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Zwischenbericht niederländischer Ermittler: Flug MH17 von zahlreichen Objekten durchbohrt

Zwischenbericht niederländischer Ermittler: Flug MH17 von zahlreichen Objekten durchbohrt

Kein technischer Defekt, kein Notruf

Die abgestürzte Boeing MH17 der Malaysia Airlines wurde höchstwahrscheinlich abgeschossen. Das haben die niederländischen Ermittler nach Auswertung der Black Boxes in einem ersten Zwischenbericht zur Ursache der Katastrophe mitgeteilt.

MH17 Absturz
Australische und niederländische Ermittler an der Absturzstelle in der Ostukraine.
dpa, Igor Kovalenko

Der Absturz sei nicht auf einen technischen Defekt zurückzuführen. Auch hätten die Piloten keinen Notruf abgesetzt. Die Flugschreiber und die Daten der Luftverkehrsleitung wiesen dem Bericht zufolge auf einen normalen Flugverlauf hin. Das Flugzeug sei wohl von außen von mehreren Objekten durchdrungen worden. Die Maschine sei daraufhin auseinandergebrochen.

Die Angaben stützen den Verdacht, dass das Flugzeug über dem Kriegsgebiet in der Ostukraine mit einer Rakete abgeschossen wurde. Bei dem Absturz waren 298 Menschen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen aus den Niederlanden. In der Absturzregion hatten sich die ukrainische Armee und prorussische Separatisten heftige Gefechte geliefert.

Separatisten: MH17-Zwischenbericht belastet Regierung in Kiew

Der Zwischenbericht belastet nach Ansicht der Separatisten die Regierung in Kiew. "Es gibt eine hohe Zahl von Widersprüchen in der ukrainischen Version, und der Report bestätigt dies nur", sagte Separatistenführer Miroslaw Rudenkoin in Donezk. "Wir verfügen nicht über die Technik, um ein solches Flugzeug abzuschießen."

Der ukrainische Vizeregierungschef Wladimir Groisman sagte zur Frage nach den Tätern: "Ich denke, dass es genügend Fakten gibt; Sie können sie in Ruhe prüfen und Ihre Schlüsse ziehen." Die Regierungstruppen hätten keine Flugabwehrsysteme im Konfliktgebiet Ostukraine benutzt. "Wir haben keine derartige Waffe eingesetzt. Der Bericht bestätigt unsere Mutmaßungen", so Groisman. Die Regierung hatte nach dem Absturz erklärt, aus ihrer Sicht hätten moskautreue Separatisten mit russischem Kriegsgerät die Boeing abgeschossen. "Die Ukraine wird alles dafür tun, damit jeder, der an dem Terrorakt beteiligt war, bestraft wird."

Malaysias Premierminister Najib Razak fordert angesichts der offenen Fragen im neuen Expertenbericht einen uneingeschränkten Zugang zur Absturzstelle in der Ostukraine. Es sei ausgesprochen wichtig, "alle sterblichen Überreste zu bergen, die Untersuchung abzuschließen und die Wahrheit zu ermitteln", erklärte Razak auf seiner Homepage. Ein malaysisches Untersuchungsteam sei zudem am Montag in die Ukraine geschickt worden. Aufgrund der Kämpfe in der Region waren erste Untersuchungen in dem Trümmerfeld abgebrochen worden.