Höchstzahlen in Frankreich und England

Diese Länder in Europa kämpfen gegen die zweite Corona-Welle

Corona-Zahlen in Frankreich sind so hoch wie nie.
© dpa, Jean-Francois Badias, BC lop

29. September 2020 - 9:35 Uhr

Überblick über aktuelle Corona-Lage

Nicht nur Deutschland kämpft mit steigenden Zahlen – in einigen europäischen Ländern spitzt sich die Lage sogar noch schneller zu als hierzulande. Frankreich und Großbritannien meldeten am Donnerstag beide so viele Neuinfektionen wie noch nie. Nicht einmal zu Beginn der Corona-Pandemie waren die Zahlen dort nie so hoch wie derzeit. Auch Spanien kämpft: Madrid droht der Lockdown. Hier finden Sie einen Überblick über die aktuelle Corona-Lage in Europa.

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In diesen Ländern ist die Corona-Situation kritisch

Frankreich

​Das Coronavirus breitet sich in Frankreich weiter stark aus. Das Gesundheitsministerium registriert 16.096 Neuinfektionen binnen eines Tages – so viele wie noch nie. Erstmals seit Ende Juli steigt auch die Zahl der Menschen, die in Frankreich wegen einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus müssen, nach Angaben der Behörden wieder über 6000. Mehr als 1000 Patienten befänden sich zudem auf Intensivstationen, so viele wie seit Anfang Juni nicht mehr. "Das Aufkommen von Covid-19 im gesamten Land ist beunruhigend", warnte Regierungschef Jean Castex. Viele Regionen in Frankreich wurden deshalb auch vom Auswärtigen Amt zu Risikogebieten erklärt.

Gesundheitsminister Olivier Véran hatte am Donnerstag angekündigt, dass für Marseille und das Überseegebiet Guadeloupe die "maximale Alarmstufe" ausgerufen worden sei. Das bedeutet neben der Schließung von Bars und Restaurants auch, dass alle öffentlich zugänglichen Einrichtungen schließen müssen, sofern sie kein "strenges Gesundheitsprotokoll" haben. Theater und Kinos sind davon nicht betroffen. Die neuen strengen Maßnahmen der französischen Regierung im Kampf gegen Corona treffen in Marseille auf große Wut und Unverständnis.

24.09.2020, Frankreich, Marseille: Ärzte testen Patienten auf das Coronavirus in einem mobilen Testzentrum. Gesundheitsminister Veran hatte in einer Pressekonferenz angekündigt, dass für Marseille und das Überseegebiet Guadeloupe die «maximale Alarms
Strenge Maßnahmen in Marseille stoßen auf Unverständnis. Doch die Zahlen dort sind hoch.
© dpa, Daniel Cole, DC frd

Spanien

Spanien ist nicht nur für Touristen derzeit ein Corona-Hotspot.  Als erstes Land Westeuropas hat es die Marke von 700.000 registrierten Infektionen gebrochen. Das Gesundheitsministerium in Madrid meldete am Donnerstagabend 1.653 neue Ansteckungen.

Besonders angespannt bleibt die Lage in der Region um die Hauptstadt Madrid, die am Donnerstag 4350 Fälle (über 40 Prozent aller Neuinfektionen) verzeichnete. "Madrid hat eine schwere Wochen vor sich", sagte Gesundheitsminister Salvador Illa am Donnerstag vor Journalisten. Die konservative Regionalregierung will am Freitag neue Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie bekanntgeben – es könnte ein neuer lokaler Lockdown drohen.

Erst am Montag waren dort Absperrungen von zahlreichen vorwiegend einkommensschwachen Gebieten der Region in Kraft getreten. Dort dürfen die Menschen ihr Haus nur mit triftigen Gründen verlassen, etwa um zur Arbeit oder zum Arzt zu gehen oder Einkäufe zu tätigen.

Großbritannien

Mit 6.634 neuen registrierten Fällen von Corona-Infektionen hat Großbritannien den höchsten Stand innerhalb eines Tages seit Beginn der Pandemie erreicht. Das teilte die zuständige Regierungsbehörde am Donnerstag mit. Allerdings wurde im Frühjahr noch deutlich weniger getestet - das heißt, mehr Fälle blieben unentdeckt. 40 weitere Menschen starben an oder mit einer Coronavirus-Infektion. Mit mehr als 40.000 Toten ist das Vereinigte Königreich in absoluten Zahlen das am schwersten von der Pandemie getroffene Land in Europa.

Angesichts der stark steigenden Zahlen gelten auch wieder schärfere Schutzmaßnahmen: Pubs und Restaurants müssen in England um 22 Uhr schließen. Zudem wurde die Maskenpflicht auf Taxis und weitere Geschäfte ausgeweitet. Die Regierung forderte Arbeitnehmer auf, wenn möglich, wieder von zu Hause aus zu arbeiten.

Führende Gesundheitsexperten halten die Maßnahmen für nicht weitreichend genug. In Schottland und Nordirland gelten bereits schärfere Regeln - dort dürfen sich bis auf wenige Ausnahmen keine verschiedenen Haushalte mehr miteinander treffen.

People sit outside the White Lion pub in London, Tuesday, Sept. 22, 2020. British Prime Minister Boris Johnson has slammed the brakes on the country's return to offices, saying people should work from home if possible to help slow the spread of the c
Pubs in Großbritannien müssen um 22.00 Uhr schließen.
© AP, Frank Augstein, FA

Italien

Zu Beginn der Corona-Krise war Italien eins der am schlimmsten betroffenen Länder. Extrem hohe Todeszahlen, überlastete Krankenhäuser, man kam mit den Beerdigungen nicht mehr nach –verstörende Bilder aus der Lombardei gingen um die Welt. 

Dafür scheint die zweite Welle Italien nicht so hart zu treffen wie seine europäischen Nachbarn. Offenbar den Schock des heftigen Corona-Schlags im Frühjahr noch in den Knochen, halten sich die Italiener unaufgeregt an die Corona-Regeln der Regierung – so hat es auch RTL-Korrespondent Martin to Roxel vor Ort erlebt. Die Maßnahmen der Italiener sind vielfältig. Einkaufen im Modegeschäft, vorher erstmal Fieber messen. Erst dann darf man eintreten. Überall gibt es Einbahnstraßensysteme, in den meisten Geschäften funktioniert das tadellos. Und eine Maskenpflicht gibt es in Italien auch auf den Straßen. Ab 18 Uhr bis zum Morgen.

Wohl auch deshalb sind die Infektionszahlen in Italien weitgehend stabil. Die Zahlen steigen zwar auch dort – aber langsamer. Der Johns Hopkins University zufolge wurden zuletzt 1640 Neuinfektionen in Italien registriert.

22.09.2020, Italien, Rom: Giuseppe Conte (vorne, l), Ministerpräsident von Italien, trifft zahlreiche Bürger bei einem Spaziergang durch die Innenstadt. Foto: Mauro Scrobogna/LaPresse via ZUMA Press/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
In Italien halten sich die Leute an die Corona-Regeln - der Schock der ersten Welle sitzt ihnen in den Knochen.
© dpa, Mauro Scrobogna, zeus frd exa

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