Illegale Kinderehen in Kenia

Vater verheiratet seine 12-jährige Tochter zweimal in einem Monat

Kinderehen sind in Kenia illegal.
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31. Juli 2020 - 10:06 Uhr

Kenia: 12-Jährige in einem Monat zweimal verheiratet

Ein 12-jähriges Mädchen aus Kenia hat tragische Wochen hinter sich: Innerhalb eines Monats wurde sie mit gleich zwei deutlich älteren Männern verheiratet. Initiator der Zwangsehen: ausgerechnet ihr Vater.

„Mädchen werden geboren, damit die Menschen essen können“

"Unser Vater hatte meine beiden älteren Schwestern gewaltsam verheiratet und ich war die einzige, die noch übrig war. Als die Schulen geschlossen waren, wollte er mich verheiraten", erzählt die Zwölfjährige der kenianischen Tageszeitung "The Standard". Eigentlich wollte sie die Schule beenden, ihr Traum ist es, als Ärztin zu arbeiten. Doch davon wollte ihr Vater nichts wissen. "Mädchen werden geboren, damit die Menschen essen können", antwortete er auf die Bedenken seiner Tochter. Besonders prägend war für sie die Begründung, wieso sie verheiratet werden sollte: "Ich möchte nur meine Mitgift holen." Das Wohl seiner eigenen Tochter schien ihm vollkommen egal zu sein. 

Flucht nach der ersten Hochzeit

Zunächst wurde das Mädchen gezwungen, einen 51-Jährigen zu heiraten, als Mitgift wurden vier Kühe angeboten. Als die Zwölfjährige protestierte, schlugen sie ihre Cousins zusammen. Zwei Wochen nach der illegalen Eheschließung haute sie ab. "Ich bin geflohen und da ich aus Angst vor Rüge nicht zum Haus meines Vaters zurückkehren konnte, bin ich mit einem 35-jährigen Mann durchgebrannt, der bereits verheiratet war", erklärt sie gegenüber "The Standard". Danach wurde sie zum zweiten Mal verheiratet.

Wegen der Coronapandemie nehmen Kinderehen in Kenia zu

Irgendwann wurde Joshua Kaputah, Aktivist für Kinderrechte, über das Mädchen informiert. Er konnte sie finden und in seine Obhut nehmen. Denn: In Kenia ist es ein Verbrechen, jemanden zu heiraten, der noch nicht 18 Jahre alt ist.

Doch wegen der Coronapandemie nehmen die Fälle von illegalen Kinderehen in Kenia deutlich zu: Allein in der Region, in der Kaputah das zwölfjährige Mädchen fand, soll es in den letzten drei Monaten 26 Fälle von Kinderehen gegeben haben. "Einige Familien haben Hunger und die Aussicht, zwei oder drei Kühe als Mitgift zu erhalten, ist sehr verlockend", erklärt Kaputah gegenüber "BBC".

Mittlerweile sucht die Polizei nach dem Vater und den beiden Männern, die das Mädchen geheiratet haben – sie sind untergetaucht. Bei einer Verurteilung drohen ihnen bis zu fünf Jahre Gefängnis und/oder eine Geldstrafe von bis zu einer Million Kenia-Schilling (rund 8100 Euro).

Kinderbräute leiden unter Gewalt und sexuellem Missbrauch

Kinderehen sind weltweit ein großes Problem. Die jungen Mädchen, sogenannte Kinderbräute, haben nicht nur begrenzte Möglichkeiten, eine Ausbildung abzuschließen oder wirtschaftlich unabhängig zu sein, auch sind sie extremen Risiken ausgesetzt: Viele Mädchen leiden unter sexuellem Missbrauch und Gewalt, die jungen Mütter müssen bei der Geburt oft mit starken Schmerzen und Komplikationen kämpfen.