Zwickmühle Altenpflege: Pflegekosten sind oft zu hoch, Lohn für Fachkräfte zu niedrig

14. Oktober 2016 - 8:43 Uhr

Zu teure Heimplätze versus zu niedrige Löhne

Was Altenpflege in Deutschland kostet, ist je nach Region extrem unterschiedlich. Viele Senioren können sich keinen teuren Heimplatz leisten. Der Preis für günstige Pflege sind oft schlecht bezahlte Fachkräfte, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt.

Einkommen reicht oft nicht mal für ein volles Jahr Pflege

In weiten Teilen Deutschlands kostet ein Heimplatz mehr als Senioren sich leisten können. Einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge übersteigt der fällige Eigenanteil für den Heimplatz in fast der Hälfte aller Städte und Kreise das durchschnittliche Haushaltbudget der über 80-Jährigen.

Es machen sich vor allem regionale Unterschiede bemerkbar: Rechnerisch reicht die Finanzkraft der Hochbetagten vor allem in Nordrhein-Westfalen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz und Teilen von Baden-Württemberg und Bayern nur für eine Versorgung im Heim von maximal zehn Monaten im Jahr.

Letzter Ausweg: Sozialhilfe

"Ist das Geld knapp für die Versorgung im Heim hat das zur Folge, dass häufiger Angehörige einspringen oder Pflegebedürftige zusätzliche Sozialleistungen beantragen", sagt Stefan Etgeton, Projektleiter fder Studie.

So mussten 2013 bundesweit 41 Prozent aller Pflegebedürftigen Sozialhilfe beantragen. "Dahinter, dass in manchen Regionen, die Menschen länger zuhause gepflegt werden, steckt also nicht immer eine freie Entscheidung, sondern eben auch häufig ökonomische Notwendigkeit", stellt der Gesundheitsexperte fest.

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Regionale Unterschiede sind groß

Pflegebedürftige im Norden und im Osten müssen sich dagegen weniger um die Finanzierung ihres Heimplatzes sorgen. So reiche die durchschnittliche Finanzkraft der über 80-Jährigen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und den ostdeutschen Bundesländern fast überall mehr als aus.

Dies allerdings geht zu Lasten des Pflegepersonals: Deutliche Lohnunterschiede stecken den Experten zufolge hinter dem starken Gefälle zwischen Nordost und Südwest, wo das Einkommen der Pflegekräfte zum Teil doppelt so hoch sei.

2013 lag die Spanne der Bruttoentgelte in der Pflege zwischen 1.714 und 3.192 Euro monatlich.  Das schlägt sich in den Heimkosten nieder: Professionelle Pflege kostet je nach Region im Schnitt zwischen 88 Euro im Jerichower Land und Zwickau und 153 Euro pro Tag in Köln und Krefeld.

Die Bertelsmann-Stiftung beklagt, dass es der Politik an einer Lösung fehle, Altenpflegekräfte gerecht zu bezahlen, ohne die Pflegebedürftigen und ihre Familien finanziell zu überfordern.