Zweite Chance für alte Rostlauben – Flüchtlinge rüsten Fahrräder auf

18. September 2015 - 12:22 Uhr

Von Michelle Janetschek und Lukas Pöggeler

In der Werkstatt des Ökobaus Köln wird geschraubt und gebastelt. Flüchtlinge rüsten hier alte Radleichen auf, die die Stadt Köln eingesammelt hat. Sobald die Flüchtlinge die Räder repariert und wieder fahrtauglich gemacht haben, dürfen sie sie mitnehmen. Für sich selbst – oder für Familie und Freunde.

In der Werkstatt des Ökobaus in Köln rüsten Flüchtlinge Fahrräder auf
Die Flüchtlinge werden bei der Arbeit unterstützt und angeleitet. Rund 15 Personen können gleichzeitig in der Werkstatt arbeiten.

Thomas Bischofs ist der stellvertretende Geschäftsführer des Ökobaus. Sein Ziel ist es, Flüchtlinge in die Gesellschaft einzubinden, ihnen Arbeit zu geben und sie zu beschäftigen. "Es kommen immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland und ich finde, sie sind ein Teil der Gesellschaft. Also sollten wir sie auch so behandeln." Deshalb startete er zusammen mit dem Roten Kreuz das Pilotprojekt. "Die Flüchtlinge können eigentlich gar nicht an der Gesellschaft teilnehmen, weil sie hier zum Beispiel nicht arbeiten dürfen", erklärt er. "Wir wollen ihnen eine Möglichkeit geben, sich selbst etwas zu erschaffen."

Das Projekt ist erfolgreich und bei den Flüchtlingen sehr beliebt. "Der Andrang ist sehr groß. Meistens können wir gar nicht alle mitnehmen, die sich gerne ein Rad bauen möchten", erklärt die Rote Kreuz Heimleiterin Juana Rooijakkers. Etwa 15 Personen können in der Werkstatt gleichzeitig arbeiten – da wird der Platz schnell knapp.

"Die Flüchtlinge haben Spaß – und wir auch"

Einmal in der Woche kommt nun eine kleine Gruppe zur Werkstatt. Nach zwei oder drei Nachmittagen sind sie dann meist schon stolze Besitzer eines selbst reparierten Fahrrads. "Der Reiz liegt für die Flüchtlinge auch darin, einfach rauszukommen und in einer schönen Umgebung zu arbeiten", so Rooijakkers.

Damit das Radaufbereiten funktioniert, werden die Flüchtlinge in der Werkstatt von Bischofs Mitarbeitern unterstützt und angeleitet. Und trotz unterschiedlicher Herkunft und fremden Sprachen klappt die Zusammenarbeit. "Die Flüchtlinge übersetzen auch für sich gegenseitig und zur Not wird hier mit Hand und Fuß kommuniziert. Das klappt mit viel gutem Willen, Spaß und Geduld", erklärt Bischofs. Das bestätigt auch Werkstattmitarbeiter Manfred Schiefer: "Die Zusammenarbeit mit den Jungs hier macht einfach Spaß. Die haben Freude und wir auch."

Bischofs möchte das Projekt ausbauen und noch mehr Flüchtlingen eine Arbeitsmöglichkeit bieten. "Hier können sie etwas Sinnvolles tun und erarbeiten sich sozusagen ihr eigenes Verkehrsmittel. Damit sind sie unabhängiger und können die Stadt selbstständig und kostenlos erkunden."