Die verzweifelte Hoffnung auf Europa

Zwischen Tränengas und Hilfsbereitschaft: So leben die Flüchtlinge an der türkisch-griechischen Grenze

09. März 2020 - 15:44 Uhr

Von Kavita Sharma

Hier im Dorf Karaagac an der türkisch-griechischen Grenze herrscht reges Treiben, entlang der staubigen Straße, die zum Grenzübergang Pazarkule führt.  Die Menschen, die dort ausharren, kommen hierher, um sich Essen und Trinken zu kaufen. Viele laufen mit Plastiktüten voller Brot an uns vorbei. Wir hören, dass Hilfsorganisationen zwar vor Ort sind, aber dass es trotzdem nicht genug Essen und Trinken für so viele Menschen gibt. Die Polizei verwehrt Journalisten den Zugang inzwischen dorthin.
 
Die Menschen klagen auch über den ständigen Tränengasbeschuss. Selbst in den notdürftig errichteten Zelten bekommen sie das Gas ab, wenn der Wind ungünstig steht, erzählen uns die Menschen. Gerade die vielen kleinen Kinder leiden darunter. Die Gesundheitsabteilung des Gourverneursamt in Edirne sagte auf Nachfrage, ein Baby wurde vor ein paar Tagen wegen schwerer Atemnot am Grenzübergang behandelt. In den letzten Tagen kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen an der Grenze. Die griechische Seite schoss immer wieder mit Tränengas, auch türkische Sicherheitskräfte sollen zurück gefeuert haben.

Reporter Dirk Emmerich berichtet von der anderen Seite der Grenze - hier können Sie seine Reportage lesen.

Die Leute im Dorf lassen die Flüchtlinge duschen

Seitdem der türkische Präsident Recep Tayyib Erdogan die Grenzen nach Europa geöffnet hat, klammern sich tausende Menschen an der türkisch- griechischen Grenze an die verzweifelte Hoffnung, dass sich die Tore nach Europe doch noch öffnen werden.
Seitdem der türkische Präsident Recep Tayyib Erdogan die Grenzen nach Europa geöffnet hat, klammern sich tausende Menschen an der türkisch- griechischen Grenze an die verzweifelte Hoffnung, dass sich die Tore nach Europe doch noch öffnen werden.
© RTL

In einem Cafe scharen sich mehrere Gruppen junger Männer um Steckdosen. Sie kommen hier in das Dorf, um ihre Handys aufzuladen. Niemand isst etwas, als wir da sind. Das können sie sich anscheinend nicht leisten. Stattdessen wird Tee oder Kaffee getrunken. Der Cafebesitzer lässt sie gewähren. Die jungen Männer aus Syrien sagen uns, die Leute im Dorf seien freundlich und hilfsbereit.

Griechenland wehrt Grenzübertritte mit voller Härte ab

Junge Männer kommen  in das Dorf, um ihre Hands aufzuladen oder auch um zu duschen.
Junge Männer kommen in das Dorf, um ihre Hands aufzuladen oder auch um zu duschen.
© RTL

Eine andere Gruppe erzählt uns, für 15 türkische Lira dürfen die Menschen bei Dorfbewohnern duschen, denn vor den Sanitäranlagen am Grenzübergang bilden sich lange Schlangen. Trotz dieser schwierigen Bedingungen verlassen die wenigstens Pazarkule.

Seitdem der türkische Präsident Recep Tayyib Erdogan die Grenzen nach Europa geöffnet hat, klammern sich tausende Menschen an der türkisch- griechischen Grenze an die verzweifelte Hoffnung, dass sich die Tore nach Europe doch noch öffnen werden. Aber Griechenland hat eine Festung errichtet, wehrt alle versuchten Grenzübertritte mit voller Härte ab.