Zu wenig Schulplätze in Berlin: Zwölfjährige soll eine Stunde zur Schule pendeln

Zwölfjährige soll eine Stunde täglich zur Schule pendeln Platzproblem an den Berliner Schulen
09:16 min
Platzproblem an den Berliner Schulen
Zwölfjährige soll eine Stunde täglich zur Schule pendeln

30 weitere Videos

Drei Schulen liegen direkt in der Nähe

Das gibt‘s doch wohl nicht! Das haben sich auch die Eltern der zwölfjährigen Stella gedacht. Jeden Tag soll ihre Tochter fast eine Stunde zur Schule pendeln, obwohl gleich drei Schulen in der Nähe sind. Doch die zuständige Behörde hat alle drei Wunschschulen abgelehnt.

Schulen in Berlin: Der Kampf um die Plätze wird immer härter

Während andere Kinder in ihrem Alter entspannt zur Schule um die Ecke gehen können, soll die zwölfjährige Stella jeden Tag 15 Stationen mit der Bahn zur Schule fahren und bräuchte dafür eine Stunde hin und eine Stunde wieder zurück.

Laut der zuständigen Behörde kommen aber alle drei Wunschschulen in Lichtenberg oder Marzahn-Hellersdorf für Stella nicht in Frage, weil es angeblich keine Plätze gebe. Deswegen soll die Zwölfjährige jetzt in Wedding zur Schule gehen.

Immer mehr Kinder bekommen in Berlin keinen Schulplatz

Stellas Fall ist kein Einzelfall: In Berlin können rund zehn Prozent der Kinder nicht auf die gewünschte Schule gehen, auch wenn Eltern zunächst drei Wunschschulen angeben dürfen. Das liegt unter anderem am Anmeldesystem, welches von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist. Schulpolitik ist nämlich Ländersache.

Bei der Vergabe der Plätze zählen in Berlin die Schulnoten und nicht der Wohnort - wer die besten Noten hat, wird bevorzugt. Stella hatte mit 3,3 einen zu schlechten Notendurchschnitt und wurde an ihren Wunschschulen abgelehnt. Der Rest der Plätze wird verlost oder nach einer Härtefallregelung entschieden. Auch wenn diese in Stellas Fall angemessen wäre, bekam sie eine Absage. Stellas Mutter blieb nur noch der rechtliche Weg - sie musste einen Schulplatz in ihrer Nähe einklagen.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Wunschschulplatz abgelehnt: Das können Eltern tun

Wurde der Schulplatzwunsch Ihres Kindes abgelehnt, können Sie rechtlich gegen die Ablehnung vorgehen. Sie sollten innerhalb von vier Wochen nach Erhalt der Ablehnung Widerspruch bei der Schulbehörde oder beim Bezirksamt einlegen - möglichst mit Hilfe eines erfahrenen Anwalts, der ihn juristisch begründen kann. Dazu braucht es Einsicht in die Akten der betreffenden Schule. Der Anwalt prüft, ob die Bedürfnisse des Kindes bei der Platzvergabe ausreichend berücksichtigt wurden. So kann ebenfalls geprüft werden, ob die Schule im Auswahlprozess den Notendurchschnitt des Kindes vielleicht falsch berechnet hat oder der Anteil der Härtefälle falsch gerundet wurde.

Zusätzlich können Sie selbst Schulen anfragen und dem Schulamt vorschlagen. Wenn das alles nicht funktioniert, ist eine Schulplatzklage der letzte Weg.

Auch Stellas Mutter hat mit Hilfe unserer Reporterin den rechtlichen Weg eingeschlagen. Ob ihre Tochter letztlich auf ihre Wunschschule gehen darf, erfahren Sie im Video.