Wer eine Sprache wirklich sprechen lernen will und nicht nur Vokabeln pauken, kommt an Live-Unterricht mit echten Menschen kaum vorbei. Zwei Namen fallen dabei besonders häufig: Preply und Lingoda. Beide setzen auf echten Videounterricht statt auf Gamification-Apps – doch das Grundprinzip könnte unterschiedlicher kaum sein. Preply ist im Kern ein riesiger Marktplatz, auf dem du dir aus einem globalen Tutoren-Pool deine persönliche Lehrkraft aussuchst. Lingoda funktioniert dagegen wie eine digitale Sprachschule mit festen Kursplänen, Klassenverbänden und offiziellem Abschlusszertifikat.
Diese unterschiedliche DNA zieht sich durch beide Angebote: Preisgestaltung, Sprachauswahl, Kursstruktur und sogar die Frage, wie viel Freiheit du beim Lernen hast, hängen direkt davon ab, ob du dich für den freien Marktplatz oder das feste Schulmodell entscheidest. In diesem Vergleich siehst du auf einen Blick, wo Preply und Lingoda jeweils punkten, was ein Monat Unterricht wirklich kostet und welches Modell besser zu deinem Lernstil und deinem Alltag passt.
Auf einen Blick: Preply vermittelt dir einen privaten 1:1-Tutor aus über 100.000 Lehrkräften weltweit – flexibel buchbar, in mehr als 90 Sprachen, Preise ab rund 5 Euro pro Stunde je nach Tutor. Lingoda ist eine strukturierte Online-Sprachschule mit festem Stundenplan, Live-Gruppen- oder Einzelunterricht in sechs Sprachen und einem GER-Zertifikat am Ende jedes Levels. Wer maximale Freiheit bei der Tutorenwahl und beim Timing will, tendiert zu Preply. Wer lieber einem klaren Lehrplan folgt und einen nachweisbaren Abschluss sucht, ist bei Lingoda besser aufgehoben.
Preply und Lingoda im direkten Vergleich
Bevor es ins Detail geht, hilft ein kompakter Überblick über die wichtigsten Eckdaten beider Anbieter – von der Lernmethode über die Sprachauswahl bis zum Preis pro Stunde.
| Kriterium | Preply | Lingoda |
|---|---|---|
| Lernformat | 1:1-Privatunterricht mit frei wählbarem Tutor | Live-Gruppenunterricht (max. 5 Personen) oder Einzelstunden nach festem Lehrplan |
| Gegründet | 2012, Ukraine/USA | 2013, Berlin |
| Sprachangebot | 90+ Sprachen | 6 Sprachen (u. a. Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Business Englisch) |
| Lektionsdauer | 25, 50 oder 80 Minuten, frei wählbar | Fest 60 Minuten |
| Sprachniveaus | A1–C2 (abhängig vom Tutor) | A1–C1 nach GER, je nach Sprache |
| Preis pro Stunde | Ab ca. 5 € (tutorabhängig) | Ab 5,49 € im Gruppenformat, ab 11,49 € einzeln |
| Zertifikat | Nein | Ja, GER-konform nach Levelabschluss |
| Eigene App | Ja (iOS/Android) | Companion-App zum Buchen, Live-Unterricht im Browser |
| Ideal für | Flexible Lerner, Nischen-Sprachen, kleines Budget | Strukturierte Lerner, Gruppenfans, Zertifikat-Bedarf |
Schon diese Gegenüberstellung zeigt die grundsätzliche Weichenstellung: Preply punktet mit Breite und Flexibilität, Lingoda mit Tiefe und Struktur. Wie sich das im Alltag anfühlt, zeigen die beiden folgenden Abschnitte.
Preply: dein privater Tutor nach Wahl
Preply funktioniert wie ein Marktplatz für Sprachunterricht: Statt eines vorgegebenen Kurses suchst du dir aus mehr als 100.000 Tutoren weltweit die Lehrkraft aus, die zu deinem Level, deinem Budget und deiner Zielsprache passt. Filtermöglichkeiten nach Muttersprache, Preis, Verfügbarkeit und Nutzerbewertungen machen die Auswahl übersichtlich, auch wenn das Angebot riesig ist. Über 90 Sprachen stehen zur Wahl – von Weltsprachen wie Englisch und Spanisch bis zu selteneren Optionen wie Georgisch oder Suaheli, für die es kaum spezialisierte Sprachschulen gibt.
