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Virologe erklärt Corona-Lage in Europa

Deshalb kommt Deutschland besser weg als andere Länder

17. September 2020 - 10:20 Uhr

Corona-Rekordwerte in Frankreich

An der Côte d'Azur werden die Intensivbetten knapp – letzte Woche meldete Frankreich einen Rekord an täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Auch Spanien und Großbritannien scheinen von einer zweiten Infektionswelle erfasst zu werden, und in Italien gibt es so viele Neuinfektionen wie seit Monaten nicht mehr. Warum kommt Deutschland so vergleichsweise glimpflich davon, während die Corona-Zahlen in vielen Ländern Europas steigen? Im Video erklärt Virologe Prof. Dr. Helmut Fickenscher, dass auch die zunehmende Sorglosigkeit in vielen Ländern dem Virus die Bahn wieder freimacht.

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Zahl der Corona-Tests hat stark zugenommen

In Deutschland (rund 83 Millionen Einwohner) pendelt sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen im Sieben-Tage-Schnitt bei 1.200 ein. Ein Bruchteil des Werts, mit dem vor allem unser Nachbarland Frankreich zu kämpfen hat. Für die Beurteilung spielen mehrere Faktoren eine Rolle, etwa die Altersverteilung und Familiengrößen in den jeweiligen Ländern. Und vor allem die Tatsache, dass die Zahl der Corona-Tests enorm zugenommen hat.

In Frankreich stecken sich vor allem junge Erwachsene an

Derzeit kommen in Frankreich (rund 67 Millionen Einwohner) täglich etwa 6.000 Neuinfektionen hinzu – die 8.975 Neuinfektionen vom Freitag (4. September) sind der höchste Wert seit Beginn der Pandemie. Das bisherige Maximum stammte von Ende März mit rund 7.500 neu erfassten Fällen innerhalb eines Tages. Allerdings ist auch die Zahl der Tests immens gestiegen: Wurden Ende Mai binnen einer Woche noch weniger als 40.000 Menschen getestet, waren es in der Woche vom 24. bis 30. August mehr als 850.000. Die Rate positiver Tests lag zuletzt bei gut vier Prozent.

Wie in anderen Ländern Europas stecken sich derzeit auch in Frankreich verstärkt junge Erwachsene mit dem Coronavirus an, nach Behördenangaben hauptsächlich bei Feiern und Urlaubsreisen. Daher ist die Zahl der im Krankenhaus behandelten Patienten vergleichsweise gering: Stand 6. September waren 4.907 Menschen wegen Covid-19 im Krankenhaus, davon 537 auf einer Intensivstation. Als Risikogebiete gelten momentan vor allem der Großraum Île-de-France mit der Hauptstadt Paris und die Region Côte d'Azur.

Tourismusbranche ächzt unter Reisewarnung für Spanien

In Spanien (knapp 47 Millionen Einwohner) bereitet vor allem die Situation in der Region Madrid Sorgen. Seit Ende Juni steigt die Zahl der landesweiten Neuinfektionen wieder an, Anfang des Monats wurden mehr als 4.500 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Das bisherige Maximum lag bei 9.222 Fällen am 31. März. Spanien macht zurzeit nach Angaben des Gesundheitsministeriums knapp 50.000 PCR-Tests pro Tag, Ende März waren es etwa 200.000 pro Woche.

Das Auswärtige Amt reagierte auf die steigenden Zahlen mit einer Reisewarnung. Während sich diese zunächst auf einzelne Regionen des Landes beschränkte, gilt sie inzwischen für ganz Spanien. Der Tourismussektor leidet immens darunter.

