Zweiter Tag mit Warnstufe 1: Corona-Zahlen steigen weiter

Ein Abstrich wird in einem Labor auf das Coronavirus untersucht. Foto: Oliver Berg/dpa/Symbolbild
Ein Abstrich wird in einem Labor auf das Coronavirus untersucht. Foto: Oliver Berg/dpa/Symbolbild
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25. November 2021 - 17:21 Uhr

Hannover (dpa/lni) - Das Corona-Infektionsgeschehen wird in Niedersachsen immer angespannter. Der Sieben-Tage-Wert der Neuinfektionen stieg nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) am Donnerstag im Landesdurchschnitt von 184,0 auf 195,1 pro 100.000 Einwohner. Es kamen innerhalb eines Tages 3687 neue Ansteckungen und 15 Todesfälle hinzu. Im Nachbarland Bremen lag die Inzidenz am Donnerstag bei 190,4. Deutschland hat bereits einen Wert von 419,7.

Der sogenannte Hospitalisierungswert in Niedersachsen kletterte nach Landesangaben von 6,3 auf 6,6. Der Wert gibt an, wie viele Infizierte in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner neu ins Krankenhaus aufgenommen wurden. Auf den niedersächsischen Intensivstationen waren am Donnerstag 8,6 Prozent (Vortag: 8,0 Prozent) der maximal zur Verfügung stehenden Betten mit Covid-Erkrankten belegt.

In Niedersachsen greifen die Corona-Warnstufen, wenn der Hospitalisierungswert sowie mindestens einer der anderen beiden Indikatoren (Neuinfizierte, Intensivbettenbelegung) bestimmte Schwellen überschreiten. Seit Mittwoch gilt landesweit die Warnstufe 1 mit einer flächendeckenden 2G-Regelung. Diese bedeutet, dass Ungeimpfte, wenn sie die Krankheit nicht schon durchgemacht haben, von Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen sind. Bei einer weiteren Verschlechterung könnte bereits kommende Woche mit der Warnstufe 2 regional die 2G-plus-Regelung verhängt werden, die für Geimpfte und Genesene zusätzlich eine Testpflicht vorsieht.

Um die Zahl der Impfungen zu erhöhen, sollen in Niedersachsen noch mehr mobile Impfteams eingesetzt werden. Schnellstmöglich sollten es rund 250 sein, sagte die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs, Claudia Schröder, im Gesundheitsausschuss des Landtages. Ein mobiles Impfteam soll in Niedersachsen auf 40.000 Einwohner kommen. Damit seien es 224 mobile Impfteams, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums auf Anfrage. Bei Bedarf könnten Kommunen jedoch mehr Impfteams einsetzen. Seit knapp zwei Monaten liegt der Fokus bei den Corona-Schutzimpfungen noch stärker auf den mobilen Teams, weil die landesweiten Impfzentren geschlossen wurden.

Auch Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr helfen wieder im Gesundheitsbereich aus. Bislang leisteten etwas mehr als 50 Bundeswehrangehörige Amtshilfe, sagte eine Sprecherin des Landeskommandos in Hannover. Als Einsatzorte nannte sie die Landkreise Celle, Schaumburg, Uelzen und Friesland sowie die Städte Delmenhorst und Salzgitter. Die meisten Soldaten arbeiteten im Auftrag der Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Kontakten. Im Landkreis Stade helfe die Bundeswehr in einem Pflegeheim aus.

Mehr als 8000 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren haben in Niedersachsen bislang nach Angaben des Krisenstabs eine Corona-Auffrischungsimpfung erhalten. Wer jünger als zwölf Jahre ist, kann sich bislang nur in Ausnahmefällen gegen das Coronavirus impfen lassen.

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte am Donnerstag jedoch grünes Licht für die Zulassung des Corona-Impfstoffes der Hersteller Pfizer/Biontech für Kinder ab fünf Jahre in Europa gegeben. Offiziell muss die EU-Kommission nun noch zustimmen, das aber gilt als Formsache. In Deutschland gibt nun noch die Ständige Impfkommission (Stiko) ein Gutachten ab. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) begrüßte die Zulassung des Corona-Impfstoffes für Kinder unter zwölf Jahren. Das sei die Chance, Schulen vor dem Coronavirus sicherer zu machen. Eltern und Kinder bekämen dadurch mehr Sicherheit in ihrem Alltag, sagte Weil.

Die Zulassung des ersten Corona-Impfstoffs für Fünf- bis Elfjährige in Europa ist nach Einschätzung des Kinderärzte-Verbands vor allem für chronisch kranke Kinder wichtig. "Insbesondere diese Kinder und ihre Eltern haben dringend auf die Zulassung gewartet, da sich die Familien teilweise komplett sozial isoliert haben, um ihre Kinder zu schützen. Eine Impfung bedeutet hier eine große Erleichterung", erläuterte die Göttinger Kinderärztin Tanja Brunnert, die in Niedersachsen für den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) spricht, am Donnerstag.

Sie hob insbesondere neurologisch erkrankte Kinder und Kinder mit einer Trisomie hervor. Grundsätzlich sei es aber sinnvoll, die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) abzuwarten, da die Fünf- bis Elfjährigen von komplizierten Corona-Verläufen kaum betroffen seien.

Unterdessen spüren auch viele Krematorien wieder einen Anstieg der Zahlen von an oder mit Corona gestorbenen Menschen. Derzeit seien 3,4 Prozent der gestorbenen Menschen, die eingeäschert worden seien, mit Corona infiziert gewesen, sagte Thies Heinrich, Betriebsleiter bei dem Krematorienverbund "Die Feuerbestattungen", der unter anderem auch sieben Krematorien in Niedersachsen betreibt. In diesem Jahr sei bislang der höchste Anteil von Corona-Kranken im Januar verzeichnet worden - damals waren 18 Prozent der Eingeäscherten mit dem Virus infiziert. Der Tiefststand war im Juli mit einem Anteil von 0,18 Prozent.

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Quelle: DPA