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Zwei Jahre nach dem Alptraum von Oslo und Utoya: Norwegen gedenkt der 77 Opfer

Zwei Jahre nach dem Alptraum von Oslo und Utoya: Norwegen gedenkt der 77 Opfer

Wunden noch lange nicht verheilt

Norwegen vor zwei Jahren: Das beschauliche Land dümpelt im Juli wie immer um diese Zeit mit lau klingenden Neuigkeiten vor sich hin, während die Menschen Ferien machen. So war es auch am 22. Juli 2011, bis um 15.22 Uhr eine Explosion im Zentrum von Oslo einen Alptraum mit acht Toten in Gang setzte, den dort niemand für möglich gehalten hatte.

Das Osloer Regierungsviertel nach dem Breivik-Attentat
Bei dem Breivik-Attentat wurden im Osloer Regierungsviertel acht Menschen getötet und neun Gebäude beschädigt.
dpa, Thomas Winje Oeijord

Ministerpräsident Jens Stoltenberg legte im Osloer Regierungsviertel einen Kranz vor dem Gebäude nieder, vor dem der Attentäter Anders Behring Breivik vor zwei Jahren eine Bombe platziert hatte. In einer kurzen Ansprache appellierte Stoltenberg an die norwegische Gesellschaft, ihren Überzeugungen angesichts des Terrors treu zu bleiben: "Wir müssen unsere Werte, die am 22. Juli angegriffen wurden, bewahren: Humanität, Vielfalt, Solidarität und eine offene Gemeinschaft", sagte Stoltenberg.

Der Regierungssitz im Zentrum von Oslo zeigt ganz besonders, dass die Wunden nach den Anschlägen vom 22. Juli 2011 auch zwei Jahre später nicht verheilt sind. Während die Insel Utøya, auf Breivik 69 überwiegend junge Menschen tötete, bislang kaum angetastet wurde, musste man im Regierungsquartier schnell handeln.

Neun Gebäude wurden bei der Explosion der Bombe beschädigt. Am schlimmsten das Hochhaus, der sogenannte H-Block, in dem sich das 'Statsministerens kontor' und das Justizministerium befanden. Vor diesem Gebäude hatte Breivik den Lieferwagen mit der Bombe geparkt. Durch die Wucht der Explosion zersplitterten alle Glasscheiben der ersten zwölf Etagen. Auch die umliegenden Gebäude wurden stark getroffen. Zwei weitere sind seitdem nicht mehr benutzbar. Die Arbeitsplätze von 2.000 Menschen wurden zerstört. Von einer Minute auf die andere wurde die Regierung quasi obdachlos.

Die Trümmer und Glasscherben sind längst beseitigt. 150 Bauarbeiter haben die Gebäude so weit gesichert, dass sie nicht einsturzgefährdet sind. Sie haben versucht zu retten, was noch zu retten war: Dokumente, Computer, persönliche Gegenstände. Nun warten sie darauf zu erfahren, was mit dem Viertel passieren soll. Doch das wird die Regierung erst im kommenden Jahr entscheiden.

"Am Anfang saß ich an meinem Schreibtisch und habe geweint"

Ein Team aus Architekten und Bauberatern hat Ende Juni empfohlen, die vier am schwersten betroffenen Gebäude abzureißen und neue zu bauen. Auch das 18-stöckige Hochhaus mit dem Büro des Regierungschefs soll weichen. "Wir sind uns aber bewusst, dass der H-Block einen symbolischen Wert für das norwegische Volk hat", sagte der Sprecher des Expertenteams. Deshalb müsse die Politik über den Abriss entscheiden. Doch seine Argumente sind überzeugend: "In einem Neubau kann man die Sicherheitsaspekte viel besser berücksichtigen."

Betonsperren auf der Straße blockieren heute den Verkehr, aber als Fußgänger kann man ungehindert durch das Regierungsviertel spazieren. Doch viele verirren sich nicht in diese Geisterstadt aus verhängten Fassaden und zugezimmerten Fenstern. Das Osloer Guidebureau, das 300 Stadtführer beschäftigt, bietet keine Führungen durch das Areal an. "Wir möchten das nicht zu einer Pilgerstätte machen", argumentiert Dorothee Kraus. "Wir wollen keine Touristengruppen dorthin führen, wo andere trauern."

Für die Menschen, die in den noch intakten Büros arbeiten, sind die verlassenen Gebäude und die Betonsperren eine tägliche Mahnung an das, was passiert ist. "Ich schaue jeden Morgen da hoch, wo Stoltenberg sein Büro hatte", sagt Eystein, der seit 15 Jahren in der Serviceabteilung der Regierung arbeitet und seinen Nachnamen nicht sagen möchte. Er hat sein Büro durch die Explosion verloren und ist nun in einem anderen Gebäude in der Nähe untergebracht. "Am Anfang war es sehr schwer für mich", erzählt er. "Da saß ich an meinem Schreibtisch und habe geweint. Aber nun ist es okay."

Viele der Überlebenden und Angehörigen von Opfern sind bis heute traumatisiert, leiden unter Depressionen oder haben körperliche Beschwerden. Breivik wurde 2012 für seine Taten zu 21 Jahren Gefängnis und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Die Richter hielten ihn für geistig gesund. So hatte er es sich selbst auch gewünscht - die Staatsanwaltschaft hatte auf Unzurechnungsfähigkeit plädiert.

Mit Gedenkfeiern, Gottesdiensten und einer Schweigeminute wollen die Menschen in Norwegen heute an die Opfern der Anschläge erinnern.