Ampelsystem, Fieberambulanzen, Grippeimpfung

Zweiter Lockdown in Sicht? Star-Virologen fordern "pragmatische Lösungen"

24. September 2020 - 20:42 Uhr

Virologen, Politiker, Bürger – alle diskutieren darüber, ob er denn nun wirklich kommt: der zweite Lockdown. Mit den steigenden Infektionszahlen, unter anderem durch Reiserückkehrer, stellen sich viele die Frage, ob Kneipen, Bars und Restaurants bald wieder schließen und Arbeitnehmer um ihre Jobs bangen müssen. Wissenschaftler sind sich größtenteils einig: Wir müssen in der kommenden Herbstsaison etwas verändern. Wie sich ein möglicher zweiter Lockdown auf unsere Psyche auswirken kann und wie wir den besser überstehen, erklärt ein Psychologe im Video.

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Vor der Pandemie im Herbst sehen die Virologen Handlungsbedarf

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité hatte in einem Interview gesagt: "Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen. Auch bei uns. [...] Wir müssen, um die Situation in den kommenden Monaten zu beherrschen, Dinge ändern."

Auch der Bonner Virologe Prof. Dr. Hendrik Streeck geht davon aus, dass die Infektionszahlen steigen werden, unter anderem, weil mehr getestet werde. "Ich habe auch damals schon viele pragmatische Lösungen vorgeschlagen, die wir ergreifen müssen, damit wir besser durch die Pandemie im Herbst kommen. Darum hat es mich gefreut, dass Christian Drosten jetzt auch gesehen hat, dass die Infektionszahlen steigen werden und auch sagt, dass wir pragmatische Lösungen brauchen."

Diese Lösungen schlägt Streeck vor

1.) Prof. Dr. Streeck plädiert für ein Ampelsystem, das es schon in Belgien und Österreich gibt. Es sieht vor, mit den Farben rot, gelb und grün regionale Unterschiede des Infektionsgeschehens darzustellen. Dabei sollte laut Streeck das Verhältnis zwischen Infektionszahlen, Tests und stationärer Belegung einbezogen werden. "Es würde widerspiegeln, dass wir trotz der ansteigenden Infektionszahlen im Moment, trotzdem im grünen Bereich sind. [...] Daher ist es wichtiger, dass wir alle Faktoren miteinbeziehen und nicht nur einige", so der Virologe.

2.) Spezielle Fieberambulanzen sollen helfen, die Praxen in der Herbst- und Wintersaison zu entlasten. Auch dafür wirbt der Bonner Virologe: "Die Maßnahme zielt darauf ab, die Praxen und Kliniken zu entlasten, damit nicht jeder mit Husten und Fieber zum Beispiel direkt zum Hausarzt geht, sondern dort gezielt erst einmal geschaut wird, ob eine Covid-19-Erkrankung vorliegt."

3.) Außerdem appelliert der Wissenschaftler an die Bürger: Eine Grippeimpfung könne eine Grippewelle während der Pandemie eindämmen. Er betont: "Dadurch, dass man die Grippeimpfung bekommt, schützt man sich und andere. Damit sich die Grippe nicht verbreiten kann." So kann jeder Einzelne Verantwortung übernehmen. Und es ist auch das, was der Virologe für eine gute Lösung befindet: Wir allen müssen achtsamer und uns unserer Verantwortung im Umgang mit dem Virus bewusst sein.