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Zug entgleist südlich von Paris: Mindestens sechs Tote und viele Verletzte

Zug entgleist südlich von Paris: Mindestens sechs Tote und viele Verletzte

Ein "apokalyptischer Anblick"

Katastrophe in Frankreich: Mindestens sechs Menschen sind bei einem schweren Zugunglück in der Nähe von Paris ums Leben gekommen. Nach Angaben der Rettungskräfte erlitten zudem Dutzende Reisende Verletzungen. 22 Passagiere mussten schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht werden.

Injured persons get medical assistance next to the scene of an intercity train accident at the Bretigny-sur-Orge train station near Paris July 12, 2013. An intercity train headed for the central French city of Limoges derailed south of Paris on Friday, the national rail company SNCF said. Seven people died and several dozen were injured when a regional train derailed en route from Paris to the central city of Limoges, Interior Minister said.  REUTERS/Kenzo Tribouillard/Pool   (FRANCE - Tags: TRANSPORT DISASTER)
Hunderte Rettungskräfte waren an der Unglücksstelle im Einsatz, um die Opfer zu bergen.
REUTERS, POOL

Nach Angaben von Frankreichs Bahnchef Guillaume Pepy reisten rund 370 Menschen in dem Zug. Er entgleiste aus noch ungeklärter Ursache im Bahnhof von Brétigny-sur-Orge. Der Ort liegt 40 Kilometer südlich von Paris.

Innenminister Manuel Valls sagte bei einer Pressekonferenz, die Opferbilanz werde sich aller Voraussicht nach weiter verschlimmern. Einige Reisende seien sehr schwer verletzt. "Das ist eine Katastrophe", so Bahnchef Pepy. Hunderte Rettungskräfte seien im Einsatz.

Den Augenzeugen an der Unglücksstelle bot sich ein Bild des Grauens. "Das Bahnsteigdach ist eingestürzt. Vier Waggons sind total zerfetzt", berichtete der sozialistische Parlamentarier Michel Pouzol im Radio. Es sei ein "apokalyptischer Anblick". Der Bürgermeister des betroffenen Ortes, Bernard Decaux, sprach von Panik rund um den Bahnhof.

"Das hat sich wie ein kleines Erdbeben angefühlt"

Wie es in Brétigny-sur-Orge zu einem der schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre kam, war zunächst völlig unklar. Nach ersten Erkenntnissen wurde der Zug mit der Nummer 3657 bei der Einfahrt in den Bahnhof aus noch ungeklärter Ursache in zwei Teile gerissen.

Während der Zugteil mit dem Triebwagen weiterrollte, krachte der andere in den Bahnsteig. Insgesamt sechs Waggons seien entgleist, sagte der zur Unglücksstelle geeilte Bahnchef Pepy.

Ein in der Nähe der Unfallstelle wohnender Eisenbahner im Ruhestand berichtete dem TV-Sender RTL: "Das hat sich wie ein kleines Erdbeben angefühlt. Es gab einen heftigen Stoß, aber keinen großen Lärm." Andere Anwohner sprachen von einem großen "Bums". Drei Stunden nach dem Unglück machte sich auch Frankreichs Präsident François Hollande ein Bild von der Lage und sprach mit Überlebenden.

Die Bahngesellschaft SNCF richtete eine Notfallnummer für die Angehörigen der Reisenden ein. Eigentlich hätte der um 16.53 Uhr am Pariser Bahnhof Austerlitz gestartete Zug um 20.05 Uhr in Limoges ankommen sollen. Die Stadt liegt rund 400 Kilometer südlich der Seine-Metropole.

Zuletzt hatte 2011 ein schweres Zugunglück Frankreich erschüttert. Damals stieß ein Lastwagen an einem beschrankten Bahnübergang nördlich von Rennes mit einem Regionalzug zusammen - zwei Menschen starben und 45 wurden verletzt. 2002 starben bei einem Brand in einem Schlafwagen eines Nachtzugs auf der Strecke zwischen Paris und München in Nancy zwölf Menschen.