Wer glaubt, in Deutschland würde nach der Schulzeit höchstens noch etwas Englisch und vielleicht ein bisschen Spanisch gepaukt, unterschätzt die aktuelle Lernrealität gewaltig. Sprachlern-Apps mit Millionen Nutzern und die Kursstatistiken der Volkshochschulen zeigen ein deutlich buntes Bild: Neben den ewigen Klassikern erobern gerade mehrere asiatische und osteuropäische Sprachen in kürzester Zeit ganz neue Lernergruppen.
Wie sieht die aktuelle Rangliste der meistgelernten Fremdsprachen der Deutschen wirklich aus, welche Sprache legt prozentual am stärksten zu – und welche verliert gerade massiv an Boden? Der folgende Überblick liefert dir konkrete Zahlen, echte Trends und eine Einordnung, wohin sich die deutsche Sprachlernlandschaft in den kommenden Jahren bewegt.
Rangliste 2026: die zehn meistgelernten Fremdsprachen in Deutschland
An der Spitze hat sich seit Jahren nichts verändert – wohl aber in der zweiten Hälfte der Tabelle. Diese zehn Sprachen führen die aktuelle Beliebtheitsskala an, samt Entwicklung gegenüber 2022:
| Platz | Sprache | Wer lernt vorwiegend? | Entwicklung seit 2022 | Typischer Lernanlass |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Englisch | Alle Altersgruppen | ✅ Konstant an der Spitze | Schule, Beruf, Alltag |
| 2 | Spanisch | 15–45 Jahre | 📈 Weiter im Aufwind | Reisen, Job, Kultur |
| 3 | Französisch | 25–60 Jahre | 📉 Leicht abnehmend | Schule, EU-Kontakte, Kultur |
| 4 | Italienisch | 35–65 Jahre | ✅ Konstant | Urlaub, Genuss, Kultur |
| 5 | Japanisch | 15–30 Jahre | 🚀 +61 % seit 2022 | Anime, Games, Kultur |
| 6 | Koreanisch | 15–28 Jahre | 🚀 Deutliches Plus | K-Pop, K-Drama, Kultur |
| 7 | Polnisch | 25–55 Jahre | 🚀 +193 % seit 2022 | Job, Wirtschaft, Nachbarschaft |
| 8 | Mandarin-Chinesisch | 20–45 Jahre | 📈 +41 % seit 2022 | Wirtschaft, Karriere |
| 9 | Türkisch | Breite Altersstreuung | ✅ Konstant | Familie, Urlaub, Beruf |
| 10 | Russisch | 30–60 Jahre | 📉 Deutlicher Rückgang | Kultur, historisches Interesse |
Die Wachstumsraten stammen aus dem Berlitz Sprachtrend-Report 2024, die Angaben zu den klassischen Lernsprachen basieren auf Kursbelegungszahlen der Volkshochschulen in Nordrhein-Westfalen. Beide Quellen zeichnen unabhängig voneinander dasselbe Bild: Die oberen Ränge bleiben stabil, während sich darunter gerade eine kleine Revolution abspielt.
Diese Verschiebungen hat es seit 2022 gegeben
Die Dauerbrenner: Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch
Die obersten vier Plätze rühren sich kaum. Englisch bleibt Pflichtprogramm und wird praktisch von jedem Schulabgänger mindestens auf Mittelstufenniveau beherrscht. Spanisch hat Französisch in vielen Bundesländern längst als beliebteste zweite Fremdsprache abgelöst und wächst weiter – begünstigt durch Lateinamerika-Reisen und den engen Handel mit Spanien. Französisch verliert dadurch zwar leicht an Boden, bleibt aber dank EU-Nähe und der direkten Grenze zu Frankreich, Belgien und der Schweiz fest verankert. Italienisch wiederum profitiert von einer treuen, meist etwas älteren Lernbasis, die vor allem Urlaub, Kulinarik und Kultur im Blick hat.
Die Aufsteiger: Japanisch und Koreanisch im Popkultur-Sog
Kein Trend der vergangenen vier Jahre fällt so deutlich aus wie der Zulauf zu asiatischen Sprachen. Japanisch hat sich seit 2022 um 61 Prozent gesteigert und ist unter den Unter-30-Jährigen inzwischen die meistgelernte nicht-europäische Sprache nach Englisch – angetrieben von Anime, Manga und japanischen Videospielen. Koreanisch legt ähnlich stark zu: Der weltweite K-Pop- und K-Drama-Boom hat die Sprache auf Duolingo in die globalen Top 5 katapultiert, und auch in Deutschland zählt sie zu den am schnellsten wachsenden Kursen überhaupt.
