Erster bestätigter Fall in Deutschland

73-Jähriger stirbt nach zweiter Corona-Infektion

22. Januar 2021 - 10:14 Uhr

Todesfall nach Reinfektion

In Baden-Württemberg ist ein registrierter Corona-Patient nach einer zweiten Infektion mit dem Virus gestorben. Es ist der erste derartige Fall im Südwesten, der bekannt geworden ist, und womöglich auch in Deutschland. Wie es zu dem seltenen Todesfall durch eine Corona-Reinfektion kommen konnte

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Kein Hinweis auf Mutation

Es handele sich um einen Mann aus dem Landkreis Freudenstadt, teilte das Landesgesundheitsamt in Stuttgart mit. Im April 2020 sei erstmals eine Corona-Infektion bei ihm nachgewiesen worden. Ende Dezember 2020 habe sich der Mann erneut angesteckt, was Anfang Januar festgestellt worden sei. "Der Patient verstarb im weiteren Verlauf an einer Covid-19-Pneumonie (Lungenentzündung) und Sepsis mit Multiorganversagen."

Wie der Verbund weiter schreibt, handelt es sich um einen 73 Jahre alten Mann. Stefan Brockmann, der am Landesgesundheitsamt das Referat Gesundheitsschutz und Epidemiologie leitet, sagte der dpa, es sei der erste bekannte Todesfall nach einer zweiten Infektion im Südwesten. "Es gibt keinen Hinweis darauf, dass er eine der neuen Virusvarianten hatte", erklärte Brockmann. Der Landkreis Freudenstadt war der erste Landkreis in Deutschland, in dem die in Großbritannien entdeckte Virusmutation aufgetaucht war.

Keine starke Immunität wegen Vorerkrankungen?

Der Mann habe Vorerkrankungen gehabt, sagte Brockmann. Es sei daher wahrscheinlich, dass er bei der ersten Infektion keine starke Immunität ausgebildet habe. Die Chance, dass sich ein Mensch ein zweites Mal mit dem Coronavirus ansteckt, sei bisher sehr gering. Es gebe vereinzelte Fälle, bei denen die Patienten beim ersten Mal nicht genügend Antikörper ausgebildet hätten.

"Sogenannte Reinfektionen, also Wiederinfektionen nach sehr kurzer Zeit - also in unter einem Jahr - sind in der Weltliteratur schon beschrieben, aber sehr, sehr vereinzelt", bestätigt uns auch uns RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht. "Es gibt aber auch bestimmte Viruserkrankungen, da ist tatsächlich die zweite Infektion schlimmer als die erste." Das sei etwa beim Dengue-Fieber der Fall, könne aber auch in seltenen Fällen bei einer Corona-Erkrankung vorkommen. Häufiger handle es sich bei Reinfektionen aber um Patienten mit Immunschwäche, so Dr. Specht. Denn normalerweise baue unser Immunsystem nach der ersten Infektion eine Abwehr auf, so dass eine zweite Infektion entweder gar nicht stattfinden könne oder deutlich milder ablaufe, erklärt uns der Mediziner.

"Der Mann hatte bereits verschiedene Vorerkrankungen und ist letztendlich an einer Sepsis verstorben", so Dr. Specht. "Was das meint ist, dass Erreger - also Bakterien oder Viren - aus dem Organ, wo sie die Infektion hervorrufen, in den Blutkreislauf gelangen." Wenn das passiere, erkrankten Menschen oft innerhalb weniger Stunden sehr schwer. "Deswegen ist es so wichtig, eine Sepsis sehr schnell zu diagnostizieren."

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Weltweit erst dritter Todesfall seit Corona-Reinfektion

Nach dem Bericht von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" dürfte dies weltweit erst der dritte bekannt gewordene Todesfall nach einer Corona-Reinfektion sein. Im Oktober war eine 89-jährige Niederländerin verstorben, die allerdings immungeschwächt war. Im Dezember berichtete eine israelische Zeitung, dass dort ein 74-jähriger Bewohner eines Altenheims nach durchgestandener Erstinfektion im August sich erneut infizierte und verstarb, obwohl er zwischendurch dreimal negativ getestet worden sei.

Über Patienten mit einer zweiten Infektion gibt es noch relativ wenige Informationen. Das Robert Koch-Institut (RKI) teilte auf Anfrage des Rechercheverbunds mit, dass Reinfektionen seit einiger Zeit bei der Meldung ans RKI übermittelt werden können und dass derzeit eine Reihe dieser Meldungen überprüft werde.

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Quelle: DPA/RTL.de