Zwangsheirat im Jemen: Nada (11) stellt Hilferuf ins Netz - mit Erfolg

02. August 2013 - 19:35 Uhr

"Ich würde lieber sterben, als in diesem Alter zu heiraten"

Ihr drei Minuten langer Videoclip auf Youtube wurde bisher millionenfach angeklickt. Die elfjährige Nada al-Ahdal aus dem Jemen erzählt auf den verwackelten Bildern, dass ihre Eltern sie im Jemen mit einem viel älteren Mann zwangsverheiraten wollen und sie deshalb geflohen sei – zu ihrem Onkel in die Hauptstadt Sanaa. Seit Veröffentlichung des Clips wird darüber spekuliert, ob er echt ist oder politisches Kalkül dahinter steckt. Jetzt haben CNN-Reporter die kleine Nada aufgespürt und waren dabei, als das Mädchen einen Erfolg verbuchte.

Nada al-Ahdal startete einen erfolgreichen Hilferuf
Die elfjährige Nada al-Ahdal aus dem Jemen sollte zwangsverheiratet werden - und stellte einen Hilferuf ins Netz.
© dpa, Stringer

"Welcher Mensch tut seinem eigenen Kind so etwas an?" – mit anklagendem Blick schaut Nada in die Kamera. Ihre Worte sind leidenschaftlich, sie spricht mit Tränen in den Augen: "Ich bin fertig mit euch! Ihr habt meine Träume zerstört."

Nada ist eines von insgesamt acht Kindern, lebt bei ihrer Familie im Jemen. Bis zu dem Tag, an dem sie erfährt, dass sie einen viel älteren Mann heiraten soll. Nada weiß genau, was ihr bevorsteht: Ihre Eltern machen damit schon länger Geld. Nadas ältere Schwester wurde schon mehrfach verlobt, jedes Mal habe die Mutter einen Teil des Brautgeldes im Voraus eingestrichen. "Ich bin keine verkäufliche Ware", sagt Nada in dem Video. "Ich würde lieber sterben, als in diesem Alter zu heiraten." Sie ist auch auf der Flucht vor ihren Eltern und auf der Flucht vor der Provinz. Sie will in die Schule gehen, im Internet surfen und Englisch lernen.

Nadas Geschichte ist kein Einzelfall

In einem gemeinsamen Treffen mit dem Onkel und der Frauenrechtsaktivistin Ramzia Al-Eryani bestreiten die Eltern Nadas Vorwurf, ihre Tochter zwangsverheiraten zu wollen. Doch am Ende des Treffens, bei dem auch der CNN-Reporter mit Kamera dabei sein darf, gibt es einen Kompromiss. Nadas Familie zieht nach Sanaa, damit sie dort zur Schule gehen kann.

Ob Nadas Geschichte nun wahr ist oder nicht - sie ist kein Einzelfall. "Es gibt viele Minderjährige, meistens Mädchen, die in einer Kinderehe oder eheähnlichen Gemeinschaft leben und deren Kindheit damit in der Regel schlagartig vorbei ist. Das ist eine schwere Menschenrechtsverletzung! Deshalb sind wir froh, dass dieses wichtige Thema der Kinderheiraten durch das Video eines kleinen Mädchens aus Jemen jetzt so viel Aufmerksamkeit bekommt", so Ninja Charbonneau von Unicef.