Petition an Politik und Pharmaindustrie

Zwei Studentinnen fordern: Verhütung soll besser werden - für Frau UND Mann!

Vor allem junge Menschen haben im Pandemie-Lockdown viel Zeit für die schönste Nebensache der Welt - und sei es nur theoretisch.
© dpa, Christophe Gateau, cgt fgj wok gfh

14. Januar 2021 - 13:09 Uhr

Im Lockdown haben manche viel Zeit für andere Themen

Auf den ersten Blick sieht dieses Thema aus wie aus der Corona-Zeit gefallen. Aber auf den zweiten Blick betrachtet: Viele vor allem junge Menschen haben im Pandemie-Lockdown viel Zeit für die schönste Nebensache der Welt - und sei es nur theoretisch. Wie zum Beispiel soll die Verhütung von morgen aussehen? Zwei junge Frauen fordern jetzt in einer Petition an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und die Pharmaindustrie: Verbessert die Methoden - für alle!

Sorgenfreier Sex ist eine Errungenschaft

Mal ehrlich: Eine der größten Errungenschaften der Menschheit ist doch, dass wir Sex haben können, ohne uns Sorgen machen zu müssen. Sorgen um einen unerwünschten oder noch nicht erwünschten Haupteffekt, zumindest beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr: die Entstehung eines neuen menschlichen Lebens. Spätestens seit der Erfindung der Anti-Baby-Pille liegt die Verantwortung dafür in den allermeisten Fällen alleine bei der Frau. Die Studentinnen Jana Pfenning und Rita Maglio fordern deswegen in ihrer Petition mehr Solidarität. Sie fragen: "Wäre es nicht an der Zeit für nebenwirkungsfreie Verhütungsmethoden für Männer und Frauen?"

Viele Möglichkeiten für die Frau - eigentlich nur zwei für den Mann

Pille oder Konmdom?
Pille oder Konmdom: Was nehmen wir denn da mal?
© Getty Images/iStockphoto, Voyagerix

Auf der weiblichen Seite gibt es Hormonspirale, Kondom für die Frau, Diaphragma, (Mini-)Pille, Hormonimplantat, Dreimonatsspritze, Spirale - Optionen sind immer gut, denn Menschen sind unterschiedlich. Auf der männlichen Seite haben wir: Kondome und Sterilisation - will der Mann verhüten, hat er nicht viel Auswahl. Methoden wurden zwar entwickelt, aber nicht zu Ende erforscht. Der Grund: Männer sind nicht gewillt, unangenehme Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen. Von Frauen wird das wie selbstverständlich verlangt, als hätten die Männer nichts mit schwanger werden zu tun. Doch die Zeiten ändern sich: Mehr Männer wollen Verantwortung nehmen - aber ohne Kondom, wenn es geht.

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Verhütungsmittel haben sich seit 1960 kaum verbessert

An dieser Stelle setzt eine der sieben Forderungen der beiden jungen Frauen an: "Verhütungsgel, Hormonspritze, Samenleiterventil... an männlicher Verhütung wurde viel geforscht, dennoch hat es bisher kein Produkt auf den breiten Markt geschafft", sagen sie. Und fordern deswegen eine größere Vielfalt an Verhütungsmethoden auch für den Mann. Aber es geht Jana Pfenning und Rita Maglio nicht darum, den Spieß einfach nur umzudrehen. Sie fordern genauso, dass die Verhütungsmethoden für die Frau optimiert werden. Sie stellen fest: "Verhütungsmittel haben sich seit 1960 kaum verbessert." Politik und Pharmaindustrie solle daher insgesamt mehr Geld in die Entwicklung investieren.

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Kosten für die Verhütung sollen die Kassen übernehmen

Krankenkassen übernehmen die Kosten nur bis zum 21. Lebensjahr. Danach sind die Kosten selbst zu tragen – also meist durch Frauen. Deswegen sagen sie auch: "Wir wollen, dass alle Verhütungsmittel kostenfrei zugänglich sind."

Berufung auf Ziele der Vereinten Nationen

Um einen "Systemwandel einzuleiten" und mehr Gleichberechtigung in Sachen Verhütung herbeizuführen, braucht es in ihren Augen aber noch mehr: Es müsse eine bessere Aufklärung über Methoden und Nebenwirkungen geben, gerade bei jungen Menschen. Für ihre Forderungen berufen sich die beiden jungen Frauen auf die "Ziele für nachhaltige Entwicklung", wie sie von den Vereinten Nationen verabschiedet wurden und am 1. Januar 2016 in Kraft getreten sind. Unter Punkt 3.7 heißt es dort: "Bis 2030 soll der allgemeine Zugang zu sexual- und reproduktionsmedizinischer Versorgung, einschließlich Familienplanung, Information und Aufklärung, und die Einbeziehung der reproduktiven Gesundheit in nationale Strategien und Programme gewährleistet werden."

GUT ZU WISSEN: Vaginaler Orgasmus? Kann man lernen!

Momentan verbringen wir mehr Zeit im Privaten – mehr Zeit mit unserer besseren Hälfte und mehr Zeit mit uns selbst. Mehr Zeit für Zärtlichkeit, mehr Zeit für Sex, aber auch mehr Zeit, um uns Gedanken darüberzumachen, was uns wirklich glücklich macht im Bett. Denn nicht alle Frauen kommen so zum Höhepunkt, wie sie es sich wünschen würden. Schicksal? Nein, im Gegenteil. "Orgasmus kann man lernen", meint Dania Schiftan, Autorin des Buches "Coming Soon – Orgasmus ist Übungssache"!