Zwickauer Terrorzelle war viel größer als bekannt

28. April 2013 - 19:15 Uhr

Bisher geheime Liste der Sicherheitsbehörden

Das Netzwerk der rechtsextremen Zwickauer Terrorzelle war nach einem Bericht der 'Bild am Sonntag' viel größer als bislang bekannt. Demnach gehörten 129 Personen aus der rechtsextremen Szene zum engeren und weiteren Umfeld des Nationalsozialistischen Untergrunds. Der NSU soll in den Jahren 2000 bis 2007 neun türkisch- und griechisch-stämmige Kleinunternehmer und eine Polizistin getötet haben.

NSU, Terror, Rechtsextremismus
Die NSU-Terrorzelle war bislang vor allem durch Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe bekannt.
© dpa, Arno Burgi

Die Gruppe war erst im November 2011 aufgeflogen. Der Prozess gegen den harten Kern der Terrorgruppe, die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte beginnt am 17. April vor dem Oberlandesgericht München. Er könnte mehr als zwei Jahre dauern.

Die 129 Namen sollen auf einer geheimen Liste der Sicherheitsbehörden stehen, die dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags jetzt zugegangen sei. Gegen knapp ein Dutzend weiterer Beschuldigter wird noch ermittelt. Hinzu kämen zahlreiche Helfer und Helfershelfer, die direkt oder indirekt Kontakt mit den mutmaßlichen Terroristen hatten, denen sie unter anderem Geld, falsche Papiere oder Waffen beschaffen sollten, schreibt die Zeitung.

Stellt der U-Ausschuss seine Arbeit im Mai ein?

Unklar ist weiterhin, welche V-Leute der Sicherheitsbehörden zum Umfeld des Terrortrios gehörten. Der NSU-Ausschuss hat deshalb beschlossen, dass die Bundes- sowie die 16 Landesregierungen die neue Namensliste auf bisher unentdeckte V-Leute überprüfen sollen. Das bestätigte der Ausschussvorsitzende Sebastian Edathy (SPD): "Die neue Zahl ist erschreckend hoch. Jetzt muss schnell geklärt werden, ob es darunter Mitwisser der NSU-Verbrechen und weitere V-Leute gab."

"Ich begrüße, dass das Umfeld erweitert wurde und nun versucht wird herauszufinden, wie groß das Unterstützernetzwerk tatsächlich war", sagte die SPD-Obfrau im Untersuchungsausschuss, Eva Högl.

Die FDP fordert derweil die Fortsetzung des Gremiums nach der Bundestagswahl. "Dass der Deutsche Bundestag bei dem Thema einfach seine Arbeit einstellt, sehen wir nicht ein", erklärte Liberalen-Obmann Hartfrid Wolff in der 'Saarbrücker Zeitung': Im Mai findet eigentlich die letzte Sitzung statt. Laut Wolff hat das eine Jahr aber nicht ausgereicht, um ein vernünftiges Gesamtbild über den NSU, das Umfeld und den Rechtsextremismus zu bekommen.