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Zur Fahndung ausgeschrieben: 15-jährige Linda aus Pulsnitz ist offenbar auf dem Weg zum IS

Linda hatte gute Noten, war ein ruhiges, fröhliches Mädchen

Sie lebte in einem gepflegten Einfamilienhaus in der sächsischen Kleinstadt Pulsnitz, ging in die neunte Klasse einer Realschule. Notendurchschnitt: 2,1. Damit war Linda die Drittbeste ihrer Klasse. Ihre Eltern beschreiben die 15-Jährige als ruhiges, fröhliches Mädchen. Vor einem halben Jahr sei sie nicht einmal alleine Bahn gefahren.

IS Radikalisierung Syrien Türkei Islamischer Staat
Das Selfie ist vor Lindas Verschwinden entstanden

Doch plötzlich verändert sich alles. Vor einer Woche verschwindet Linda zunächst spurlos. Mittlerweile ist klar: Sie ist in einen Flieger Richtung Istanbul gestiegen. Jetzt deutet vieles darauf hin, dass sie über das türkische Drehkreuz weiter in Richtung Syrien gereist ist. Um sich dort dem Islamischen Staat anzuschließen.

Ihre Mutter Katharina und Stiefvater Thomas haben Angst, das Mädchen nie wiederzusehen. Aber was bringt eine 15-Jährige, die in einem evangelischen Haushalt aufgewachsen und sogar zur Konfirmation gegangen ist dazu, sich für den radikalen Islamismus zu interessieren?

Im Frühjahr erzählt sie ihren Eltern erstmals vom Interesse am Islam. „Wir haben uns nichts dabei gedacht und ihr einen Koran gekauft“, erzählt die Mutter. Die 15-Jährige verändert sich. Sie fastet im Ramadan. Ihren Eltern erzählte Linda, sie mache eine Diät.

Ihrer Schwester Miriam, die nicht mehr im Elternhaus wohnt, vertraut sie dagegen an, dass sie zum Islam konvertiert ist. „Ich habe mir aber nichts dabei gedacht, wollte weltoffen reagieren“, sagt Miriam heute.

Auch als die 15-Jährige bei Temperaturen um 30 Grad lange Klamotten trägt, wird niemand misstrauisch. War es, weil sie ein Teenie ist? Weil alle dachten, sie mache nur eine schwere Phase durch?

Über einen zweiten Facebook-Account verschleiert sie ihre neuen Kontakte

Erst als ihr Direktor die sich verändernde Linda um ein Gespräch bittet, kommt Licht ins Dunkel. Linda hatte ihn gefragt, ob sie ein Kopftuch tragen dürfe. Dabei habe sie laut den Eltern ständig davon gesprochen, irgendwo hinzuwollen. Nach Syrien?

Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Am vergangenen Wochenende erzählt Linda ihren Eltern, sie wolle bei einer Freundin übernachten. Als sie am Sonntagabend jedoch nicht nach Hause kommt, wird die Mutter misstrauisch und ruft an. Die Übernachtung bei einer Freundin? Ausgedacht!

Die Eltern alarmieren die Polizei, durchsuchen parallel Lindas Zimmer. Dabei finden sie unter der Matratze eine Flugbuchung: Demnach ist das Mädchen bereits am Freitag, also zwei Tage nachdem die Eltern ihr verschwinden bemerken, von Dresden aus über Frankfurt nach Istanbul geflogen. Die Polizei bestätigte auf RTL-Nachfrage, erst zwei Tage nach der Abreise des Mädchens von dem Fall erfahren zu haben.

Mittlerweile sind mehrere persönliche Gegenstände von Linda aufgetaucht. Darunter ein Gebetsteppich und ein Tablet-PC. Darauf hat Linda Hunderte islamische Fotos gespeichert. Die Eltern entdecken ein zweites Facebook-Profil ihrer Tochter. Über den neuen Account hat Linda nur mit arabischen Freunden geschrieben, Sprüche geteilt wie: „bete, Ende naht“.

Die 15-Jährige ist jetzt international zur Fahndung ausgeschrieben. Doch in Istanbul verliert sich jede Spur von ihr. Vor ihrer Abreise hinterließ Linda keinen Abschiedsbrief, nicht einmal eine kurze Notiz. Die Eltern können nicht mehr machen als hoffen, dass sie ihre Tochter noch einmal lebendig sehen.

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