Zweiter Jahrestag in Japan: Ein Land zwischen Gedenken und Protest

04. November 2013 - 8:39 Uhr

Tausende noch immer auf der Flucht vor der Radioaktivität

Japan zwei Jahre nach dem Tsunami: Die Nation gedenkt der Opfer der Erdbeben-, Tsunami und Atomkatastrophe. Etwa 19.000 Menschen kamen im März 2011 Ums Leben. Viele werden bis heute vermisst. Auch die, die überlebt haben, kommen nicht zur Ruhe. Tausende sind nach dem Super-GAU von Fukushima auf der Flucht vor radioaktiver Strahlung.

Japan: Zwischen Gedenken und Protest
Japan zwei Jahre nach dem Tsunami: Die Nation gedenkt der Opfer der Erdbeben-, Tsunami und Atomkatastrophe und protestiert gegen die Atomkraft.
© dpa, Christopher Jue

Die schwer verwüstete Stadt Rikuzentakata im Nordosten des Landes erinnerte bereits am Sonntag an ihre mehr als 1.500 Bürger, die vom Tsunami in den Tod gerissen wurden. Die Bürger der evakuierten Stadt Okuma, wo es im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi in Folge von Erdbeben und Tsunami zu einem Super-GAU gekommen war, gedachten in Aizuwakamatsu der schwersten Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg.

Der Super-GAU in Fukushima wurde weltweit zum Sinnbild der Katastrophe. Bis heute leben 300.000 Menschen in Japan in Behelfsunterkünften.

Proteste gegen Atomkraft formieren sich

Die japanische Atomenergiebehörde gab derweil bekannt, dass sich die Strahlenbelastung in Gebieten innerhalb eines Radius von 80 Kilometern um die Atomruine zwischen April 2011 und November vergangenen Jahres fast halbiert habe. Die Strahlenbelastung reduziere sich schneller als anfangs erwartet, hieß es.

Die Zahl der künftigen Krebserkrankungen in Japan ist allerdings möglicherweise deutlich höher als erwartet. Das geht aus neuen Berechnungen der Mediziner-Organisation 'Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges' (IPPNW) hervor. Unter anderem die Auswirkungen auf Ungeborene, Babys und Kleinkinder seien bislang dramatisch unterschätzt worden, kritisierten die Ärzte.

Kritiker werfen dem japanischen Staat und den Medien weiterhin vor, die Folgen des GAUs bis zum heutigen Tag herunterspielen zu wollen.

In Japan zeichnet sich unter der Regierung des seit Dezember amtierenden Premiers Shinzo Abe jetzt eine Rückkehr zum Atomkurs ab. Dagegen regt sich immer mehr Protest. Tausende Japaner haben in Tokio für einen vollständigen Ausstieg aus der Atomkraft demonstriert. "Schützt unsere Kinder" und "Stoppt Atom" riefen die Menschen, als sie am Wirtschaftsministerium vorbeimarschierten.

Alle 50 Reaktoren des Landes wurden nach der Katastrophe stillgelegt, lediglich zwei später wieder in Betrieb genommen. Die neue Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe wird von der Liberaldemokratischen Partei getragen, die lange den Ausbau der Atomkraft vorantrieb. Umfragen zufolge sind 70 Prozent der Japaner grundsätzlich für einen Ausstieg aus der Atomkraft. Genauso viele unterstützen auch Abe. Der neue Regierungschef will jedoch all die Reaktoren wieder ans Netz gehen lassen, die neue Sicherheitsstandards erfüllen.