das eigentlich genau? Ist der Abschluss einer solchen Versicherung überhaupt sinnvoll und was ist dabei zu beachten? Diese und weitere Fragen beantwortet uns nun Fabian Krüger von Bon Kredit, der ebenfalls einen Ratgeber zu diesem Thema erstellt hat.

Euro-Geld-kalkulieren

– Was ist eine Restschuldversicherung eigentlich?

Krüger: Unter einer Restschuldversicherung versteht man in der Finanzwelt eine Versicherung, die die Rückzahung eines Kredits sicherstellt, wenn der Kreditnehmer aus bestimmen Gründen dazu nicht in der Lage ist. Vereinfacht gesagt: Wenn ein Kreditnehmer also seine Raten nicht mehr bezahlen kann, springt die Restschuldversicherung ein und leistet die Restraten.

– Ist es dabei egal, aus welchen Gründen die Kreditraten nicht mehr gezahlt werden können?

Krüger: Nein, das ist leider nicht der Fall. Gängige Restschuldversicherungen sichern die Rückzahlung nur für bestimmte mögliche Ursachen ab. Dazu gehören:

· Arbeitslosigkeit: Wer seinen Job veriert, gerät oft in finanzielle Schwierigkeiten und kann Kreditraten nicht mehr so einfach begleichen. Gerade dann hilft eine Restkreditversicherung und zahlt vorübergehend die Raten.

· Arbeitsunfähigkeit: Wer vorübergehend oder dauerhaft arbeitsunfähig wird, kann bei einer entsprechenden Tarifwahl ebenfalls Hilfe von der Restschuldversicherung erwarten. Auch hier wird die Rückzahlung des Kredits übernommen.

· Todesfall: Die gängiste Absicherung gilt für den Todesfall. Sollte ein Kreditnehmer während der Laufzeit versterben, begleicht die Restschuldversicherung das Darlehen. So werden die Hinterbliebenen vor Kreditforderungen geschützt.

Hierbei ist anzumerken, dass nicht alle Restschuldversicherungen alle möglichen Ursachen absichern. Es kommt immer auf den jeweiligen Tarif an, den ein Kreditnehmer auswählt.

– Gibt es bei den Leistungen auch Einschränkungen?

Krüger: Auch das kommt häufig vor. So übernehmen die Policen beispielsweise bei Arbeitslosigkeit nur für 12-18 Monate die Raten. Auch Wartezeiten von teilweise 6 Monaten sind keine Seltenheit. Zusätzlich gelten Leistungsausschlüsse im Normalfall auch für das Auslaufen befristeter Arbeitsverträge.
Zusätzlich schließen die Restschuldversicherungen je nach Tarif auch bestimmte Ursachen aus, die zur Arbeitsunfähigkeit führen können. Hierbei zeigt sich sehr schnell, dass Verbraucher sich die Verträge vor einem Abschluss immer genau anschauen sollten. Dies rät übrigens auch die Verbraucherzentrale NRW.

– Was kostet eine Restschuldversicherung?

Krüger: Die Kosten werden je nach Einzelfall berechnet und lassen sich demnach nur schwer beziffern. Im Normalfall müssen Kreditnehmer allerdings mit 8-15% der Kreditsumme als Zusatzkosten rechnen. Und diese Kosten werden nicht im effektiven Jahreszins verrechnet – sie fallen also zusätzlich an.

Hier zeigt sich eindeutig: Im Vergleich zu ihrem Nutzen sind Restschuld-Policen gerade bei herkömmlichen Ratenkreditem häufig zu teuer. Die hat wiederum zwei Gründe:

  1. Der Versicherungsfall tritt eher selten ein (in gängigen Zeiträumen von 1-5 Jahren)
  2. Der Schaden im Versicherungsfall ist eher gering (Kreditsummen liegen häufig nur zwischen 5.000 und 15.000 Euro)

Grundsätzlich gilt: Je länger die Laufzeit und je höher die Kreditsumme, desto sinnvoller kann eine Restschuldversicherung sein. Aus diesem Grund ergeben entsprechende Policen gerade im Bereich der Baufinanzierungen viel Sinn. Hier geht es nicht selten um Kreditsummen im sechsstelligen Bereichen und um Laufzeiten zwischen 10 und 30 Jahren.

– Ist eine Restschuldversicherung bei einem Ratenkredit verpflichtend?

Krüger: Nein, die Banken verpflichten Kreditnehmer nicht zum Abschluss einer Restschuldversicherung. Diese kann gerade bei schwächerer Bonität jedoch durchaus einen positiven Impuls für die Kreditvergabe bedeuten. Grundsätzlich haben Kunden aber die Wahl, einen solchen Zusatzvertrag abzulehnen.

– Wann lässt sich eine Restschuldversicherung kündigen?

Krüger: Auch dies ist unterschiedlich geregelt. In jedem Fall läuft die Versicherung zum Ende der Kreditlaufzeit aus. Einige Versicherer sehen zudem ein ordentliches Kündigungsrecht vor und bieten sogar die Kündigung zum Ende eines jeden Monats an. Doch Achtung: Auch hier können Fristen gelten. Ansonsten ist es normalerweise möglich, eine Restschuldpolice bei einer Umschuldung zu kündigen. Dies passiert allerdings nicht automatisch, sondern Kreditnehmer müssen dies gesondert angehen.

– Wann würde Sie eine Restschuldversicherung abschließen?

Krüger: Ich halte entsprechende Policen vor allem dann für sinnvoll, wenn ich lange Zeiträume und hohe Kreditsummen absichern muss. Darüber hinaus würde ich allerdings stets genau checken, welche Leistungen die einzelne Police abdeckt und welche Leistungsausschlüsse der Vertrag beinhaltet. Auch ein Kostencheck wäre mir sehr wichtig, um am Ende nicht draufzahlen zu müssen.

Zu unserer Redaktion