Zurück in die unsichtbare Gefahr: Japan will Fukushima-Region wieder besiedeln

22. Juli 2015 - 15:43 Uhr

Bewohner haben Angst zurückzukehren

Vor mehr als vier Jahren erschütterte die Atomkatastrophe in Fukushima die Welt - rund 160.000 Menschen mussten damals das Gebiet verlassen. Jetzt plant die Regierung tausende Bewohner zurück in ihre Dörfer zu schicken. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat in einer der betroffenen Regionen eigene Messungen vorgenommen und warnt: Die Strahlung sei noch immer viel zu hoch.

Fukushima Bewohner sollen zurück
160.000 Menschen mussten die Fukushima-Region nach der Atomkatastrophe verlassen.
© dpa, JMSDF

In Iitate, rund 30 Kilometer nordwestlich vom AKW Fukushima, lebten vor der Katastrophe rund 5.000 Menschen. Jetzt ist es ein Geisterdorf. Doch das soll sich ändern. So will es zumindest die Regierung - die meisten Bewohner allerdings haben Angst.

Grenzwerte um das Zehnfache überschritten

"Ich wünsche mir, dass unsere Stimmen gehört werden", sagt Toru Anzai, der bis zu der Katastrophe in Iitate gewohnt hatte. Der 68-Jährige war Reisbauer, hatte mehrere Hektar Land. Hier wurde angeblich alles gereinigt. Die Atomexperten von Greenpeace messen allerdings Werte, die internationale Grenzwerte um das Zehnfache übersteigen. "Hier wird die Radioaktivität wieder auf die frisch ausgetauschte Erde reingeschwemmt. Das ist sozusagen kein Zustand, wo man sagen kann, dass es wieder in Ordnung ist", sagt Atom-Experte Heinz Smital. Eine Rückkehr der Menschen in ihre Häuser sei deshalb "nicht zu verantworten".

Trotzdem will die Regierung an ihren Plänen festhalten: Bis zum März 2017 sollen die Evakuierungsbefehle für Iitate und weitere Gebiete aufgehoben werden. Damit fallen auch die ohnehin niedrigen Kompensationszahlungen weg. Viele Opfer sind dann wohl gezwungen in ihre alten Häuser zurückzukehren.