Zwei Tote und mehrere Verletzte durch Unwetter

23. Juni 2011 - 19:34 Uhr

Windhose tobt durch Frankenau

Zwei Tote, mehrere Verletzte und schwere Schäden durch Orkanböen, Hagel und Starkregen. Das ist die Bilanz der dunklen Unwetterfront, die am Mittwochabend und in der Nacht durch Deutschland gefegt ist. In Berlin hat die Feuerwehr wegen der heftigen Niederschläge zeitweise sogar den Ausnahmezustand ausgerufen. Besonders schlimm war es auch in Bayern, Hessen und Ostdeutschland. Dort fielen durch den Sturm sogar Strom und Zugverkehr aus.

Eine 57 Jahre alte Frau ertrank im Bodensee bei Radolfzell, als ihr Kanu kenterte, teilte das Lagezentrum des Innenministeriums in Stuttgart mit. Eine 77-Jährige wurde in Konstanz von einem eingestürzten Erdbeerstand begraben. Sie starb später im Krankenhaus. In Heidenheim durchschlug ein Ast die Heckscheibe eines Autos, ein fünfjähriges Mädchen wurde schwer verletzt.

Die Einwohner von Frankenau in Hessen traf es besonders schlimm: Eine Windhose tobte durch den kleinen Ort und richtete großen Schaden an. Nach Angaben von Polizei und Feuerwehr deckte das Wetter-Phänomen 15 bis 20 Hausdächer teilweise komplett ab. Insgesamt nahmen mindestens 37 Gebäude Schaden.

Besonders schlimm wütete der Sturm offenbar im Zentrum des Ortes. Wie die Polizei mitteilte, zog die Windhose am Mittwochnachmittag mit unvorstellbarer Kraft in nordöstlicher Richtung quer durch das Dorf. Bäume knickten um und flogen durch die Luft, sogar ein Bauwagen soll mehrere Meter weit weggetragen worden sein. Dachziegel verwandelten sich wegen der heftigen Windböen in Geschosse. Bei den Aufräumarbeiten wurde eine Frau von einem herabfallenden Ziegel getroffen und am Kopf verletzt. Das Technische Hilfswerk war mit schwerem Räumgerät im Einsatz. Die Polizei schätzt den entstandenen Schaden auf mehrere hunderttausend Euro, genaue Angaben waren noch nicht möglich.

Gewitter behindert Flugverkehr über Frankfurt

Am Frankfurter Flughafen sorgte ein kräftiges Gewitter kurzzeitig für Verzögerungen im Flugverkehr. "Aus Sicherheitsgründen mussten wir Kapazitätseinschränkungen vornehmen und konnten nicht wie geplant starten und landen", sagte Flughafensprecher Thomas Uber.

Vor allem im Süden und Osten Deutschlands richteten Unwetter schwere Schäden an. In Oberbayern erlitt ein Mann schwere Verletzungen, als ein Baum auf sein Gartenhäuschen fiel. In Baden-Württemberg wurde eine Frau von einem Silo getroffen, das sich im Sturm gelöst hatte. Sie zog sich schwere Verletzungen zu. Eine Frau in Emmendingen, auf deren Auto ein Baum stürzte, musste aus dem Wagen befreit werden. Sie blieb unverletzt.

Vor allem in Bayern und Thüringen wurden etliche Dächer abgedeckt, Bäume stürzten auf Straßen, Gleise und Häuser. Mehrfach wurden Passanten von herumfliegenden Trümmern oder herabstürzenden Ästen getroffen.

Bahnstrecken und Straßen mussten zeitweise gesperrt werden, weil sie von Bäumen blockiert wurden. Auf der Strecke Berlin-Dresden wurde nach Angaben eines Sprechers die Oberleitung beschädigt. In Berlin rückte die Feuerwehr binnen einer guten Stunde zu mehr als 130 Einsätzen aus, in den meisten Fällen waren Bäume umgeknickt oder Keller vollgelaufen. Wie auch in anderen Regionen Deutschlands war das Unwetter sehr heftig, zog aber rasch wieder ab.

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg ist es nach dem schweren Unwetter zu Stromausfällen gekommen. Rund 1.500 Kunden hatten keinen Strom, wie ein Sprecher der Envia Mitteldeutsche Energie AG in Chemnitz mitteilte. Blitzeinschläge, umgestürzte Bäume und herabfallende Äste hatten Strommasten und -leitungen beschädigt.