Zwei Erdbeben erschüttern Nordkorea - Kim Jong Un behauptet, Wasserstoffbombe gezündet zu haben

3. September 2017 - 19:48 Uhr

Staatsfernsehen berichtet von einem erfolgreichen Test

Nordkorea hat nach eigenen Angaben erneut eine Wasserstoffbombe gezündet. Der Test am Sonntag sei erfolgreich gewesen, berichtete der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge das nordkoreanische Staatsfernsehen. Mit der Bombe könne auch eine neue Interkontinentalrakete (ICBM) des Landes bestückt werden. Die Explosionskraft von Wasserstoffbomben ist um ein Vielfaches höher als die herkömmlicher Atomwaffen. Der Großteil der Zerstörungskraft entsteht nicht aus der Spaltung von Uran- oder Plutoniumkernen, sondern aus der Verschmelzung von Wasserstoff-Kernen. Dabei werden unvorstellbar große Energiemengen frei - viel größer als bei einfachen atomaren Sprengsätzen. US-Präsident Donald Trump nannte den Test "feindlich" und "sehr gefährlich".

"Sie verstehen nur eine Sache"

Die neueste nordkoreanische Provokation heizt den Konflikt mit den USA weiter an. Donald Trump reagierte bei Twitter und drohte: "Südkorea findet, wie ich ihnen gesagt auch habe, dass die Friedensgespräche mit Nordkorea nicht funktionieren. Sie verstehen nur eine Sache." Er bezeichnete Nordkorea außerdem als "eine große Bedrohung" und "peinlich für China, das versucht, zu helfen, dabei aber keinen Erfolg hat". 

Das Beben erreichte die Stärke 6,3

Es wäre der sechste Atomtest Nordkoreas, den ersten hatte das diplomatisch isolierte Land 2006 durchgeführt. Nordkorea hatte auch nach dem Test im Januar des vergangenen Jahres von einem Wasserstoffbombentest gesprochen. Experten hatten die Angaben allerdings stark bezweifelt. Der neue Test wurde nach Angaben des südkoreanischen Militärs in der Provinz Nord-Hamgyong im Nordosten durchgeführt, wo das Land bereits die früheren Nuklearversuche unternommen hatte. Die Erschütterungen seien künstlich herbeigeführt worden. Das Beben errichte nach chinesischen Messungen eine Stärke von 6,3.

Der neue Test ist eine massive Provokation des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un in den stark gewachsenen Spannungen mit den USA und den Ländern in der Region. US-Präsident Donald Trump hat "militärische Optionen" nicht ausgeschlossen, um Nordkorea daran zu hindern, sein Atom- und Raketenprogramm weiter zu entwickeln. Auch hatte der US-Präsident mit "Feuer und Wut" gedroht, was Sorgen vor einem verheerenden bewaffneten Konflikt anfachte.

Nordkorea behauptet, Interkontinentalraketen mit Wasserstoffbomben bestücken zu können

Nur Stunden vor dem Atomversuch hatte Nordkoreas Machthaber verkündet, sein Land habe jetzt auch eine Wasserstoffbombe entwickelt, mit der eine Interkontinentalrakete (ICBM) bestückt werden könne. Kim Jong Un habe bei einem Besuch im staatlichen Atomwaffeninstitut eine H-Bombe inspiziert, die auf eine ICBM montiert werden sollte, berichteten die Staatsmedien am Sonntag.

Das Institut habe damit den Vorgaben der herrschenden Arbeiterpartei entsprochen, einen Durchbruch bei der atomaren Bewaffnung zu erzielen. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Es hieß, der Fortschritt basiere auf dem Erfolg, den das Land mit seinem ersten Wasserstoffbombentest im Januar des vergangenen Jahres erzielt habe. Ob es damals tatsächlich ein Test mit einer Wasserstoffbombe war, konnte bislang nicht unabhängig bestätigt werden.

Die USA verfolgen die Entwicklung der Atomsprengköpfe und der Interkontinentalraketen besonders mit Sorge, weil sie einen Schlag gegen amerikanisches Territorium befürchten. Die Bestückung einer Langstreckenrakete oder ein Test einer Wasserstoffbombe wären weitere große Fortschritte im Atom- und Raketenprogramm des Landes, das seit Jahren strengen internationalen Sanktionen unterworfen ist.

Bisher wurde bezweifelt, dass Nordkorea über Wasserstoffbomben verfügt

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un winkt am 15.04.2017 während einer Militärparade in Pjöngjang, Nordkorea. Nordkoreas Nuklearwissenschaftler haben nach Angaben der Staatsagentur KCNA eine Wasserstoffbombe gebaut, die von Interkontin
Kim Jong Un soll "stolz auf die unbezwingbare Stärkung" seiner Streitkräfte sein.
© dpa, Wong Maye-E, WM hjb lof

Bisher wurde angezweifelt, dass Nordkorea bereits über die Technologie verfügt, einen Sprengkopf so zu verkleinern, dass er auf eine Rakete passt. Auch ist schwierig, dass ein solcher Sprengkopf auch den Wiedereintritt der Rakete in die Erdatmosphäre übersteht. Die Explosionskraft einer Wasserstoffbombe oder H-Bombe ist um ein Vielfaches höher als bei einer herkömmlichen Atombombe.

Das diplomatisch isolierte Nordkorea hat den USA und Südkorea schon mehrfach mit einem präventiven Atomschlag gedroht. Mehrfach wurde US-Pazifik-Insel Guam ins Visier genommen, wo die USA einen großen Militärstützpunkt unterhalten.

Bilder der nordkoreanischen Medien zeigten am Sonntag ein Foto von Kim Jong Un und hochrangigen Parteifunktionären um einen runden silbernen Behälter, der angeblich den Sprengkopf für die Rakete zeigt. Er sei "stolz auf die unbezwingbare Stärkung" der Atomstreitkräfte, wurde Kim zitiert. Nach offizieller Darstellung lässt sich die Sprengkraft der neuen Waffe von Dutzenden Kilotonnen "bis mehrere hundert Kilotonnen" variieren.

USA beraten mit dem Weltsicherheitsrat über neue Sanktionen und Gegenmaßnahmen

Der Atomversuch folgte auf den Test vergangene Woche mit einer Rakete, die über Japan geflogen war. Die USA beraten gerade mit Japan oder auch den Mitgliedern im Weltsicherheitsrat über neue Sanktionen und Gegenmaßnahmen. Peking spielt hier eine wichtige Rolle, weil rund 90 Prozent des Handels mit dem isolierten Land über China läuft.

Die Nordkorea-Krise überschattet auch den Sonntag beginnenden jährlichen Gipfel der Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika in der südostchinesischen Stadt Xiamen. Dazu wird auch Russlands Präsident Wladimir Putin in China erwartet. Vor allem in den bilateralen Gesprächen von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping mit Putin und den anderen Staats- und Regierungschefs dürften Nordkoreas Atomtests eine Rolle spielen.