Verein nutzt Notfall-Programm

Zwangsurlaub für Mitarbeiter: Häme und Spott für den FC Liverpool

Jürgen Klopp
Jürgen Klopp
© AP, Jon Super, HA

05. April 2020 - 18:16 Uhr

Ein Club zerstört seinen Mythos

Er gehört zu den reichsten Vereinen im Clubfußball: der FC Liverpool. Eigentümer ist die Fenway Sports Group, eine Unternehmensgruppe um John Henry - mit einem Vermögen von rund 1,4 Milliarden Euro einer der reichsten Männer der Insel. Und nun hat dieser Verein, der wie kein zweiter für Werte wie Solidarität, Gemeinschaft und Ehrlichkeit steht, ein Notfall-Programm der britischen Regierung in Anspruch genommen und seine Mitarbeiter in Zwangsurlaub geschickt. Ein Programm, das eigentlich für die Schwächeren der Gesellschaft gedacht ist. Damit zerstört der Verein seinen Mythos - und das wohl nachhaltig.

Liverpool-Fans sind angewidert

Er sei "erstaunt" über die Nachricht, dass die Reds einige Angestellte in Kurzarbeit bzw. Zwangsurlaub geschickt haben, twitterte Clublegende Didi Hamann. Dafür sei das "Furlough"-Programm nicht geschaffen worden. "Das widerspricht der Moral und den Werten dieses Clubs, wie ich sie kennengelernt habe."

Hamanns langjähriger Teamkollege Jamie Carragher nannte den Schritt "armselig" und meinte: "Jürgen Klopp hat zu Beginn dieser Pandemie Mitgefühl mit allen gezeigt, jetzt ist all dieser Respekt und das Wohlwollen verloren." Ex-Profi Stan Collymore fand die Entscheidung "völlig falsch" und betonte: "Ich kenne keinen Liverpool-Fan, der etwas anderes als angewidert wäre."

Ein Shitstorm bricht über Anfield aus

Besagtes Programm soll Arbeitnehmern im Falle von Kurzarbeit bzw. Zwangsurlaub (engl. furlough) 80 Prozent ihres Gehalts bis zu einer Höhe von 2.500 Pfund/Monat (2.824 Euro) garantieren. Die Fenway Sports Group, der Liverpool seit Oktober 2010 gehört, will damit sicherstellen, dass betroffene Angestellte weiterhin ihr volles Gehalt beziehen. Doch sie erntete einen veritablen Shitstorm.

"Der Club nennt seine Mitarbeiter Familie. Ich fühle mich nicht wie ein Familienmitglied", zitierte die BBC einen anonymen Angestellten. Er sei "enttäuscht" von seinem Klub, der Millionen umsetze - und das für kleinere Geschäfte gedachte Programm missbrauche. Die Fan-Organisation "Spirit of Shankly" warnte vor Populismus, verlangte aber eine Erklärung für dieses "spektakuläre Eigentor" (Liverpool Echo).

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ManCity nimmt keine Hilfe in Anspruch

Zwar sind die Reds bereits der fünfte Club, der sich zu dieser Maßnahme entschloss. Viele Fans sehen darin jedoch das Vereinsmotto "You'll never walk alone" konterkariert. Sie verweisen auf die 42 Millionen Pfund (47,7 Millionen Euro) Gewinn vor Steuern in der jüngsten Bilanz. Liverpools Rivale Manchester City erklärte zudem am Sonntag, das Programm nicht in Anspruch zu nehmen.

RTL.de/sid