Zwei Brüder haben Deutschland verlassen, um in ihrer Heimat die Kurden gegen IS zu unterstützen

7. Juli 2015 - 15:20 Uhr

RTL-Reporterin Raschel Blufarb berichtet aus dem Nordirak

In Deutschland standen sie vor dem Nichts, in Kurdistan sind sie Helden: Sazar (30) und Mohamed (24) Ihsan - zwei Brüder, die aus Aachen auszogen, um in ihrer nordirakischen Heimat die Kurden im Kampf gegen die Terrormiliz IS zu unterstützen. RTL-Nahost-Korrespondentin Raschel Blufarb hat die beiden für das 'Nachtjournal' im Nordirak begleitet.

Zwei Brüder haben Deutschland verlassen, um in ihrer Heimat die Kurden gegen IS zu unterstützen
Sazar Ishan kämpft an der Seite der Kurden im Nordirak gegen die IS-Milizen.

Mohamed ist bereits vor drei Jahren aus Deutschland in die nordirakische Stadt Dorhuk gekommen, er hilft jetzt traumatisierten Kindern in den zahlreichen UNICEF-Flüchtlingscamps in der Region. Seit vier Monaten ist auch sein älterer Bruder Sazar da, die beiden wohnen gemeinsam im ehemaligen Elternhaus im nordirakischen Dohuk. Mohamed hat große Angst um seinen Bruder. Denn der ist nach Kurdistan gekommen, um an der Seite der Peschmerga freiwillig gegen den IS zu kämpfen.

Sazar hatte sich an RTL gewandt mit der Bitte, ihn bei seiner Mission zu begleiten. Er wolle der Öffentlichkeit zeigen, wie schwer der Kampf gegen die scheinbar übermächtigen IS-Kämpfer eist, wie barbarisch diese vorgehen. Dazu hat er stets eine kleine Kamera bei sich, er filmt eine Art Tagebuch, teilweise direkt vom Schlachtfeld.

"Als ich von Deutschland hierher kam, habe ich die große Angst dagelassen"

Er erzählt davon, dass der IS viele Selbstmordattentäter einsetzt, dass seine Kämpfer im Einsatz meist mit Drogen vollgepumpt sind. Und dass die Peschmerga zu wenige, zu alte und zu schwache Waffen haben. Sazar dokumentiert den grausamen Alltag an der Front, umgeben von Minenfeldern. "Als ich von Deutschland hierher kam, habe ich die große Angst dagelassen", sagt er. "Wenn man mit Angst hierher kommt, kann man nicht großartig mithelfen."

Sazar (30) und Mohamed (24) Ihsan sind gebürtige Kurden. 1996 flüchtete die Familie vor dem Angriff der Truppen Saddam Husseins aus dem Nordirak nach Deutschland. Sazar war da gerade elf Jahre alt, Mohamed fünf. Sie wuchsen in Düren auf. Sazar geriet an falsche Freunde und auf die schiefe Bahn, brach die Schule ab, ist derzeit auf Bewährung. Sein Einsatz im Irak sei aber mit dem Anwalt abgesprochen.