Zwillinge kamen nach nur 23 Wochen: Ärzte bereiteten Eltern auf das Schlimmste vor - jetzt werden die Babys ein Jahr alt

19. September 2016 - 8:56 Uhr

Letzte Hoffnung Embryoadoption

Als Cadence Moore und ihr Bruder Jaxson das Licht der Welt erblickten, hätte der Start in ihr Leben kaum dramatischer verlaufen können: Die Zwillinge wurden nach nur 23 Wochen geboren. Die Ärzte hatten kaum Hoffnung und rieten den Eltern, sich auf das Schlimmste vorzubereiten. Doch das Leben fand einen Weg.

Das Händchen ist so groß wie eine einzelne Fingerkuppe, zart und zerbrechlich liegt es da. Es zeigt Jourdan Moore und ihr Baby Jaxson, der mit seiner Zwillingsschwester Cadence nach nur 23 Wochen auf die Welt kam. Dass es einmal zu dieser Situation kommen würde und sie die Hand ihres Babys würde halten können, diese Hoffnung hatten Jourdan und ihr Ehemann Matt schon beinahe aufgegeben.

Als sie 2005 heirateten, wünschte sich das Paar aus Portland im US-Bundesstaat Oregon nichts sehnlicher als Kinder. Das allerdings schien aussichtslos. Jourdan leidet an Morbus Crohn, einer chronischen Darmkrankheit. Das einzige Medikament, auf das sie reagiert, löst Fehlgeburten aus. Deshalb hofften sie, ein Baby adoptieren zu können. Zehn Jahre warteten sie – vergeblich.

Schließlich schlug ihnen ein Freund vor, es mit einer Embryospende zu versuchen - ein Nebenprodukt künstlicher Befruchtungen, bei denen mehr Eizellen befruchtet werden, als am Ende ausgetragen werden. Frauen in den USA können sie an Paare mit Kinderwunsch weitergeben. "Wir trugen diesen Wunsch in unseren Herzen, ein Kind zu adoptieren, einem Kind ein Zuhause zu geben, das ohne uns kein Zuhause hätte", sagte Jourdan der 'Daily Mail'.

Da Jourdan eine Schwangerschaft nicht möglich war, bot sich ihre Freundin Hollie Mentesana als Leihmutter an. Im April 2015 wurden ihr schließlich zwei Embryos einer anonymen Spenderfamilie eingepflanzt. Mit Hollies Bauchumfang wuchs auch die Hoffnung der Moores, bald endlich eine kleine Familie gründen zu können. Doch in der 23. Schwangerschaftswoche wendete sich das Blatt: Hollie bekam Unterleibsschmerzen. Jourdan dachte zuerst, es handele sich um eine Blasenentzündung und brachte ihre Freundin vorsichtshalber ins Krankenhaus.

"Der Arzt schaute mich an und sagte, mit 23 Wochen hätten sie keine Chance"

Dort der Schock: Der Muttermund war bereits geöffnet, die beiden Babys mussten nach nur 23 Schwangerschaft per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht werden. Cadence wog gerade mal 481 Gramm, während ihr Bruder Jaxson winzige 141 Gramm mehr auf die Waage brachte. "Der Arzt schaute mich an und sagte, die Babys müssten jetzt geholt werden und mit 23 Wochen hätten sie keine Chance", so Jourdan. "Ich konnte es nicht fassen, wir waren so weit gekommen. Doch wir hatten keine andere Wahl, als uns auf ihren Tod vorzubereiten." Die Ärzte überließen ihnen die Entscheidung, die Babys zu reanimieren und an lebenserhaltenden Geräte anzuschließen oder ihnen Sterbehilfe zu gewähren. Die Chance auf Reanimation lag gerade einmal bei 21 Prozent – die Ärzte rieten dem Paar, die Babys sterben zu lassen. Doch Jourdan und Matt entschieden sich dagegen. "Die Ärzte legten uns nahe, der Natur ihren Lauf zu lassen, doch wir wollten unsere Wunderkinder nicht aufgeben", so Jourdan. Tag und Nacht saß sie drei Monate lang bei ihren Babys, kehrte nur einmal für zwei Stunden nach Hause zurück. Und ihre Liebe sollte sich auszahlen.

Zwar musste Cadence nachts an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden, weil ihre Lungen unterentwickelt sind und Jaxson ist stark kurzsichtig. Ansonsten entwickelten sich die Zwillinge aber erstaunlich gut. Obwohl sie noch immer klein für ihr Alter sind, können sie jetzt ihren ersten Geburtstag feiern – allen Widerständen zum Trotz. Ein wundervoller Beweis dafür, die Hoffnung nie aufzugeben.