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Maskenball: Welcher Mundschutz schützt wirklich?

Ein Ratgeber

Die Corona-Infektionszahlen in Deutschland steigen wieder – mit einer erschreckenden Geschwindigkeit. Einer der Gründe hierfür sind die sogenannten Maskenmuffel. Sogar in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Einkaufen, wo Maskenpflicht herrscht, sieht man immer häufiger Menschen ohne Masken oder Bürger, die ihre Maske falsch tragen – etwa indem die Nase nicht verdeckt ist. Das lässt sich auch mit einer herrschenden Verwirrung erklären. Viele wissen nicht, welche Maske in welcher Situation schützt. Darüber hinaus werden immer wieder Sorgen geschürt, dass das Tragen einer Maske ein Gesundheitsrisiko darstellen könnte.

Mundschutz


Gerüchte vs Fakten

Kohlendioxid-Vergiftung

Als Beweis für die Behauptung, dass beim Tragen von Schutzmasken zur Eindämmung der Corona-Pandemie eine Kohlendioxid-Vergiftung droht, wird im Internet ein Arbeitsschutz-Poster einer Gaserzeugerfirma verbreitet, das vor den Gefahren von CO2 in geschlossenen Räumen warnt. Unter einer Alltagsmaske seien bereits Werte gemessen worden, die laut Unternehmensangaben gefährlich sein können. Da es sich bei einer Alltagsmaske allerdings nicht um einen luftdicht geschlossenen Raum handelt, besteht zwischen der Gefahr von CO2 in geschlossenen Räumen und einer CO2-Konzentration unter einem Mund-Nasen-Schutz kein Zusammenhang. Lediglich ein Bruchteil der Luft unter einer Maske wird durch den Träger wieder eingeatmet.

„Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass ein Mensch lebensbedrohliche Symptome entwickelt, weil er eine Maske trägt“, bestätigt Michael Pfeifer, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie. Auf Basis des aktuellen Wissensstands ist das Tragen von Masken unbedenklich.

Klaus-Dieter Zastrow so, Leiter des Hygiene-Instituts Berlin Search Care, weist darauf hin, dass Ärzte weltweit stundenlang Masken tragen, wenn sie etwa am OP-Tisch stehen. Es seien keine Gesundheitsprobleme bei Ärzten deswegen bekannt, sagt der Hygieniker. „Und aus den Latschen gekippt ist deshalb auch noch keiner.“

Die Maske ist gefährlich für Kinder

Die Maskenpflicht gefährde jedoch Kinder, heißt es vermehrt in sozialen Netzwerken. Doch das ist falsch, denn wie bei Erwachsenen gilt: Handelt es sich um eine luftdurchlässige Community-Maske, besteht für das Kind keinerlei Gefahr. Nichts desto trotz kursieren im Internet Falschmeldungen zu gestorbenen Kindern. So wird behauptet, ein sechsjähriges Mädchen bei Schweinfurt wäre durch das Tragen einer Maske erst bewusstlos geworden und dann gestorben. Die Polizei in Unterfranken erklärte bereits: „Das sind Internetmärchen, die seit Dienstag auf verschiedenen Social-Media-Kanälen in der Region verbreitet werden.“

Unmöglich sei es, dass ein Kind durch das Tragen einer Alltagsmaske ums Leben kommen könne, sagt der Berliner Mediziner und Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske. Auch für kleine Kinder seien Masken „gar kein Problem“, so der Experte. Allerdings sollten Kinder bis zum Alter von drei Jahren unbeaufsichtigt keine Maske tragen, empfiehlt Reinhard Berner, Leiter der Pädiatrie am Universitätsklinikum Dresden. Ebenfalls sollte kein Kind, gleich welchen Alters, mit Maske schlafen, damit es sich nicht unglücklicherweise damit stranguliert.

Die unterschiedlichen Maskentypen

Damit man die richtige Schutzwirkung einer Maske erhält, sollte man bei der Wahl des Mundschutz auf die Zertifizierung achten. Schutzmasken unterscheiden sich in ihrer bakteriellen Filtrationseffizienz (BFE) bzw. Partikelfiltrationseffizienz (PFE). Während die BFE die Filtrationseffizienz von Masken bei Bakterien mit einer mittleren Partikelgröße (MPS) von ca. 3,0 Mikrometer misst; misst die PFE hingegen die Filtrationseffizienz einer Maske gegenüber nicht lebensfähigen Partikeln mit einer festen Größe ab 0,1 Mikrometer. Weil das Coronavirus einen Durchmesser von zwischen 0,05 und 0,2 Mikrometer hat, schützen Masken mit PFE-Eigenschaften besser.

– Einwegmasken oder medizinische Masken sind für den Weg von und zur Arbeit in privat organisierten Mitfahrgelegenheiten und für den öffentlichen Raum ohne große Menschenansammlungen geeignet. Diese Masken sind zu empfehlen, um andere Personen nicht mit eventuellen Erkältungen anzustecken.

