Zwei medizinische Notfälle an einem Tag

Sind die Arbeitsbedingungen im Bundestag zu hart?

© dpa, Soeren Stache, soe

7. November 2019 - 21:58 Uhr

Zwei Abgeordnete erleiden Schwächeanfall im Bundestag

Innerhalb eines Tages gab es im Bundestag zwei medizinische Notfälle. Erst musste der nordrhein-westfälische CDU-Abgeordnete Matthias Hauer seine Rede wegen gesundheitlicher Probleme abbrechen. Am Abend wurde während einer Abstimmung plötzlich nach einem Arzt gerufen. Auch eine Parlamentarierin der Linken brach nach einem Schwächeanfall zusammen. Die Linken-Abgeordnete Anke Domscheit-Berg kritisierte die Arbeitsbedingungen im Bundestag als "unmenschlich". Die Parlamentarier dürften während der Sitzungen nicht einmal Wasser trinken, twitterte sie.

Abgeordnete leiden unter Schlafmangel und dürfen während der Sitzungen nichts trinken

"Dehydrierung ist ungesund", schrieb sie, und behindere das Denken und die Konzentration der Abgeordneten. Sie kritisierte außerdem die viel zu langen Arbeitstage. Während der Sitzungswochen sehe sie ihre Familie gar nicht, habe keine Zeit Sport zu treiben, obwohl ihr Arzt das empfehle und komme vor lauter Termine kaum dazu, sich ausreichend Ruhe zu gönnen. "Ich kenne kaum Bundestagskollegen ohne chronischen Schlafmangel", erklärte Domscheit-Berg. Sie forderte, dass sich strukturell etwas ändern müsse. "Wenn man gute Politik haben möchte, muss man auch gute Arbeitsbedingungen dafür schaffen."

Der CDU-Abgeordnete Hauer war gegen Ende seiner Rede ins Stocken geratenund rang nach Worten. Mitarbeiter und Abgeordnete eilten zu Hilfe und forderten ihn auf, sich hinzulegen. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) unterbrach die Sitzung. Beobachter auf der Besuchertribüne und Abgeordnete verließen den Saal.

Macht der politische Streit die Abgeordneten krank?

Nur Stunden später dann der nächste Zwischenfall: "Bei einer namentlichen Abstimmung vor ein paar Minuten erlitt eine Abgeordnete meiner Fraktion einen Schwächeanfall", twitterte Domscheit-Berg. Die Frau sei nach wenigen Minuten wieder zu sich gekommen. Wolfgang Kubicki (FDP) der zu diesem Zeitpunkt die Sitzung leitete, unterbrach die Parlamentssitzung augenblicklich. Die Besuchertribüne wurde erneut geräumt. Beide Abgeordnete sind inzwischen auf dem Weg der Besserung.

Der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) warb wenig später am Rednerpult dafür, Konsequenzen aus den Vorfällen zu ziehen. "Vielleicht sollten wir mal ein bisschen darüber nachdenken, wie wir manchmal miteinander umgehen", sagte de Maizière. "Und vielleicht wird auch manche Häme gegenüber Politikern angesichts dessen, was heute passiert ist, auch etwas demütiger."