Bemerkenswert ist dabei die Lernmotivation: Wer eine Sprache aus echter Begeisterung für Musik, Serien oder Kultur beginnt, bleibt im Schnitt länger am Ball und erreicht höhere Sprachniveaus als jemand, der etwa Spanisch rein aus Karrieregründen ohne persönlichen Bezug lernt.
Der Shootingstar: Polnisch mit plus 193 Prozent
Kein anderes Idiom hat sich prozentual so stark gesteigert wie Polnisch: plus 193 Prozent seit 2022 – der höchste Zuwachs im gesamten Ranking. Der Grund liegt weniger in Popkultur als in harten wirtschaftlichen Zahlen: Polen zählt zu Deutschlands wichtigsten Handelspartnern in Mittel- und Osteuropa, über zwei Millionen Menschen mit polnischen Wurzeln leben hierzulande, und Fördermaßnahmen der Bundesregierung erleichtern den Zugang zu Sprachkursen zusätzlich. Polnisch etabliert sich damit als strategische Nachbarsprache mit wachsender Bedeutung in Logistik, Bauwesen, Pflege und Industrie.
Der Absturz: Warum Russisch so stark verliert
Bis vor wenigen Jahren war Russisch die unangefochtene Nummer eins unter den osteuropäischen Sprachen in Deutschland, VHS-Kurse waren regelmäßig ausgebucht und zahlreiche Unternehmen mit Russland-Geschäft finanzierten ihren Mitarbeitenden eigene Sprachkurse. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 ist die Nachfrage massiv eingebrochen: Wirtschaftsbeziehungen wurden gekappt, Kulturaustauschprogramme eingestellt, Reisen praktisch unmöglich gemacht. Wer aus akademischem oder familiärem Interesse Russisch lernt, tut das zwar weiterhin, doch die breite, karrieregetriebene Nachfrage von früher ist heute deutlich geschrumpft.
Was die Duolingo-Zahlen über deutsche Lerner verraten
Neben VHS-Statistiken liefert auch Duolingo als weltweit meistgenutzte Sprachlern-App mit über 133 Millionen monatlich aktiven Nutzern jährlich eigene Auswertungen. Für Deutschland zeigt sich dabei ein Bild, das die Rangliste in Teilen bestätigt, in Teilen aber auch ergänzt:
- Englisch liegt uneinholbar vorn
- Spanisch ist unangefochten die Nummer 2 unter den App-Lernenden
- Japanisch hat Französisch in der jüngeren Zielgruppe bereits auf Platz 3 verdrängt
- Koreanisch wächst schneller als jede andere Sprache auf der Plattform
- Französisch rutscht bei Duolingo auf Rang 4 bis 5 ab, hält sich in VHS-Kursen aber weiterhin stark
Der Unterschied zwischen beiden Datenquellen ist vor allem demografisch bedingt: VHS-Lernende sind im Schnitt älter und setzen eher auf strukturierte Kurse zu klassischen Sprachen. Duolingo-Nutzer sind überwiegend unter 35 – und genau hier zeigt sich der Vorsprung von Japanisch und Koreanisch besonders deutlich.
Prognose: Diese Sprachen legen 2026 voraussichtlich weiter zu
Auf Basis der aktuellen Wachstumsdynamik lässt sich für die kommenden Monate bereits absehen, welche Sprachen ihren Aufwärtstrend fortsetzen dürften – und welche eher weiter an Boden verlieren:
| Sprache | Prognose 2026 | Wichtigster Treiber |
|---|---|---|
| Koreanisch | 🚀 Stark wachsend | K-Pop, K-Drama, Korea als Reiseziel |
| Japanisch | 📈 Weiter wachsend | Anime, Gaming, Japan-Reisen |
| Polnisch | 📈 Wachsend | Wirtschaft, Nachbarschaft, Förderprogramme |
| Spanisch | 📈 Stabil wachsend | Lateinamerika, Karriere, Urlaub |
| Mandarin | ✅ Stabil wachsend | Wirtschaft, trotz politischer Spannungen |
| Portugiesisch | 📈 Leicht wachsend | Brasilien, Portugal-Tourismus |
| Französisch | 📉 Leicht rückläufig | Schulreformen, Konkurrenz durch Spanisch |
| Russisch | 📉 Weiter rückläufig | Politische Lage, abgebrochene Wirtschaftskontakte |
Direkt loslegen: Anbieter für die gefragtesten Sprachen
Ob du bei einem der Dauerbrenner bleibst oder direkt in einen der aktuellen Aufsteiger einsteigst: Für die meistgelernten Sprachen aus dem Ranking findest du inzwischen etablierte digitale Angebote, mit denen du ohne Vorlauf loslegen kannst.
