Zugbegleiterin schläft bei der Arbeit ein: Kündigung unwirksam

Zugbegleiterin klagte vor dem Arbeitsgericht in Köln gegen ihre Kündigung.
Zugbegleiterin klagte vor dem Arbeitsgericht in Köln gegen ihre Kündigung.
© dpa, Henning Kaiser

19. November 2014 - 15:27 Uhr

Gericht: Kündigung war unverhältnismäßig

Einschlafen als Kündigungsgrund? Unwirksam, hat das Arbeitsgericht in Köln nun entschieden. Geklagt hatte eine Bahnmitarbeiterin, die während der Arbeit eingenickt war - und daraufhin prompt die Kündigung erhalten hatte.

Die Frau argumentierte, dass es ihr an besagtem Tag gesundheitlich nicht gut gegangen sei, und dass sie deshalb nach Rücksprache mit ihrer Chefin in einem Abteil die Füße hochgelegt habe. Da niemand nach ihr sah, schlief die 30-Jährige nach eigenen Angaben die ganze siebenstündige Fahrt durch. Die Arbeitgeberin wertete das Einschlafen als Arbeitsverweigerung und führte zudem vor Gericht an, dass die Angestellte in der Vergangenheit schon abgemahnt worden sei, weil sie ihren Dienstbeginn verschlafen hatte.

Die Richter sahen das anders und befanden die Kündigung als unverhältnismäßig. Auch, dass die Frau zuvor bereits abgemahnt worden war, spiele keine Rolle.

Fünf Dinge, die Sie den Job kosten können

Die Zugbegleiterin ist noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Doch es gibt Fälle, die nicht so glimpflich ausgingen. Wir haben Dinge zusammengetragen, die Arbeitnehmer lieber nicht tun sollten, wenn sie noch länger im Betrieb bleiben möchten.

1. Schneckentempo

Nichts überstürzen, ist ein gutes Motto. Wer allerdings extrem langsam arbeitet, riskiert seinen Job. Der Chef müsse das nicht akzeptieren, urteilte das Arbeitsgericht Frankfurt (Az.: 2 Ca 254/04). In dem Fall hatte eine Kreisverwaltung einer Architektin gekündigt, die trotz mehrerer Abmahnungen auch nach 96 Arbeitstagen mit dem geforderten Gutachten nicht fertig geworden war - 40 Tage hatte ihr Arbeitgeber für die Aufgaben als realistisch eingeschätzt. Mehr als doppelt so lang war nach Ansicht des Gerichts einfach zu viel.

2. Unangemeldet in die Zigarettenpause

Heimlich die eine oder andere Raucherpause einzulegen, kann großen Ärger geben: Wer regelmäßig zur Pause in den Raucherraum geht, ohne wie in dem Betrieb vorgeschrieben, vorher "auszustempeln", darf fristlos gekündigt werden. So entschied das Arbeitsgericht Duisburg (Az.: 3 Ca 1336/09). In dem Fall hatte eine Mitarbeiterin schon mehrere Abmahnungen bekommen, weil sie sich nicht an die Regel gehalten hatte, die Zeit für die Pausen zu erfassen. Die Kündigung sei deshalb gerechtfertigt, argumentierte das Gericht

3. Schmuddelbildchen

Vor Mitarbeiterinnen Pornobilder rumzuzeigen, geht gar nicht. Vorgesetzte, die das anders sehen, riskieren eine fristlose Kündigung, entschied das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein (Az: 3 Sa 163/06). Denn sexuelle Belästigung fange nicht erst bei Betatschen oder körperlichem Bedrängen an. In dem Fall hatte ein Vorgesetzter zwei Mitarbeiterinnen Pornobilder gezeigt und angeboten, er könne solche auch von ihnen schießen. Nicht akzeptabel urteilten die Richter.

4. Die falsche Unterwäsche

Wenn am Arbeitsplatz einheitliche Arbeitskleidung vorgeschrieben ist, gilt das auch für Details. Und das ist tatsächlich wortwörtlich zu verstehen. So darf ein Arbeitgeber zum Beispiel darauf bestehen, dass der Einheits-Look nicht durch Unterwäsche mit Blümchenmuster gestört wird, entschied das Landesarbeitsgericht Köln (Az.: 3 TaBV 15/10) im Fall eines Mitarbeiters der Fluggastkontrolle. Er dürfe auch vorschreiben, dass die Socken keine Muster haben oder Feinstrumpfhosen keine Nähte - und dass die Fingernägel nicht in verschiedenen Farben lackiert sind.

5. Fluchen? Jein…

Man darf ruhig mal deutlich werden - entscheidend ist aber, wo und wem gegenüber. Andere als "Arschloch" zu beleidigen, sei nicht gleich ein Grund für eine Kündigung, entschied das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein (Az.: 4 Sa 474/09). In dem Fall war einem Kraftfahrer der Geduldsfaden gerissen, als er durch eine enge Durchfahrt rangieren musste und dabei angepampt wurde. Dagegen kann schon ein Witzchen über den Papst den Arbeitsplatz kosten - wenn man bei der Caritas angestellt ist. Einrichtungen der katholischen Kirche müssen solche Scherze nicht hinnehmen, so das Landessozialgericht Baden-Württemberg in Stuttgart (Az.: L 12 AL 2879/09). In dem Fall hatte ein Pfleger in einem von der Caritas getragenen Krankenhaus im Internet unter Pseudonym satirische Texte veröffentlicht, die nach Ansicht des Arbeitgebers den Papst diffamierten. Das gehe zu weit, entschieden die Richter.