Der Unterricht selbst läuft per Videochat direkt auf der Preply-Plattform, inklusive digitalem Whiteboard, Chat-Funktion und geteilten Materialien. Weil jeder Tutor seinen eigenen Stil mitbringt, unterscheidet sich der Ablauf von Lehrkraft zu Lehrkraft: Manche folgen einem Lehrbuch, andere bauen den Unterricht komplett um deine Interessen und Ziele herum – etwa Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch, Konversationstraining für den nächsten Urlaub oder gezieltes Grammatiktraining vor einer Prüfung. Diese Individualisierung ist zugleich Stärke und Schwäche: Sie erlaubt maximale Anpassung, verlangt von dir aber auch etwas Eigeninitiative bei der Tutorenwahl.
Preise legt jeder Tutor selbst fest, deshalb variiert die Stundenrate stark: Einsteiger-Tutoren aus Ländern mit niedrigerem Lohnniveau bieten teils schon ab rund 5 Euro pro Stunde Unterricht an, gefragte Lehrkräfte mit tausenden Bewertungen verlangen deutlich mehr. Eine klassische kostenlose Version gibt es nicht, dafür sichert eine Geld-zurück-Garantie die erste Probestunde ab – gefällt dir der Tutor nicht, bekommst du dein Geld zurück oder wechselst einfach.

Technisch punktet Preply mit einem KI-gestützten Matching-Algorithmus, der dir basierend auf Sprache, Level und Lernzielen passende Tutoren vorschlägt, sowie mit einer eigenen App für iOS und Android inklusive Kalenderfunktion. Ein fester Lehrplan existiert plattformweit nicht – Struktur bekommst du nur, wenn dein Tutor sie mitbringt. Ein offizielles Sprachzertifikat stellt Preply ebenfalls nicht aus, was für reine Konversationsziele meist kein Problem ist, für formale Sprachnachweise aber relevant sein kann.
Für Unternehmen gibt es zudem Preply Business mit individuellen Firmenpaketen, etwa für Teams, die gezielt Business-Englisch trainieren wollen. Kombiniert mit dem riesigen Sprachangebot macht das Preply besonders für alle interessant, die eine ungewöhnliche Sprache lernen, spontan Termine brauchen oder erst einmal unverbindlich in den 1:1-Unterricht hineinschnuppern möchten.
Preply eignet sich am besten für dich, wenn du zeitlich flexibel bleiben willst, eine Nischensprache lernst oder einfach lieber mit einer festen Bezugsperson statt in der Gruppe lernst.
Lingoda: die Online-Sprachschule mit festem Lehrplan
Lingoda tritt bewusst als vollwertige Sprachschule auf, nicht als Marktplatz. Der gesamte Unterricht orientiert sich am Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER): Jede der sechs angebotenen Sprachen – Englisch, Business Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch – ist in klar definierte Levels von A1 bis C1 unterteilt, mit über 1.500 Lektionen und festgelegten Lernzielen pro Stunde. Wer schon einmal eine klassische Sprachschule besucht hat, findet sich hier schnell zurecht, nur eben komplett digital.
Kernstück ist der Live-Unterricht: Im Gruppenformat lernst du gemeinsam mit bis zu vier weiteren Teilnehmern, insgesamt also in Gruppen von maximal fünf Personen – ideal, um Konversation im echten Austausch zu üben. Wer lieber ungestört im eigenen Tempo lernt, bucht Einzelstunden mit demselben Lehrplan, aber individuellerer Betreuung. Jede Lektion dauert exakt 60 Minuten und folgt einem festen Ablauf aus Themeneinstieg, Vokabel- und Grammatikblock sowie freien Sprechübungen am Ende. Alle Lehrkräfte sind zertifiziert und unterrichten auf muttersprachlichem Niveau.