– Chirurgische Masken, FFP-Atemschutzmasken und Gesichtsschutzmaske eignen sich für das Tragen in Hochrisikoumgebungen, in denen Kontakte oder Interaktionen mit infizierten Menschen sehr wahrscheinlich sind. Zwar dienen FFP2-Atemschutzmasken primär dem Selbstschutz, bieten gleichzeitig aber auch mehr Fremdschutz als Alltagsmasken.

– Stoff- und Papiermasken, auch als Mund-Nasen-Schutz (MNS) bezeichnet, verhindern wirksam, dass große Speicheltropfen in die Umgebungsluft abgegeben werden. Tests zufolge gelten diese Masken aber als nicht flüssigkeitsresistent. Somit sind ihre Schutzeigenschaften limitiert und sie schützen ihre Träger nicht wirksam gegen das Corona-Virus. Stoff- und Papiermasken sollten deshalb lediglich in Situationen mit einem niedrigen Infektionsrisiko getragen werden.

– Die N95-Atemschutzmaske reduziert zwar die Exposition des Trägers gegenüber sehr kleinen Partikeln oder Verunreinigungen in der Luft, bietet jedoch gegebenenfalls keinen Schutz bei lungengängigem Flüssigkeitsnebel (Aerosol) oder direktem Auftreffen größerer Tröpfchen. Bei diesen Masken handelt es sich nicht um die chirurgische N95-Maske, die vornehmlich im medizinischen Bereich zum Einsatz kommt.

„Wichtig ist, dass wir die Unterschiede kennen und wissen, welchen Schutz die einzelnen Masken bieten und wie sie richtig gehandhabt werden“, sagt Dr. Royth von Hahn, Globaler Leiter des Bereichs Medical and Health Services von TÜV SÜD. Er erklärt, dass sich die Wahl der Schutzmaske nach dem potenziellen Risiko richten sollte.

Masken bzw. Mund-Nasen-Bedeckungen bieten aber nur dann Schutz, wenn sie regelmäßig gewaschen werden. Gängige Alltagsmasken sollte man täglich wechseln oder waschen, wie eine australische Studie von der University of New South Wales in Sydney zeigt. Demnach müssten sowohl selbstgenähte Community-Masken als auch chirurgische Mundschutze aus der Apotheke nach jedem Tragen als kontaminiert betrachtet werden. Mehrfaches Tragen der Masken, ohne sie in der Zwischenzeit bei mindestens 60 Grad zu waschen, könne das Infektionsrisiko erheblich erhöhen, heißt es.

Grippe und Impfen

Als wäre die Corona-Pandemie nicht schon schlimm genug, stehen nun auch noch die kälteren Wintermonate bevor. Und damit Erkältungen und die Grippe, auch Influenza genannt. Sie stellt eine zusätzliche Gefahr für ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere sowie für das Medizin- und Pflegepersonal dar. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die Grippeschutzimpfung vor allem Personen, die ein erhöhtes Erkrankungsrisiko aufweisen.

Bei der Grippe handelt es sich nicht – wie häufig fälschlicherweise angenommen – um eine einfache Erkältung, sondern um eine Infektionskrankheit, die durch Viren verursacht wird. Influenza kann etwa zu hohem Fieber, schweren Kopf- und Gliederschmerzen und einem trockenen Reizhusten führen. Anders als bei einer Erkältung sind bei einer Influenza typischerweise nicht nur die Atemwege, sondern der gesamte Körper betroffen. Erkrankte können bereits kurz vor Beginn der Beschwerden ansteckend sein und sind dies in der Regel für die gesamte Dauer der Krankheit – etwa eine Woche lang.

Die Grippeschutzimpfung ist die wichtigste Maßnahme, um sich und andere gegen eine Influenza-Erkrankung zu schützen. Antibiotika sind in dem Fall wirkungslos. Weil die Influenza-Viren sich stetig verändern, muss der Grippe-Impfstoff jährlich entsprechend angepasst werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestimmt die jährliche Impfstoffzusammensetzung, die auf weltweiten Laborergebnissen basiert. In diesem Jahr hat die Bundesregierung zusätzlichen Grippeimpfstoff besorgt: Mehr als 26 Millionen Dosen Influenzaimpfstoffe sind für die Saison 2020/21 hierzulande verfügbar, und damit nahezu doppelt so viel wie in der vergangenen Saison mit 14 Millionen Dosen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn empfiehlt vor allem diejenigen, denen die STIKO die Grippeimpfung empfiehlt, sich impfen zu lassen: „Schützen Sie sich, schützen Sie andere und schützen Sie unser Gesundheitssystem.“

Quellen:
https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Medizinprodukte/DE/schutzmasken.html
https://www.apotheken-umschau.de/Coronavirus/SARS-CoV-2-Welcher-Mundschutz-schuetzt-wie-557781.html
https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Schutzmasken-gegen-Corona-Unterschiede-und-Reinigung,schutzmasken150.html
https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-04/mundschutz-masken-ffp-stoff-infektionsschutz-verwendung
https://www.fitbook.de/health/schutzmasken-gegen-corona-im-ueberblick
https://www.n-tv.de/wissen/Droht-CO2-Vergiftung-durch-Schutzmasken-article22097681.html
https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-kritiker-101.html

Bildquelle: © OrnaW @ pixabay
Autor: Redaktion

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