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Italien: Corona-Infizierte sind im Schnitt 32 Jahre

In Italien (gut 60 Millionen Einwohner) spielen laut Gesundheitsministerium Einschleppungen aus dem Ausland, Freizeitaktivitäten und die gestiegene Mobilität vor allem jüngerer Menschen die Hauptrolle bei der Virusverbreitung. Zuletzt wurden im Mittel wieder rund 1.300 Neuinfektionen täglich gemeldet. Der bislang höchste Wert lag bei 6.557 registrierten Fällen am 21. März. Auch hier stieg die Zahl der Tests stark: von rund 195 600 in der Woche vom 23. bis 29. März auf inzwischen etwa 633.000 (31. August bis 6. September). Rund 1,5 Prozent fallen derzeit positiv aus – zum Zeitpunkt des Maximums im Frühjahr waren es fast 20 Prozent.

Das Durchschnittsalter der erfassten Infizierten lag in Italien zuletzt bei 32 Jahren (24. bis 30. August). Am 24. März hatte es bei 63 Jahren gelegen. Stand 6. September wurden lediglich 1.719 Infizierte im Krankenhaus behandelt, 142 auf der Intensivstation. Im März (Stichtag 21. März) lagen 17.708 Menschen mit Corona-Symptomen im Krankenhaus – fast die Hälfte der bekannten Infizierten zum damaligen Zeitpunkt. 2.857 wurden auf der Intensivstation behandelt.

Corona-Ausbrüche bei illegalen Partys in Großbritannien

Die Zahl der Corona-Infektionen ist in Großbritannien wieder deutlich gestiegen. In den vergangenen Tagen gab es jeweils fast 3.000 bestätigte Neuinfektionen pro Tag, wie aus den offiziellen Zahlen der Regierung von Dienstag hervorgeht. Das ist der höchste Stand seit Ende Mai. Derzeit stecken sich vor allem junge Menschen mit dem Virus an. Das erklärt auch den bislang niedrigen Anstieg der Todesfälle, da Covid-19 bei Jüngeren oft glimpflicher verläuft.

Zuletzt hatte die Regierung die steigende Zahl der Infektionen häufig mit der hohen Anzahl an Tests erklärt, die mittlerweile durchgeführt werden. Zuletzt waren es mehr als 175.000 pro Tag. So können mehr Infektionen tatsächlich als solche erkannt werden als noch im Frühjahr. Allerdings gab es zuletzt auch immer wieder Corona-Ausbrüche, etwa bei illegalen Partys, Fußballspielen oder in einer Schule.

Auf die vergangenen sieben Tage gerechnet hat die Zahl der Fälle in Großbritannien die kritische Schwelle von 20 Fällen pro 100.000 Einwohner überstiegen. Für Einreisende aus Regionen mit einer höheren Infektionsrate verhängt die britische Regierung eine zweiwöchige Quarantäne.

Ist der "schwedische Weg" am Ende doch der beste?

Auf dem richtigen Kurs hingegen sieht sich Schweden: Zu Beginn der Pandemie für die vermeintlich zu laschen Maßnahmen kritisiert, ist die Quote der Positiv-Tests auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch des Virus gefallen. In der vergangenen Woche wurden die Tests nach offiziellen Angaben auf den Rekordwert von mehr als 120.000 hochgefahren. Nur 1,3 Prozent fielen positiv aus. Im Frühjahr hatte das Niveau noch über Wochen um die 19 Prozent gelegen. Nach Ansicht mancher Experten zahlt sich nun die heimische Strategie aus, durch die sich die Ansteckungsrisiken mittlerweile verringert hätten.

Die Regierung hat in der Corona-Krise auf einen Lockdown verzichtet und setzt stattdessen auf die Eigenverantwortung der Bürger sowie auf Abstandsregeln und ein gutes Hygieneverhalten. Die Idee dahinter ist, sich auf eine Verlangsamung der Virusausbreitung zu konzentrieren, da sich der Krankheitserreger ohnehin nicht ausrotten lasse.

In Schweden sind bislang mehr als 5.800 Menschen gestorben, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Die Pro-Kopf-Totenzahl liegt damit deutlich höher als in anderen nordeuropäischen Ländern. Sie ist zugleich aber niedriger als in Italien, Spanien und Großbritannien, wo es Lockdowns gab. Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben das schwedische Modell als nachhaltig gelobt.

TVNOW-Dokus: Corona und die Folgen

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