Preislich arbeitet Lingoda mit monatlich kündbaren Abos, deren Kosten von der gebuchten Stundenzahl und dem Format abhängen: Je mehr Stunden pro Monat, desto günstiger die einzelne Lektion. Das günstigste Gruppenpaket liegt bei rund 5,49 Euro pro Stunde, wer nur wenige Stunden im Monat bucht oder Einzelunterricht bevorzugt, zahlt spürbar mehr. Das sogenannte Sprint-Programm belohnt regelmäßige Teilnehmer zusätzlich mit bis zu 100 Prozent Cashback – ein cleverer Anreiz, konsequent am Ball zu bleiben.

Der größte Pluspunkt gegenüber einem freien Tutorenmarkt: Nach Abschluss eines Levels stellt Lingoda ein offizielles, GER-konformes Sprachzertifikat aus – praktisch für Bewerbungen, Studienbewerbungen oder den Nachweis von Sprachkenntnissen gegenüber Behörden. Der Live-Unterricht läuft aktuell teils über die hauseigene Lingoda Classroom-Software, teils weiterhin über Zoom; eine eigene App gibt es nur zum Buchen und für Zusatzmaterial, nicht für den eigentlichen Unterricht.
Der Preis für diese Struktur: Nur sechs Sprachen stehen zur Auswahl, wer beispielsweise Japanisch oder Arabisch lernen möchte, ist bei Lingoda an der falschen Adresse. Auch die feste Lektionslänge von 60 Minuten lässt wenig Raum für kurze Lerneinheiten zwischendurch, und jedes Abo gilt jeweils nur für eine Sprache.
Lingoda eignet sich am besten für dich, wenn du einen roten Faden mit messbarem Fortschritt suchst, gerne in der Gruppe lernst oder am Ende ein anerkanntes Sprachzertifikat in der Hand halten willst.
Für wen lohnt sich Preply, für wen Lingoda?
Die Entscheidung zwischen Preply und Lingoda ist letztlich eine Entscheidung über deinen bevorzugten Lernstil. Preply lohnt sich besonders, wenn du unregelmäßige Zeiten hast und Stunden spontan buchen willst, wenn du eine seltene Sprache lernst, für die es kaum strukturierte Kursangebote gibt, oder wenn dir ein knappes Budget wichtiger ist als ein fester Lehrplan. Auch wer bereits gute Vorkenntnisse hat und gezielt an einzelnen Schwächen arbeiten will – etwa Aussprache oder Fachvokabular fürs Berufsleben –, profitiert vom individuellen Zuschnitt des Unterrichts.
Lingoda spielt seine Stärken aus, wenn du einen klaren Fahrplan mit definierten Meilensteinen brauchst, um motiviert zu bleiben, oder wenn du ein offizielles Sprachzertifikat für Bewerbung, Studium oder Behördengänge benötigst. Auch für alle, die gerne im Austausch mit anderen Lernenden üben und der reine Frontalunterricht mit einem Tutor zu einseitig wäre, ist das Gruppenformat von Lingoda die naheliegendere Wahl. Wer unsicher ist, kann beide Modelle unverbindlich testen: eine Probestunde bei Preply, ein gelegentliches Gratis-Testfenster bei Lingoda – und dann entscheiden, welches Format sich im Alltag besser anfühlt.
Häufig gestellte Fragen zum Vergleich Preply und Lingoda
Fazit: Privater Tutor oder Sprachschule?
Preply und Lingoda lösen dasselbe Grundproblem – Sprache im echten Live-Austausch statt allein per App zu lernen – auf komplett unterschiedliche Weise. Preply setzt auf Breite, Freiheit und einen riesigen Tutoren-Pool, in dem für nahezu jede Sprache und jedes Budget etwas dabei ist. Lingoda setzt auf Tiefe, Struktur und einen nachweisbaren Abschluss, verzichtet dafür aber bewusst auf Sprachvielfalt und freie Terminwahl.
Keine der beiden Optionen ist pauschal „besser” – es kommt darauf an, was du suchst. Willst du flexibel bleiben und deine Lehrkraft frei wählen, ist Preply die richtige Adresse. Brauchst du einen klaren Lehrplan, Gruppenaustausch und am Ende ein Zertifikat, führt kaum ein Weg an Lingoda vorbei. In beiden Fällen investierst du in echten Unterricht mit echten Menschen – und das bleibt bis heute der zuverlässigste Weg, eine Sprache wirklich sprechen zu lernen.
